SGS-Talent Lena Pauels im Eiltempo zum EM-Titel

U15 Länderspiel zwischen Deutschland und den Niederlanden mit der heutigen SGS-Torhüterin Lena Pauels.
U15 Länderspiel zwischen Deutschland und den Niederlanden mit der heutigen SGS-Torhüterin Lena Pauels.
Foto: WAZ FotoPool
Die Nachwuchs-Torhüterin des Frauenfußball-Bundesligisten SGS Essen wurde unverhofft für die U17-Nationalmannschaft nachnominiert und ist jetzt Europameisterin. Im Essener Sportinternat, wo sie inzwischen wohnt, hat davon kaum jemand etwas mitbekommen.

Die Laune von Lena Pauels war allerhöchstens mittelprächtig, als sie sich zusammen mit ihrem Vater ins Auto setzte. Als Zuschauerin hatte die Torfrau der U17 der SGS Essen die Partie der eigenen Bundesliga-Frauen gegen Triple-Sieger VfL Wolfsburg (0:2) von der Tribüne aus mitverfolgt. Schönebeck war nicht schlecht, aber doch chancenlos. Es war ein grauer Sonntag. Selbst das Wetter war kalt und trostlos. Vereinzelte Regentropfen prallten auf die Frontscheibe und erste Gedanken an den morgigen Schultag kamen auf bei Lena Pauels.

Doch dann klingelte ihr Handy. Am anderen Ende war Anouschka Bernhard, die Trainerin der U17-Nationalmannschaft: „Du musst sofort nach England kommen!“ Lena Pauels schluckte. Sie war perplex, wusste gar nicht, was sie sagen sollte. In England fand schließlich gerade die Europameisterschaft statt. Ersatztorfrau Miriam Hanemann hatte sich verletzt und Pauels sollte nachrücken. Aber als diese Worte bei ihr richtig angekommen waren, klärte Vater Pauels bereits die Flugdetails mit der Nationaltrainerin ab. Am nächsten Morgen ging es nach London.

„Ich habe damit überhaupt nicht gerechnet“, sagt sie. Schließlich war das Turnier bereits im vollen Gange. Deutschland hatte sich trotz einer 0:4-Pleite gegen Spanien als Gruppenzweiter für das Halbfinale qualifiziert. Für Pauels ging es von Null auf Hundert. Zwei Mal konnte sie mit der Mannschaft trainieren, einen Ausflug nach Birmingham machte sie noch mit und schon stand die Partie gegen Italien an. Es war wie im Traum: Deutschland zog dank des Treffers von Ricarda Walkling ins Endspiel ein.

Und bekanntlich kam es zum Happy End. Voller Stolz zeigt Pauels ihre Goldmedaille. In Rekordzeit ist sie zur Europameisterin geworden. Denn Deutschland schlug im Finale Spanien nach Elfmeterschießen mit 4:2. Zweifelsfrei ist es der bisher größte sportliche Erfolg für die 15-jährige Torfrau, die sich auch ohne Spielminuten als Teil der Mannschaft sieht. Wahrscheinlich auch, weil die Eindrücke in dieser kurzen Zeit so überwältigend waren: „Wir haben zusammen trainiert, Ausflüge gemacht und abends X-Box gezockt. Da wächst man schnell zusammen.“

Außerdem war Pauels schon bei der Qualifikation zur EM mit dabei. Chancen auf eine Nominierung hatte sie sich dennoch nicht gemacht, weil sie mit ihren 15 Jahren eigentlich noch zum Kreis der U16 zählt. Umso schöner war nun der Moment, als sie im Spielertunnel mit dem Team darauf wartete, zur Siegerehrung aufgerufen zu werden. Es war ein fast ohrenbetäubender Lärm, denn natürlich hatten die Spielerinnen die Gelegenheit genutzt, aus der Kabine ihre Handys zu holen. Und die klingelten nun in einer Tour.

Sportinternat in Rüttenscheid

Die Freude über den EM-Titel steht Pauels noch heute ins Gesicht geschrieben. Allerdings konnte sie ihr Glück noch gar nicht so richtig teilen. Eine kurze Feier gab es, dann machte sich die U17 auf die Heimreise und die Spielerinnen waren bald wieder in alle Himmelsrichtungen verstreut. Für Pauels ging es gleich nach ihrer Ankunft in Düsseldorf ins Rüttenscheider Sportinternat, wo sie unter der Woche lebt und zur Schule geht. Die Medaille hängte sie schnell übers Bett, packte ihre Tasche und fuhr zum Training. „Ich glaube, im Internat haben viele gar nichts von der EM mitbekommen. Hier gibt es ja vor allem Schwimmer und Kanuten. Die interessieren sich nicht so für Fußball“, meint die Schülerin. Womöglich ging es für die meisten aber auch einfach viel zu schnell.

 
 

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