Heimniederlage für Nicole Schott

Nicole Schott vom Ausrichter EJE belegte Platz drei.
Nicole Schott vom Ausrichter EJE belegte Platz drei.
Foto: WAZ FotoPool
Titelverteidigerin Nicole Schott vom Ausrichter EJE belegte bei den Deutschen Eiskunstlauf-Meisterschaften am Westbahnhof nur den dritten Platz.

Glücklich sieht anders aus. Als Nicole Schott nach ihrer Kür in Richtung Bande glitt, um auf dem obligatorischen Sofa auf das Urteil der Kampfrichter zu warten, wirkte sie ernst und angespannt. Die Titelverteidigerin hatte ihre Leichtigkeit, mit der sie ansonsten übers Eis schwebt, verloren. Als ihr zwei süße Bambini in pink- und lilafarbenen Tutu die Stofftiere reichten, die nach aus dem Publikum aufs Eis geflogen waren, lächelte Schott kurz, bedankte sich. Dann folgte bereits eine erste Analyse mit Trainer Michael Huth, der sich neben sie gesetzt hatte.

Die Wertung ließ noch hoffen: 156,89 Punkte - Platz eins. Doch es kamen noch zwei Läuferinnen. Und die waren einfach besser an diesem Tag, vor allem, sie blieben fehlerlos, während die Essenerin den dreifachen Rittberger verpatzte und aufs Eis musste. Lutricia Bock(Chemnitz) hatte schon nach dem Kurzprogramm geführt und schnappte sich ihren ersten DM-Titel (164,94 Pkte.), Nathalie Weinzierl (Mannheim) lag nach dem Kurzprogramm knapp hinter Schott und überflügelte sie relativ klar (163,11 Pkte.).

Ausgerechnet bei ihrem „Heimspiel“ am Westbahnhof musste die Läuferin vom Essener Jugend-Eiskunstlauf (EJE) vor rund 1000 Zuschauern eine bittere Niederlage akzeptieren. Was die Enttäuschung noch steigert: Die EM im Januar in Bratislava wird nun wohl ohne die 19-Jährige stattfinden.

„Bei den letzten deutschen Meisterschaft gab es nie drei so hohe Wertungen bei den Damen“, staunte Stefan Steinmetz, der Chefkoordinator dieser Titelkämpfe, über die Qualität. Trösten wird es Schott kaum. Dabei hatte sie nach der Kür noch vage Zuversicht gezeigt: „Es war ganz in Ordnung“, bewertete sie ihre Darbietung. „Es ist bisher meine beste Leistung in dieser Saison.“ Sie räumte aber ein: „Es hätte besser laufen können.“ Wohl wahr.

Der Gastgeber indes strahlte und war rundum zufrieden. Diese Meisterschaften konnten sich sehen lassen. „Die Stadt Essen und das Eiskunstlaufen haben sich von ihrer besten Seite gezeigt“, schwärmte Benjamin Matthes, Pressechef der Deutschen Eislauf-Union nach dem ersten Tag. Die Eröffnungsfeier, eine Inszenierung der EJE-Mitglieder, stimmte das Publikum ein. Kohle, Stahl und Kultur (Folkwang) - das waren die Themen, die auch mit Bilder auf der Videowand untermalt wurden. Die Zuschauer ließen sich einfangen und machten mit. Die Atmosphäre am Westbahnhof war alles andere als eisig an diesem Wochenende.

Erwartungen übertroffen

Es hat funktioniert. „Der Stress hat sich gelohnt“, sagte Cheforganisator Stefan Steinmetz und lächelte zufrieden. Die EJE hat ordentlich Lob eingeheimst für die Ausrichtung der Eislauf-DM am Westbahnhof. Dort, wo es eher handfest zu geht und nach Männerschweiß riecht, wenn die Moskitos in der Eishockey-Oberliga dem Puck hinterherjagen, dort war an diesem Wochenende zwar Kraft und Dynamik, vor allem aber Anmut und Eleganz zu spüren. Und ein bisschen Glamour durch die fünfmalige Weltmeisterin Aljona Savchenko und ihrem Partner Bruno Massot, die eine Klasse für sich verkörpern.

Das Licht war bis zum Anschlag nach oben gedimmt und stellte den rustikalen Charme der Eishalle in den Schatten. „Das Publikum ist einfach toll. In den letzten zehn Jahren habe ich noch nie eine solche Atmosphäre bei einer DM erlebt“, staunten Stefan Steinmetz und Frau Lisa. Mit über 2000 Zuschauern an zwei Tagen wurden die Erwartungen übertroffen.

 

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