Högners Brandrede

SGS-Trainer Markus Högner
SGS-Trainer Markus Högner
Foto: WAZ FotoPool

Eigentlich könnte Trainer Markus Högner seine Dienstreise zum Algarve Cup nach Portugal ganz entspannt antreten. In der Frauenfußball-Bundesliga liegt seine SGS Essen fernab der Abstiegsränge auf Platz sechs. Innerhalb von zwei Jahren haben sich die Essenerinnen vom Tabellenkeller bis ins gesicherte Mittelfeld geschoben. Unlängst hat Högner seinen auslaufenden Vertrag um drei Jahre verlängert. Oberflächlich betrachtet könnte es an der Ardelhütte kaum besser laufen. Dennoch brodelt es in dem Fußballlehrer. Und bevor er gestern in den Flieger stieg, verschaffte er dieser Zeitung gegenüber seinem Ärger Luft.

„Wir müssen jetzt mal Tacheles reden: Wir haben uns in den vergangenen zwei, drei Jahren hier etwas Tolles aufgebaut. Sportlich haben wir uns enorm entwickelt, in anderen Bereichen aber gar nicht. Das ist frustrierend, wenn man so eine Basis legt und die dann womöglich wieder flöten geht“, sagt Högner. Der vom Management des Klubs auferlegte Sparzwang ärgert ihn. Und nicht nur ihn, denn er betrifft nicht nur die Erstliga-Frauen. „Wir reden immer davon, uns als Ausbildungsverein etablieren zu wollen. Wir spielen nächstes Jahr um die Deutscher Meisterschaft der B-Juniorinnen. Dann darf ich doch nicht da auch noch kürzen.“

Dass der Verein finanziell nicht auf Rosen gebettet ist, ist nicht neu. Wohl aber, dass das Korsett immer enger wird. Und das übersteigt bei den Trainern der SGS, für die Högner spricht, offenbar die Grenzen. „Wir müssen teilweise wie auch unsere U17-Bundesliga-Mannschaft mit einem Drittel eines Kunstrasenfeldes beim Training auskommen. Wir haben hochqualifizierte Fitnesstrainer, die für ‘nen Appel und ´n Ei arbeiten.“ Klar, dass die Unzufriedenheit wächst. „Mittlerweile kommen Leute auf mich zu, die hier über Jahre einen super Job machen, aber mittlerweile müde werden.“

Im Bundesliga-Team der SGS muss Högner bangen, sein mühsam aufgebautes Grundgerüst zu verlieren. Ina Mester, Vanessa Martini, Melanie Hoffmann und Charline Hartmann – bei allen läuft der Vertrag aus. Högner möchte sie halten. Nur die finanziellen Argumente fehlen. Dabei geht es nicht um große Summen. „Wir sprechen teilweise über 50 Euro monatlich pro Spielerin. Das kann doch nicht sein. Es ist jetzt nicht die Zeit zu sparen. Wir müssen investieren, sonst erreichen wir die nächste Stufe nicht.“ Und genau dieses Ziel verfolgt Högner.

Schließlich wird der Überlebenskampf nicht leichter. Mit Hoffenheim und dem 1. FC Köln könnten in der kommenden Saison zwei ambitionierte Aufsteiger in die Eliteliga kommen und die SGS müsse sich womöglich wieder nach unten orientieren. „Es muss ein Umdenken stattfinden, damit wir uns für die Zukunft wappnen können. Ansonsten kämpfen wir bald wieder ums sportliche Überleben.“ Wachrütteln möchte Högner mit seinem Vorstoß in die Öffentlichkeit. Und nicht nur den eigenen Klub, sondern auch die Stadt Essen und ihre Tochterunternehmen. Hier bemängelt Högner die fehlende Anerkennung und Unterstützung.

„Ich habe das Gefühl, in den Gremien der Stadt ist gar nicht angekommen, dass wir Spitzensport betreiben.“ Viele Hoffnungen hatte auch Högner in den Umzug an die Hafenstraße gesetzt. Doch er ist enttäuscht. Weder Zuschauer noch Sponsoren konnten dazugewonnen werden. Stattdessen ist nun - anders als zuvor am Hallo - eine Stadionmiete fällig. „Im Endeffekt müssen wir jetzt mehr sparen als vor ein, zwei Jahren. Vielleicht geht man doch besser wieder zurück an den Hallo“, meint Högner, der sich aber vor allem eine bessere Kooperation mit (städtischen) Unternehmen wünscht. So könnten Spielerinnen, wenn schon das Geld knapp ist, wenigstens „fußballfreundliche“ Jobs geboten werden.

 
 

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