Samulski sagt Servus

Foto: AFP

Eine Pause haben sich die Asse der SG Essen während der Feiertage kaum gegönnt. Selbst zu Heiligabend und am Silvestertag hatte SGE-Cheftrainer Henning Lambertz jeweils eine Trainingseinheit im Leistungszentrum Rüttenscheid angesetzt. Gestern nun ist das Bundesstützpunkt-Team der Startgemeinschaft ins Trainingslager nach Teneriffa geflogen. Sonne, um die 23 Grad. Das wird ganz sicher ein wenig darüber hinweghelfen, dass den Athleten nun 14 Tage harte Arbeit bevorstehen.

Daniela Samulski, die Top-Schwimmerin der SGE, ist natürlich nicht mit auf die Kanaren geflogen. Lambertz hat die Zusammenarbeit mit der Vize-Weltmeisterin von 2009 aufgekündigt (wir berichteten). Die 26-Jährige hat sich eine Auszeit genommen, um sich auf ihr Studium („Soziale Arbeit“) zu konzentrieren. Allerdings sei ein solcher Ausstieg von mehreren Monaten nicht mit dem Ziel Olympische Spiele zu vereinbaren, argumentierte Lambertz. Nachdem er über Wochen vergeblich versucht hatte, Kontakt zu Samulski aufzunehmen, entschied er sich für die Trennung. Eine Anfrage dieser Zeitung bei der Schwimmerin blieb ebenfalls unbeantwortet.

Gestern allerdings bekam Lambertz eine E-Mail von Samulski. Keine bösen Worte, sondern ein versöhnliches Schreiben. „Sie hat mir ein frohes neues Jahr gewünscht und bestätigt, dass sie vom Leistungssport zurückgetreten ist. Der Entschluss sei endgültig und der DSV sei auch schon davon unterrichtet“, sagte Lambertz. „Und sie hat sich bei mir auch noch für die sechsjährige Zusammenarbeit bedankt.“ Die Weltmeisterschaft in diesem Jahr in Shanghai und Olympia 2012 in London werden damit ohne Samulski stattfinden.

Im vergangenen Jahr hatte die blonde Ausnahmeschwimmerin noch entscheidend mitgeholfen, dass die SGE bundesweit eine Spitzenposition eingenommen hat. Bei der DM in Berlin gewannen die die Cracks aus Rüttenscheid zwölf Titel und insgesamt 20 Medaillen. Die SGE stellte in Daniela Samulski, Sina Sutter, Lisa Vitting, Caroline Ruhnau und Hendrik Feldwehr fünf EM-Teilnehmer in Budapest, so viele wie kein anderer Klub.

Sina Sutter überraschte

Samulski und Vitting gewannen dort Gold mit der 100-m-Freistil-Staffel, Silber gab es für Samulski über 50-m-Rücken und die deutsche 4x100-m-Lagenstaffel mit Samulski, Ruhnau und Sutter gewann EM-Bronze. Vor allem die Leistungsexplosion von Sina Sutter, der Deutschen Meisterin über 100-m-Schmetterling, beeindruckte Lambertz. „Wie sie sich bei uns wieder ins Team zurückgekämpft hat, davor habe ich einen Riesenrespekt. Sie ist mit Sicherheit die positivste Überraschung des vergangenen Jahres.“

Bei der Kurzbahn-DM in Wuppertal – schon ohne Samulski – holten die Essener Asse sieben Gold-, sieben Silber- und drei Bronze-Medaillen. SGE-Brustschwimmer Hendrik Feldwehr gewann bei der Kurzbahn-EM in Eindhoven Gold mit der 4x-50-m-Lagen-Staffel, Silber über 100 m und Bronze über 50 m. Und kam dabei bis auf wenige Zehntel an seine persönliche Bestzeiten heran, die er im inzwischen verbotenen Hightech-Anzug aufgestellt hatte.

Bei der WM über die 25-m-Bahn in Dubai lief es dann weniger gut für den 24-Jährigen. „Der Gesamtauftritt dort war Drei minus“, meinte anschließend Henning Lambertz. Die Einzelrennen über 50 m und 100 m hatte der Brust-Spezialist verbaselt, weil er wieder einmal Schwächen bei den Wenden zeigte. In der 4x100-m-Lagenstaffel habe er aber, so Lambertz, mit seiner Zeit von 57,4 Sekunden wieder bewiesen, dass er zu den Besten der Welt gehöre.

Feldwehrs insgesamt mäßigen Auftritt am Persischen Golf, „muss ich wohl auch auf meine Kappe nehmen“, räumte Lambertz ein. „Wir trainieren die ganze Zeit über in Rüttenscheid auf der langen Bahn und haben uns nicht speziell auf die Kurzbahn-Saison vorbereitet. Da kann man einfach nicht von den Schwimmern erwarten, dass sie die Technik filigran umsetzen. „Unterm Strich wäre es vielleicht besser gewesen, die Kurzbahn-WM ganz abzusagen.“

Das käme für die globalen Titelkämpfe auf der 50-m-Bahn im Juli 2011 in Shanghai nie infrage. „Die WM ist ein wichtiger Fingerzweig für Olympia 2012“, umschreibt Lambertz den Saisonhöhepunkt. „Wer in diesem Jahr vorn ist, sollte auch ein Jahr später unter normalen Umständen in der Lage sein, in der Spitze mitzumischen.“

 
 

EURE FAVORITEN