"Final Four": Der DHB-Pokal aus Essener Sicht

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Hamburg. Tusem Essen hatte sich zwar nicht für das "Final Four"-Turnier um den DHB-Pokal qualifiziert. Trotzdem lässt sich das Turnier auch aus Tusem-Sicht bilanzieren. Denn zahlreiche Hauptdarsteller mit Essener Vergangenheit nahmen daran teil. Zum Beispiel Martin Schwalb oder Alfred Gislason.

Das „Final Four“-Turnier um den Deutschen Handball-Pokal, das gestern vor 13 000 begeisterten Fans in der Color Line Arena mit dem 30:24-Triumph der „Unschlagbaren“ aus Kiel über Gummersbach ein würdiges Ende fand, lässt sich auch aus Tusem-Sicht bilanzieren. Denn obwohl sich der insolvente Bundesliga-Zwangsabsteiger gar nicht für diesen Höhepunkt im Handball-Jahr qualifiziert hatte, nahmen doch zahlreiche Hauptdarsteller mit Essener Vergangenheit daran teil. Die WAZ schaute ihnen auf die Finger.

Alfred Gislason

Der frühere Meister-Spieler des Tusem ist zum Meister-Macher gereift. Als Trainer führte der Isländer den THW nach dem Gewinn der Meisterschaft nun auch zum zweiten nationalen Titel – dem Pokalsieg. Ein dritter könnte bald folgen: Denn die Kieler stehen im Champions-League-Finale gegen den spanischen Vorjahres-Sieger Ciudad Real. Gislason hat bewiesen, dass die vor Saisonbeginn geschasste THW-Ikone Noka Serdarusic nicht der einzige Coach ist, der in Kiel Titel sammeln kann.

Martin Schwalb

Der Ex-Essener ist Trainer beim HSV Hamburg und dort mit einem Vertrag bis 2011 ausgestattet. Doch nach der peinlichen Halbfinal-Pleite im eigenen „Wohnzimmer“ gegen Gummersbach (27:35) steht Schwalb massiv unter Druck. Denn die mit einer ebenso starken wie teuren Mannschaft in die Saison gegangenen Hamburger haben ihr Saisonziel deutlich verpasst. Dieses lautete: zwei Titel zu holen. Doch in der Meisterschaft war der „Fisch“ für die Norddeutschen schnell gegessen. Im nationalen Pokal und der Champions League kam das Aus jeweils im Halbfinale. „Wir waren dem Druck nicht gewachsen“, lautete Schwalbs Analysen-Kernsatz am Samstag. Möglich, dass seine Zukunft in der Hansestadt unter dem Druck des Umfeldes bald zusammenbrechen wird.

Andreas Rudolph

Der gebürtige Essener ist HSV-Präsident und millionenschwerer Mäzen in einer Person. Noch in der Halbzeit des Pokal-Halbfinales gegen den VfL hatte er öffentlich erklärt, dass „Martin Schwalb nicht zur Diskussion steht – egal, ob wir den Cup holen oder nicht“. Danach folgte Katastrophen-Hälfte zwei, die der HSV mit 10:22 (!) verlor und sang- und klanglos aus dem Wettbewerb ausschied. Rudolph stand danach für kein Statement mehr zur Verfügung und flüchtete direkt in sein Domizil auf Mallorca. Er ist der Mann, der nun über Schwalbs Zukunft entscheidet.

Torsten Jansen

Wurde 1995 mit dem Tusem Deutscher A-Jugend-Meister – und zwölf Jahre später mit Deutschland Weltmeister. Der Linksaußen des HSV erzielte im Halbfinale nur drei Treffer und verkrampfte wie all seine Teamkollegen in der Schluss-Viertelstunde völlig. Dabei vergab der sonst so Nervenstarke sogar drei Tempogegenstöße. „Die Art und Weise, wie wir in Hälfte zwei gespielt haben, ist eine Katastrophe. Aber VfL-Torwart Nandor Fazekas war auch super. Er hat in einer Halbzeit so viele Paraden gezeigt wie andere Keeper in einem ganzen Spiel.“

Dimitri Torgowanow

„Pino“ – einer der ewigen Tusem-Helden – war der große Pechvogel des Wochenendes. Wegen einer Bänderdehnung im Knie konnte der für den HSV Hamburg spielende Russe nicht am „Final Four“ teilnehmen. Dabei hätte der 37-jährige Kreisläufer, der nach Saisonende in seine Heimatstadt St. Petersburg zurückkehren will, so sehr von seinem ersten nationalen Titelgewinn in Deutschland geträumt. Doch „Pino“ bleibt ja der noch bedeutendere Europapokal-Sieg 2005 mit dem Tusem.

Oleg Velyky

Wurde in der 37. Minute des Halbfinals beim HSV eingewechselt. Und selbst die verfeindeten Kieler Fans erhoben sich in diesem Moment von ihren Plätzen – und applaudierten. Zwei Rückfälle seiner Hautkrebs-Erkrankung hat der Ex-Tusem-Star ebenso überwunden wie die parallel zugezogene Kreuzbandverletzung im Knie. Und nun das Comeback vor dieser sensationellen Kulisse. Oleg kam, sah, siegte aber nicht. Von seiner Bestform ist er – natürlich! – noch weit entfernt.

Viktor Szilagyi

Auch dank seiner vier Treffer gegen den HSV im Halbfinale zogen die Gummersbacher ins Endspiel ein. Gegen seinen Ex-Klub THW im Finale blieb er aber blass.

Jörg Lützelberger

Vom Zwangsabsteiger ins deutsche Pokal-Finale: Diesen ungewöhnlichen Weg hat Jörg Lützelberger hinter sich. Der kam vor dieser Saison von Lemgo zum Tusem, wechselte nach der Insolvenz in der Winterpause aber zum VfL. Kam aber in beiden Spielen nur sporadisch zum Einsatz.

Oliver Roggisch

Der robust zugreifende Abwehr-Brocken der Rhein-Neckar Löwen wurde seinem Ruf im Halbfinale gegen Kiel wieder einmal vollauf gerecht – und sah nach seiner dritten Zeitstrafe „Rot“. Litt wie all seine Teamkollegen unter dem Schlusssekunden-Gegentor zum 35:36, das dem THW in diesem sensationell spannenden Semifinale durch Filip Jicha glückte.

Gudjon Valur Sigrdsson

Der siebenmalige Torschütze der Löwen bot im Halbfinale gegen den THW eine starke Leistung auf der ungewohnten Mittel-Position, aber auch er konnte das unglückliche Aus nicht verhindern.

 
 

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