Sabrina Bemmelen: Schule geht vor

Sabrina Bemmelen Michael Gohl / WAZ FotoPool
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Foto: WAZ FotoPool

Auch wenn die Heim-WM nicht wie erhofft mit der Titelverteidigung der deutschen Nationalmannschaft enden wird: Die Stimmung war überragend. Einige Wochen drehte sich die nationale Sportwelt fast ausschließlich um den Frauenfußball. Wohl nicht einmal die Spielerinnen selbst hätten das noch vor einigen Jahren für möglich gehalten. „Diese Resonanz ist der Wahnsinn. Allein, dass so viele Fahnen an den Autos hängen und die großen Stadien ausverkauft sind, ist unglaublich“, schwärmt Sabrina Bemmelen, Neuzugang beim Essener Erstligisten SG Schönebeck.

Da bekommt man selbst beim Zuschauen eine Gänsehaut. Ganz zu schweigen davon, wie es wohl ist, selbst auf dem Rasen zu stehen. Genau diese Frage wird sich Bemmelen in diesen Tagen häufiger gestellt haben. Womöglich stünde die Stürmerin dort, wenn ihre Karriere anders verlaufen wäre. Auch wenn der Konjunktiv dabei kräftig mitschwingt, ist ihre Geschichte wohl einzigartig.

Bei vielen Spielerinnen wird die heutige Bundestrainerin Silvia Neid nicht hartnäckig versucht haben, sie in den Nachwuchskader zu integrieren. „Sie hat wohl öfter mal angerufen“, sagt die Neu-Essenerin. Einen Lehrgang hatte die damals 15-Jährige Bemmelen bereits absolviert. Unter anderem mit Annike Krahn. Die Einladung zu einem zweiten sagte ihre Mutter ab. „Wegen meiner sc

hulischen Leistungen.“

Die neunte Klasse wiederholte sie und musste sich auch dann für die Versetzung ordentlich strecken. „Das war frustrierend. Ich stehe auf dem Platz seit ich drei Jahre bin. Da gibt es dann eben nur ein Ziel“, sagt sie und meint die DFB-Elf.

Stattdessen konzentrierte sich Bemmelen nun auf die Schule, schaffte die Versetzung und machte ihr Abi. „Wenn du so eine Chance nicht nutzt, ist es vorbei“, dachte sie damals. Dass Silvia Neid, zu dieser Zeit für den Nachwuchs zuständig, nach der erteilten Absage noch mehrmals versucht hatte, ihre Mutter umzustimmen, wusste sie nicht.

Erst vor zwei Jahren, bei einem gemeinsamen Urlaub, kam das zur Sprache. „Es war ein Schock. Ich wäre meiner Mutter am liebsten an die Gurgel gegangen“, beschreibt Bemmelen ihre erste Reaktion. Aber in ernsthafte Gefahr geriet der Familienfrieden nicht. „Mit 15 ist man nicht in der Lage, lebenswichtige Entscheidungen zu treffen.“ Den Fußball hinten an zu stellen, sei die absolut richtige Entscheidung gewesen, sagt sie heute.

„Ich stehe fest im Leben, habe Abi und eine Ausbildung gemacht, Berufserfahrung gesammelt und bin unabhängig“, so die 23-Jährige, die bald ein Lehramtsstudium mit den Fächern Sport und Deutsch aufnehmen wird. Und mit der SG Schönebeck spielt sie zudem künftig in der Eliteliga. Nur die Atmosphäre beim Länderspiel der DFB-Elf vom Rasen aus mitzuerleben, wird wohl ein Traum bleiben.

 
 

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