Mirko Anastasov: Riesiger Nachholbedarf

Es mag Zufall gewesen sein. In jedem Fall war es ein Bild mit Symbolcharakter: Während sich die Kollegen noch mit Dehnübungen befassen, steht Mirko Anastasov schon auf dem Feld, den Ball in der Hand, und wirft Körbe.

Lange Monate war ihm das nicht möglich. Mirko Anastasov hat einen gewissen Nachholbedarf. Es kribbelt. „Herzlich Willkommen beim ETB“, möchte man fast sagen, obwohl Anastasov doch schon in der vergangenen Saison bei den Wohnbau Baskets in der Zweiten Bundesliga (Pro A) unter Vertrag stand. Eine Spielzeit, in der er durchstarten wollte. Doch das Verletzungspech hielt ihm die Treue – und meinte es diesmal besonders gut.

Eine Entzündung im Knie machte ihm einen dicken Strich durch sämtliche Ambitionen, der 25-Jährige war zum Zuschauen verdammt. Die ganze Zeit. Und die soll nun endlich hinter ihm liegen. Raus aus der Passivität – rein aufs Feld und unter den Korb.

Herzlich Willkommen beim ETB. „Es fühlt sich tatsächlich wie ein Neuanfang an“, hegt der 2,06-Hüne gewisse Sympathien für die Begrüßungsformel. Aber natürlich ist dem nicht so. Anastasov war immer da. Beim Training, bei den Spielen – mit gemischten Gefühlen. „Ich war Teil der Mannschaft. Aber ich konnte nicht mitspielen. Nicht eingreifen, nicht helfen.“ Sorgen, überhaupt nicht mehr höherklassig Basketball spielen zu können, musste er immer mal wieder verdrängen. „Solche Gedanken kommen einem natürlich. Aber wenn man dann bei den Spielen ist, hat man wieder das Ziel direkt vor Augen.“ Das hat er erreicht.

Mirko Anastasov wirft wieder Körbe. Die eher wechselhafte Vorbereitung der Wohnbau Baskets lässt ihn nicht zweifeln, dass die Mannschaft eine gute Saison spielen kann. Eine Mannschaft, für die er zur Stütze werden soll. Zumindest traut man ihm eine buchstäblich „große“ Rolle zu. Statt eine Alternative zum „Riesen“ Anastasov zu verpflichten – weil auch kaum einschätzbar ist, wie der 25-Jährige tatsächlich nach einem Jahr Pause in die Spur findet – verpflichtete die sportliche Leitung um Markus Horn und Trainer Igor Krizanovic mit Morgan Lewis lieber ein „Athletik-Paket“. Mirko Anastasov habe voll überzeugt und sei auf einem guten Weg, so Horn vor wenigen Wochen. Den so Geadelten hat es gefreut. „Natürlich habe ich noch viel Luft nach oben. Zufrieden bin ich noch lange nicht. Aber ich glaube, ich kann dem Team schon jetzt weit mehr helfen als in der vergangenen Saison von der Bank aus.“

Eine dringend benötigte Hilfe. Die anstehende Spielzeit wird hart, die Aufgaben werden nur schwer zu lösen sein. Die Konkurrenz hat mächtig aufgerüstet, die ETB Wohnbau Baskets wollen mit Teamgeist dagegen halten. „Und ich bin davon überzeugt, dass das funktionieren wird. Aber man sollte auch nicht vergessen, dass wir auch ein bisschen Basketball spielen können.“ Sagt es und dreht wieder ab zum Korb. Auch Mirko Anastasov kann „ein bisschen“ Basketball spielen. Wieder. Eine gute Nachricht.

 
 

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