Der Tanz auf zwei Hochzeiten

Trainer Muhammet Isiktas ( Trainer Kray ), daneben rechts Dustin Paczulla ( Co-Trainer Kray ).
Trainer Muhammet Isiktas ( Trainer Kray ), daneben rechts Dustin Paczulla ( Co-Trainer Kray ).
Foto: Thorsten Tillmann
Krays Trainer Muhammet Isiktas ist für die Oberliga-Mannschaft sowie für das Jugendteam gleichermaßen zuständig. Nicht alle sind begeistert

Es ist viel los auf dem Platz des FC Kray am Montagabend: 30 Spieler, mindestens doppelt so viele Bälle und Hütchen auf dem Boden. Überall hört man die Trainer verschiedene Anweisungen rufen. Gleich zwei Mannschaften trainieren auf dem Kunstrasen in der Kray Arena: Die Herrenmannschaft, „Die Erste“, die in der Oberliga spielt. Daneben die A-Jugend, der Nachwuchs, der auch diese Saison wieder in der Niederrheinliga mit dabei ist.

Beide Teams gehen ihren Weg in ihrer Liga – das eine erfolgreicher, das andere im Moment weniger. Es scheint, als hätten sie nichts miteinander gemeinsam. Aber da ist doch eine Sache: Muhammet Isiktas ist bei beiden der Cheftrainer. „Die Aufgabe gehe ich bei beiden Mannschaften mit gleicher Power an“, sagt er selber.

Bei den Herren hat er vor einigen Wochen seinen Vorgänger Stefan Blank abgelöst, weil Kray unter diesem nur zwei Punkte sammeln konnte. Isiktas, der schon mehrere Jahre erfolgreich die A-Jugend trainiert, sollte das mit seiner Erfahrung ändern. Denn er hat mit dem Nachwuchs in der letzten Saison den zweiten Platz der Niederrheinliga geschafft und Spieler wie Yassine Bouchama so gut ausgebildet, dass sie jetzt fester Bestandteil in der Oberliga sind.

Aber ein Oberliga- und ein Niederrheinligateam gleichzeitig trainieren, geht das? „Das macht man ja nicht mal eben so“, heißt es auch von Krayer Fans auf den Rängen, die auch beim letzten Spiel immer noch eher skeptisch waren. Schließlich mussten sie ansehen, wie ihre Mannschaft gegen den Spitzenreiter KFC Uerdingen nach einer guten ersten Halbzeit wieder verlor. So steht das Team im Moment auf den 16. Platz, was schon wieder einen Abstieg bedeuten würde – wie schon letzte Saison aus der Regionalliga.

Die schlechten Leistungen der vergangenen Spiele könnten ja daran liegen, dass sich Isiktas zu wenig mit den beiden Teams beschäftigt, sprichwörtlich auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzt, wie der ein oder andere auf den Rängen behauptet und sich vielleicht mehr auf den Nachwuchs konzentriert: Bei der A-Jugend läuft es nämlich besser: Nach acht Spieltagen liegen sie auf Rang vier. Isiktas hält aber dagegen: „Der Fokus liegt immer auf beiden Mannschaften gleichermaßen. Ich leite alle Trainingseinheiten persönlich und bin bei allen Spielen dabei“, sagt der 42-Jährige Cheftrainer dazu.

Es gebe also keinen Zusammenhang zwischen der momentanen Durststrecke in der Oberliga und seiner Doppelbelastung. Es gebe andere Gründe: „Als neuer Trainer bringe ich neue Impulse ein. Wir müssen noch an vielem arbeiten und das dauert seine Zeit.“

Es kommen bei ihm keine Zweifel auf, dass das System nicht funktioniert. Im Gegenteil: Er ist bei der ganzen Sache ziemlich optimistisch, kommt mit seiner Rolle sehr gut zurecht - trotz Vollzeit-Lehrerjob, fünf Mal die Woche Training und zwei Spielen am Wochenende. „Natürlich habe ich im Moment wirklich sehr wenig Freizeit. Aber damit kann ich gut leben.“

Die A-Jugend für die Erste abgeben? Auf diese Idee würde er im Leben nicht kommen: „Ich würde meine Jungs niemals im Stich lassen. Ich habe sie schon so lange begleitet, das könnte ich ihnen und mir nicht antun.“

„Mindestens bis zum Ende der Saison wird das so weitergehen“, bekräftigt Isiktas. Aus der Jugendabteilung des Vereins gibt es für diese Pläne weniger Begeisterung: „Man sollte sich eher auf eine Sache richtig konzentrieren anstatt auf zwei Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen“, heißt es von einem Vorstandsmitglied. Die Seniorenabteilung scheint hingegen keine Probleme zu sehen, „sonst hätte man mir diese Konstellation schließlich nicht angeboten“, sagt Muhammet Isiktas.

Was aber geschieht, wenn beide Mannschaften zur selben Zeit ein Spiel oder einen Termin haben, wurde noch nicht konkret besprochen. „Da müssen der Verein und ich eben viel im Dialog bleiben“, mein Isiktas nüchtern.

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