Högner warnt vor Turbine Potsdam

Seit 45 Jahren ist Trainer Bernd Schröder bei Turbine Potsdam im Amt und damit an Erfahrung im Frauenfußball-Geschäft nicht zu übertreffen. Zwölf Mal wurde er Meister: je sechs Mal in der DDR und in der Bundesliga. Dazu gewann er drei Mal den DFB-Pokal, 2005 den Uefa-Cup und 2010 die Champions League. Man könnte meinen, der 73-Jährige hätte sportlich alles erlebt. Doch was sich bisher in seiner Abschiedssaison in Potsdam ereignet, ist auch für den Trainerfuchs eine vollkommen neue Erfahrung.

Von den absolvierten fünf Partien verlor Turbine vier und findet sich auf dem vorletzten Tabellenplatz wieder, der am Saisonende den Abstieg bedeuten würde. Es herrscht großes Entsetzen. Denn eigentlich wollte Schröder zum Abschied noch einmal ganz vorne mitmischen. Wahrscheinlich war er vor einer Begegnung mit der SGS Essen noch nie so angespannt wie in der aktuellen Situation: Für Potsdam geht es am Sonntag (14 Uhr, Karli-Stadion) darum, die Abstiegsränge zu verlassen, während die SGS den Anschluss ans obere Drittel wahren möchte.

Die Ursachenforschung ist in vollem Gang und bringt vielfältige Ergebnisse: Man habe vor allem Pech gehabt, weil man vor allem die Partien gegen Sand (0:2) und Leverkusen (0:1) auch hätte gewinnen können. Aber auch Schröders Trainingspraktiken stehen nicht zum ersten Mal in der Kritik. So war Turbine lange Zeit für ihre gute Physis bekannt. Athletisch, schnell und kraftvoll: Darauf legte man in Potsdam mehr Wert als auf Dinge wie Technik oder Taktik.

Körperlich aber haben auch die anderen Bundesligisten zugelegt und so fehlte es Potsdam in dieser Saison an Durchschlagskraft. In drei von fünf Spielen gelang kein eigener Treffer. Und allzu viele Tormöglichkeiten konnten sich die Brandenburgerinnen auch nicht erarbeiten. Für die SGS aber macht das die Aufgabe nicht unbedingt leichter. Trainer Markus Högner weiß um die Qualitäten eines „angeschlagenen Boxers“.

Dass es für seine Mannschaft wegen einer möglichen Verunsicherung der Gastgeberinnen nun einfacher werden könnte, glaubt er nicht. Wiedergutmachung dürfte vielmehr das Motiv sein, das Potsdam sehr akribisch in der Vorbereitung auf diese Partie bemüht hat.

 
 

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