Tischtennis: Horster „Hobbyisten“ und die finanzstarke Konkurrenz

Das Aufsteiger-Team, v.l. Nils Schwinning, Oliver Buschk¸hl, Benedikt Burgmer, Dennis Stadie, Benjamin Kley und Christoph Siepmann. Es fehlt Christian Laschet. Foto:  Michael Gohl / WAZ FotoPool
Das Aufsteiger-Team, v.l. Nils Schwinning, Oliver Buschk¸hl, Benedikt Burgmer, Dennis Stadie, Benjamin Kley und Christoph Siepmann. Es fehlt Christian Laschet. Foto: Michael Gohl / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool

Neuland ist die Tischtennis-Oberliga für Aufsteiger MTG Horst nicht. Aber das Gastspiel endete vor zwei Jahren mit der ersten Saison. Den direkten Wiederaufstieg schaffte das Team um Spitzenspieler Dennis Stadie mit der maximalen Ausbeute von 44:0 Punkten, aber die Rahmenbedingungen in der vierthöchsten Spielklasse haben sich gravierend verändert.

Seit der vergangenen Saison hat der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) die Organisation des Spielbetriebs in der Regional- und Oberliga vom Westdeutschen Tischtennis-Verbandes (WTTV) übernommen. Damit verbunden sind vor allem zahlreiche Auflagen, die den Horstern - wie auch den Damen des TV Kupferdreh - einiges abverlangen.

Als MTG-Abteilungsleiter findet Benny Burgmer dazu ebenso harte wie klare Worte: „Im Grunde zeigt uns der DTTB mit seinen Auflagen, dass er Mannschaften wie uns in der Oberliga nicht mehr sehen möchte. Die Mehrkosten für alle erforderlichen Anschaffungen liegen bei rund 2000 Euro, um in allen geforderten Bereichen aufzurüsten und damit saftige Versäumnis- und Ordnungsgebühren zu vermeiden“, sagt Burgmer. „Das spielt vor allem den Vereinen in die Karten, die ohnehin versuchen, mit Geld nach oben zu kommen. Bei uns ist Tischtennis jedoch kein Geschäft, sondern weiterhin ein leistungsorientiertes Hobby.“

Burgmer, mit 25 Jahren nicht nur der jüngste Abteilungsleiter im Kreis, sondern auch der Benjamin im Team, spricht aus Erfahrung. „Nach dem Aufstieg klopften etliche Spieler bei uns an, winkten aber schnell wieder ab, als sie hörten, dass man hier lediglich Kilometergeld für die Auswärtsspiele und Zuschüsse für Schlägermaterial erhalten kann. Das unterscheidet sich deutlich von vielen anderen Vereinen, bei denen schon in der Landesliga - und selbst in noch niedrigeren Klassen - ganz andere Beträge über den Tisch gehen.“

Trotz des fehlenden finanziellen Anreizes ist man beim viermaligen Stadtpokalsieger aber zufrieden. Mit der Feststellung: „Wir haben eine Mannschaft, die sportlich und menschlich zueinander passt. Deshalb sind wir auch alle bereit, auf finanzielle Vorteile zu verzichten.“ Zumal die MTG eine weitere Exklusivität für sich beansprucht: Dass alle aktuellen Spieler, zum Teil nach einigen Umwegen bei auswärtigen Vereinen, geborene Essener sind, oder wie im Fall des einzigen Neuzugangs Volker Arndt, schon lange hier wohnen, dürfte auf diesem Niveau einmalig sein.

Für die 1973 gegründete Abteilung des zahlenmäßig größten Essener Vereins ist es das dritte Gastspiel in der Oberliga. Nach dem kurzen Intermezzo vor zwei Jahren, endete 1990 der Aufstieg erst in der 1. Bundesliga. Ein dauerhafter Oberliga-Aufenthalt erscheint eher unwahrscheinlich, da im Zuge einer Spielklassenreform des DTTB die drei westdeutschen Oberliga-Gruppen zuerst auf zwei, dann sogar auf eine, „eingestampft“ werden.

Benny Burgmer sieht trotzdem „reelle Chancen, wenigstens das erste schwere Jahr zu überstehen. Vor einigen Mannschaften müssen wir uns nicht verstecken“.

 
 

EURE FAVORITEN