Ein dunkler Fleck auf Norman Zahms Vita

Norman Zahm konnte auf der 2000m-Strecke überzeugen
Norman Zahm konnte auf der 2000m-Strecke überzeugen
Foto: freise

Das Ende seiner Karriere hatte sich der Kanute Norman Zahm (30) ganz anders vorgestellt. Noch ein paar Paddelschläge, noch ein letztes Mal seinem Verein, der KG Essen, helfen, bei den Deutschen Meisterschaften Medaillen aus dem Wasser zu fischen. Um danach sanft in den sportlichen Ruhestand zu gleiten. So war es geplant.

„Doch dann kommt eine Woche, nachdem ich meine Karriere eigentlich schon beendet hatte, die NADA um die Ecke“, sagt Zahm verbittert. Die NADA, das ist die Nationale Anti-Doping Agentur. Sie informierte Zahm nach der nationalen Sichtung, bei er unter ferner liefen abgeschnitten hatte, dass er Ende März bei einer Kontrolle positiv getestet worden war. Ausgerechnet bei der allerletzten Kontrolle in seiner Laufbahn.

Wochen sind seither vergangenen. Erst Ende Juni hat der Deutsche Kanu-Verband den KGE-Athleten für zwei Jahre gesperrt (wir berichteten). Das normale Strafmaß für solche Vergehen. Im Prinzip überflüssig, aber vorschriftsmäßig.

War es Dummheit, Sorglosigkeit, Unbedarftheit? Fragen über Fragen. Die Wahrheit liegt möglicherweise irgendwo dazwischen. Und beantworten kann sie allein Norman Zahm. Der könne aber selbst nicht begreifen, wie er gegenüber dieser Zeitung beteuert, was da abgelaufen ist. Natürlich spürt er den Druck, sich rechtfertigen zu müssen. Wie ist diese verbotene Substanz in seinen Körper gekommen? Wie konnte das einem erfahrenen Athleten wie ihm passieren? Zumal Trainer und Funktionäre, so KGE-Manager Heino Terporten, den Sportlern ständig einpauken, Medikamente oder „Mittelchen“ nur in Absprache mit dem Verbandsarzt oder dem Olympia-Stützpunkt einzunehmen.

„Ich habe 14 Jahre lang Leistungssport betrieben. Nie hatte ich ein Problem, nie bin ich in dieser langen Zeit positiv getestet worden, nicht einen Missgriff.“ Doch Spuren von Clenbuterol waren in seinem Körper. „Das hat man vor knapp 50 Jahren benutzt“, sagt Zahm mit einer Prise Zynismus. Will sagen: So dumm kann man doch gar nicht sein, ein Mittel etwas einzunehmen, das sofort auffällt.. In der Kälbermast wurde Clenbuterol missbraucht, aber auch Sprinter wie ehemalige Weltklasse-Läuferin Katrin Krabbe manipulierten mit diesem Zeug.

Es hätte überhaupt nichts genutzt

„Aber ich bin doch kein Sprinter, ich bin doch immer nur über 1000 Meter gestartet. Da hätte mir dieses Mittel doch überhaupt nichts genutzt.“ Manager Terporten hatte nach Zahms schwachem Abschneiden bei Sichtung in Duisburg nur verständnislos den Kopf geschüttelt: „Was auch immer er genommen haben könnte, es war auf jeden Fall das Falsche.“

Terporten hatte zunächst vermutet, dass sich Zahm im Trainingslager in den USA ein Nahrungsergänzungsmittel besorgt haben könnte. In der Apotheke, über das Internet. Wovor Trainer und Verein ihre Athleten ebenfalls eindringlich warnen, weil die so harmlos erscheinenden Pillen und Pülverchen nicht selten verseucht sind mit Substanzen, die nicht auf dem Beipackzettel aufgelistet sind. „Ich habe mir nichts besorgt. Ich habe lediglich Vitamintabletten genommen und Präparate mit Calcium, Magnesium und Zink. Das, was man eben so benötigt, wenn man sich über längere Zeit intensiv belastet. Einen Leistungsvorteil hat das sicher nicht gebracht.“

Nach der bösen Erfahrung hat Zahm sich schlau gemacht, Bücher gewälzt und im Internet gesurft. Viele solcher handelsüblichen Präparate seien verseucht, weiß er heute. Nasensprays sind ebenfalls grenzwertig. „Du brauchst nur genug Mohnkuchen zu essen und wirst auch schon positiv getestet.“

Strafe notgedrungen akzeptiert

Norman Zahm hat die B-Probe nicht öffnen lassen. Das bringe ja sowieso nichts.. Akzeptiert hat er die Strafe notgedrungen, abgefunden hat er sich damit jedoch nicht. „Aber was soll ich denn machen? Als ich über den positiven Befund informiert worden bin, waren die Präparate längst aufgebraucht. Ich aber muss meine Unschuld beweisen. Wie soll das gehen?“

Es wird nicht gehen, das weiß auch Norman Zahm. Er wird mit diesem Makel leben müssen, mit diesem Fleck auf seiner Vita. Der auch den Übergang ins Berufsleben möglicherweise stören könnte. Zahm hat Wirtschaft studiert und sondiert derzeit den Arbeitsmarkt. Er pendelt ständig zwischen seiner Heimstadt Dresden und Essen, wo er sich nach all den Jahren bei der KGE ebenfalls zu Hause fühlt. „Ich würde schon gern hier bleiben.“ Und gern würde er sich hier eine neue Existenz aufbauen. Was schwer genug ist, denn der sportliche Aufwand hat den privaten Lebensraum stets erheblich eingeschränkt. „Und als Kanusportler“, sagt Norman Zahm, „da wirst du auch kein Millionär.“

Der positive Dopingbefund von Norman Zahm schlug keine hohen Wellen. Er gehörte seit zwei Jahren nicht mehr zum Kreis der Elite, noch nicht einmal im Landeskader war er zum Zeitpunkt der Kontrolle erfasst. Auch eine finanzielle Förderung hat der EM-Dritte von 2009 längst nicht mehr bekommen. Da hält sich das öffentliche Interesse in Grenzen. Nur weil sich der Kanute für die Olympia-Qualifikation in Duisburg-Wedau gemeldet hatte, rutschte er automatisch in den nationalen Testpool.

 
 

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