Der Verhinderer - Lukas Kleckers (17) startet bei Snooker-WM

Lukas Kleckers, (17) startet bei der Snooker-WM in China.
Lukas Kleckers, (17) startet bei der Snooker-WM in China.
Foto: WAZ FotoPool

Die Filmlegenden Burt Lancaster, John Wayne, Peter Sellers, Shirley MacLaine und Jack Lemmon blicken von Din-A4-großen Schwarz-Weiß-Fotos von der Wand. Alle Filmszenen zeigen Billard-Motive. Dominiert wird der Raum von einem Foto auf der gegenüberliegenden Wand, so wuchtig wie der 3,5 mal 1,8 Meter große, mit grünem Tuch bezogene Snooker-Tisch in der Mitte. Das Bild zeigt den 37-jährigen Briten Ronnie O’Sullivan. „Bei ihm sieht alles so einfach aus. Da kann man nicht verstehen, wie schwierig das ist“, sagt Lukas Kleckers.

Die Hochachtung vor der Snooker-Legende, dem aktuellen Weltmeister, schwingt in den Worten des 17-jährigen Helmholtz-Gymnasiasten unüberhörbar mit. Kein Zweifel. Ronnie O’Sullivan ist sein Vorbild. Er ist einer der Snooker-Größen, die Lukas Kleckers vor sieben Jahren im Fernsehen sah und die seine Leidenschaft für den Billard-Sport mit den 15 roten, den sechs farbigen und dem weißen Spielball weckten. „Snooker ist mehr als nur Bälle lochen“, stellt Lukas Kleckers klar, der gerade mit seinem Klubkollegen Roman Dietzel trainiert. Taktisch und technisch sei der Sport sehr anspruchsvoll. „Viele Anfänger geben schnell auf, wenn es nicht gleich klappt“, sagt Lukas Kleckers.

Poolbillard und Snooker sind nur schwer zu vergleichen. Der Snooker-Tisch ist deutlich größer, die Bälle dagegen deutlich kleiner. Das macht die Sache nicht gerade einfacher. „Trainingsfleiß ist am Anfang das Wichtigste“, fügt Roman Dietzel hinzu. Der 23-jährige weiß, wovon er spricht, immerhin schaffte er es bei der Europameisterschaft in diesem Jahr bis ins Viertelfinale.

So einfach das Ziel des Spiels ist, so schwer ist es umzusetzen: Man darf dem Gegner nicht viel Chancen liegen lassen, muss aber gleichzeitig seine eigenen Chancen verwerten. Snooker heißt soviel wie „sperren, verhindern“.

Lukas Kleckers, der mit der Mannschaft des SC 147 Essen in der vergangenen Saison deutscher Vize-Meister wurde, hat das Prinzip verinnerlicht. Er war zweimal nationaler Meister der U16, ist amtierender Titelträger der U19 und U21. Dreimal nahm er bisher an U21-Europameisterschaften teil, zuletzt, in Serbien, schaffte er es bis ins Viertelfinale. Jetzt, vom 11. Bis 19. Juli, wartet die bisher größte sportliche Herausforderung auf Lukas Kleckers: die U21-Weltmeisterschaft in Peking.

Fast jeden Tag steht Lukas Kleckers zurzeit in den Klubräumen des SC 147 an dem 1,5 Tonnen schweren Tisch. Mal mit Partner wie Roman Dietzel. Mal „legt“ er sich die Bälle allein zu Aufgaben hin. Mal erfordert die Lösung, den anzuspielenden Ball mit dem weißen Spielball zu streicheln, mal ist Wucht gefragt. Immer geht es darum, sollte der Stoß nicht gelingen, dem Gegner keinen „Elfmeter“ auf dem Tisch zu hinterlassen. In China wartet starke Konkurrenz auf Lukas Kleckers. „Snooker ist in China nach Tischtennis die populärste Sportart. In jeder Vorrundengruppe wird ein Chinese spielen. Das ist wahnsinnig“, erzählt Lukas Kleckers, der als einziger Deutscher an den Tisch gehen wird. „Das Erreichen des Viertelfinals, wie zuletzt in Serbien, wäre ein Riesenerfolg“, sagt der 17-Jährige, der auch an der Tischtennisplatte in der Jungen-Bezirksliga beim TV Kupferdreh ein „feines Händchen“ beweist. Befürchtungen, der jüngste Teilnehmer in China zu sein, muss der Essener wohl nicht haben. „Im vergangenen Jahr hat ein 14-Jähriger die WM in China gewonnen.“

Ronnie O’Sullivan ist Profi. Er kann von Snooker leben. Gut leben. Davon träumen darf Lukas Kleckers. Dass der Traum sich erfüllen wird, ist höchst unwahrscheinlich. Lukas Kleckers bleibt realistisch: „Bei großen Turnieren gehen meist 128 Teilnehmer an den Start. Doch nur die Top 32, die man dann im Fernsehen sieht, können davon leben.“ Sagt’s, konzentriert sich auf den nächsten Stoß, holt mit dem rechten Arm im 90-Grad-Winkel Schwung und versenkt sicher den letzten Ball auf dem Tisch – den schwarzen.

Ein weiteres Trainingsmatch für die Weltmeisterschaft im Reich der Mitte ist beendet.

In Deutschland gibt es etwa 4000 registrierte Snooker-Spieler. Im Vergleich dazu: In Großbritannien gibt es rund sechs Millionen Spieler.

China ist in Sachen Snooker ein boomender (Fernseh-)Markt. Das Finale der China Open 2005, das der Chinese Ding Junhui gegen Stephen Hendry gewann, wurde dort von über 100 Millionen Fernsehzuschauern verfolgt.

Der SC 147 Essen wurde 2009 gegründet und hat knapp 40 Mitglieder. Kontakt: Andreas Cieslak 0177-6460944.

 
 

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