WM-Vorbereitung auf dem Hotelflur

Die MIC-Crew aus Rüttenscheid tanzt ab Freitag bei der WM in Glasgow.
Die MIC-Crew aus Rüttenscheid tanzt ab Freitag bei der WM in Glasgow.
Foto: WAZ
Der Frohnhauser Aaron Teschendorf fährt mit seiner Crew von Dance&More aus Rüttenscheid nach Glasgow zur Hip-Hop WM.

„Coolness kann man trainieren“, sagt der 15-jährige Aaron Teschendorf. Man merkt dem Frohnhauser an, dass er viel trainiert. Mit Käppi und Jogginghose – also im gewohnten Look eines Hip-Hopers – spricht Teschendorf über seine Leidenschaft. Coolness und Lässigkeit seien für sein Hobby ganz wichtig. Wer das am besten beherrsche, habe gute Chancen erfolgreich zu sein – und das ist er. Im Juni diesen Jahres wurde Aaron Teschendorf Deutscher Meister im Hip-Hop-Tanzen, in der Kategorie „U16-Newcomer“ zeigte der Essener ein überzeugendes Solo und tanzte sich an Deutschlands Nachwuchs-Spitze. Der Lohn: Die Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Glasgow, die an diesem Wochenende ansteht.

Gemeinsam mit weiteren Tänzern von „Dance&More“ aus Rüttenscheid begibt sich Teschendorf auf das Abenteuer in Schottland. „Wir haben eigentlich ganz gute Chancen, ins Finale zu kommen“, glaubt er. Seine „Crew“, das M.I.C, sei für den Neuntklässler wie eine Familie, mit der man auch außerhalb der Trainings- und Wettkampfzeiten Zeit verbringe. „Nach dem Training treffen wir uns immer mal, essen zusammen Pizza oder schauen einen Film“, sagt Teschendorf, der dazu in den letzten Wochen eigentlich gar keine Zeit hatte. Die Vorbereitung auf die WM war intensiv, jeden Tag mindestens drei Stunden lang wurden Schritte und Choreographien eingeübt – möglichst lässig sollen sie aussehen. Sogar im Italien-Urlaub ging es nicht um Pizza und Erholung, sondern auch dort wurde trainiert. „Manchmal bin ich einfach in den Hotelflur gegangen und habe da meine Schritte geübt. Das sah für die Gäste ein bisschen komisch aus.“

Teschendorf ist ehrgeizig und lernwillig. Viele Tänze denkt er sich selbst aus oder schaut sie sich bei den Großen ab. „Ich sehe mir Youtube-Videos an, versuche die Schritte vor dem Spiegel nachzutanzen und filme mich dabei.“ So könne er direkt analysieren und Kleinigkeiten verbessern. „Unter anderem meine Freunde Dani und Kevin helfen mir dabei sehr. Die tragen einen großen Teil dazu bei, dass mir Hip-Hop so viel Spaß macht.“

Man kann sich auch gut ablenken

In der Rüttenscheider Tanzschule schiebt Teschendorf mit seiner Crew Sonderschichten, jeder Schritt, jeder „Move“ und vor allem auch die Synchronität muss sitzen bis zum Wettkampf. „Oft sind unsere T-Shirts nach dem Training klatschnass“, berichtet Teschendorf, „Hip-Hop-Tanzen ist körperlich ziemlich anstrengend.“ Volle Konzentration sei gefragt, was dem 15-Jährigen gefällt. „Beim Tanzen kann man sich gut ablenken. Man denkt nicht an Hausaufgaben oder so“, sagt er.

Teschendorfs Leidenschaft begann vor sechs Jahren, als ihn seine Mutter von der Couch holte. „Sie hat gesagt: ‘Willst du dir nicht mal ein Hobby suchen?’ Und dann habe ich mich umgesehen.“ Auch Kampfsport hat Teschendorf gemacht, doch die Tanzstunden haben ihm auf Anhieb besser gefallen. Hip-Hop hat es ihm angetan. „Ich mag dieses Gefühl, wenn du auf der Bühne stehst, deine Show ablieferst und dich dafür alle feiern“, schmunzelt er. Die Show ist, neben dem Tanz an sich, ein großer Faktor für die Bewertung. „Es kommt vor allem auch auf dein Auftreten an. Je cooler du tanzt, desto besser wirst du benotet“, sagt Teschendorf.

Bei der WM in Glasgow tritt der Frohnhauser sowohl im Solo als auch mit der Crew an. Heute geht es los, getanzt wird natürlich zu echter Hip-Hop-Musik. „Aber es dürfen keine Beleidigungen im Text vorkommen“, merkt der Hip-Hopper an, „darauf achtet die Jury, sonst wird eine Mannschaft disqualifiziert.“ Generell wolle der Weltverband UDO darauf achten, dass Hip-Hop nicht in die „Gangster-Schublade“ gesteckt werde. So wird unter anderem auch kontrolliert, dass Mädchen keine zu kurzen Röcke tragen.

Die Spannung steigt bei Aaron Teschendorf und seinen Kollegen. „Klar, ich werde aufgeregt sein, aber ich freue mich schon und werde mein Bestes geben.“ Insgesamt sind 19 Tänzer aus Essen mit dabei, untergebracht in einem Glasgower Hostel. Und wenn die Essener Gruppe am Ende tatsächlich an der Weltspitze angekommen sein sollte, dann dürfte wohl der Flur im Hostel vom Trainingsplatz spontan zur Disco umgebaut werden.

 
 

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