Heinz Kubsch – Sepp Herbergers zweite Wahl

Heinz Kubsch, gehörte zum WM-Kader 1954. Kicker-Titelbild vom 1. Oktober 1956
Heinz Kubsch, gehörte zum WM-Kader 1954. Kicker-Titelbild vom 1. Oktober 1956
Foto: Fremdbild

Manuel Neuer, Tim Wiese, Hans Jörg Butt. Die Namen der drei aktuellen deutschen WM-Torhüter kennt jedes Kind. Doch welche Torleute gehörten noch gleich zum Kader, der 1954 den ersten WM-Titel nach Deutschland holte?

Gut, Toni Turek, den Sportreporter Herbert Zimmermann vor 56 Jahren in seiner euphorischen Live-Reportage schon zu Lebzeiten als „Fußball-Gott“ in den Kicker-Olymp hob, gut, Toni Turek, könnte auch jenen noch bekannt sein, die 1954 noch nicht geboren waren. Aber wer kam dahinter? Die Antwort: Heinz Kwiatkowski und Heinz Kubsch. Letzterer ein Katernberger Junge.

1953 nach Pirmasens

„Heinz war hinter Toni Turek die Nummer zwei“, erzählt Else Heilmann. Die 81-jährige Schwester von Kubsch kramt ein paar in die Jahrzehnte gekommene Zeitungsartikel hervor. Mit Fotos. Eines von 1950 zeigt den 20-jährigen Heinz Kubsch in Reih und Glied mit der Mannschaft der Sportfreunde Katernberg. Die Knappenelf aus dem Essener Norden qualifizierte sich für die 1947/48 startende Oberliga West. Am 25. Januar 1948, am 16. Spieltag, gab der damals 17-jährige Heinz Kubsch sein Oberliga-Debüt und war damit der jüngste Oberliga-Torhüter im DFB-Bereich. Reaktionsschnelligkeit und katzenhafte Gewandtheit attestierten die Fußball-Experten dem jungen Torwart. Das sprach sich bis Sepp Herberger rum, der ihn für die WM 1954 nominierte.

Seinen Einstand gab Kubsch, der 1953 zum FK Pirmasens gewechselt war, am 24. April 1954. Im letzten Test vor der WM besiegte Deutschland die Schweiz 5:3. „Schwarz-Weiß oder Rot-Weiß Essen, das weiß ich nicht mehr genau, hatten mit ihm schon Vorgespräche geführt. Als berufliche Perspektive hat man ihm eine Arbeit in einer Brauerei angeboten“, erinnert sich Else Heilmann. Heinz Kubsch entschied sich für Pirmasens in der Pfalz. Dort führte er mit seiner Frau Gisela, mit der ihn Helmut Rahn in der Vereinsgaststätte „Pullmann“ bekannt gemacht hatte, einen Tabak- und Lottoladen. Mit dem Fußball verdiente der Torwart in Pirmasens auch eine für die damalige Zeit ganz gute Mark. 320 Mark pro Monat Vertragsgeld, 50 Mark für einen Heimsieg und 100 Mark für einen Auswärtssieg, erinnert sich Else Heilmann.

Bei der WM in der Schweiz dabei zu sein, das war für Heinz Kubsch, den Stillen, bereits viel. „Er war nicht der Typ wie Helmut Rahn, der eher ein Gesellschafter war. Aber er sollte im Vorrundenspiel gegen Ungarn spielen“, berichtet seine Schwester. Doch es sollte nicht dazu kommen. Ein „Zwischenfall“ bei einer Bootstour auf dem Thuner See machte ihm einen Strich durch die Rechnung. „Heini Kwiatkowski fiel ins Wasser. Er konnte wohl nicht schwimmen. Mein Bruder sprang hinterher, um ihn zu retten“, berichtet Else Heilmann, was sie aus Erzählungen weiß. Dabei verletzte sich Kubsch an der Schulter. Ausgerechnet „Heini“ Kwiatkowski, sein Freund und Zimmergenosse, rückte nun gegen die Ungarn ins deutsche Tor. „Mein Bruder war sehr enttäuscht. Er wollte unbedingt spielen. Ich habe ihm aber gesagt: Sei froh, dass du nicht gespielt hast. Vielleicht hättest du einen Ball mehr gehalten, aber die Ungarn konnten sich doch die Ecken aussuchen.“ Deutschland verlor bekanntlich 3:8.

Die Pfalz jubelte ihm zu

Sportliche Erfolge und vor allen Dingen große Beliebtheit genoss Heinz Kubsch in seiner (Wahl-)Heimat. „Die Pfalz war das Beste, was ihm passieren konnte“, sagt Else Heilmann. Sportlich wie privat. „Vorne hilft uns der liebe Gott und hinten hilft Heinz Kubsch“, titelte damals die „Rheinpfalz“. Und bei der Wahl der regionalen Elf des 20. Jahrhunderts erhielt Kubsch mit Abstand die meisten Stimmen.

Früh, mit 31 Jahren, musste er mit dem Fußball aufhören. Die Hüfte machte Probleme. Viel zu früh starb Heinz Kubsch im Oktober 1993. Im kommenden Monat wäre er 80 Jahre alt geworden.

 
 

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