Das Denkmal für Ritz wäre fällig

Tobias Ritz (ETB).
Tobias Ritz (ETB).
Foto: WAZ FotoPool
Am Sonntag steht der Torhüter zum letzten Mal zwischenden Pfosten beim ETB Schwarz-Weiß. Eine Torwarttrainer-Karriere könnte folgen.

„Sollte Ritz irgendwann einmal die Handschuhe an den Nagel hängen, müsste man ihm am Uhlenkrug ein Denkmal bauen“, schrieben einst die sogenannten ETB-Uhltras über den Torwart. Dann kann der ETB ja schon einmal den Zement angießen: An diesem Sonntag bestreitet Tobias Ritz gegen den VfB Hilden sein letztes Pflichtspiel. Er beendet seine fußballerische Karriere.

Eigentlich wäre da noch ein bis 2017 gültiger Vertrag, und eigentlich ist 34 Jahre kein Alter für einen Torwart – findet auch Ritz. Aber: „Der Körper macht nicht mehr so mit. Nach meiner Schultereckgelenk-Sprengung habe ich da immer wieder Probleme“, erklärt der Bankkaufmann und lacht: „Die Montagmorgen werden härter.“ Ein Zusammenhang zwischen seinem Karriereende und dem geplatzten Wechsel zu RWE in der Winterpause bestehe daher nicht.

Seit 2007 steht Ritz im Tor des ETB, unterbrochen nur von einem einjährigen Intermezzo beim DSC Wanne-Eickel. Geschont hat sich der Schlussmann in dieser Zeit wahrlich nicht. Als ihn einmal eine Adduktorenverletzung plagte, und er deswegen die Abschläge nicht mit dem rechten Fuß ausführen konnte, nahm er einfach den linken. Einen Tobias Ritz schaffte so schnell nichts aus dem Tor.

Bei den Verantwortlichen und Fans der Schwarz-Weißen kam das an. „Ich habe mich hier immer sehr wohl gefühlt. Ich glaube, das hat man mir angemerkt“, sagt Ritz. Viermal wurde er vom ETB-Fanclub zum Spieler der Saison gewählt. Zum einen, wegen seiner sympathischen, aufgeschlossenen Art. Vor allem aber wegen seiner Leistungen. Ritz beschallte den weitläufigen Uhlenkrug, wenn er seine Abwehr permanent dirigierte, bereinigte mit seinem offensiven Torwartspiel so manche Gefahr schon außerhalb des Strafraums. Auf der Linie überzeugte er mit starken Reflexen. Nicht umsonst gilt er seit Jahren als bester Torhüter der Oberliga.

Aber Ritz ist eben „nur“ 1,80 Meter lang. Und deswegen spielt solch ein herausragender Torhüter eben „nur“ in der Oberliga. „Ich hab’ mich durchaus mal gefragt, was gewesen wäre, wenn ich größer wäre. Das ist schon viele Jahre her“, berichtet Ritz. In der B- und A-Jugend stand er bei Borussia Dortmund im Tor, wurde zweimal Deutscher Meister. Dann wurde er ausgeliehen – und kehrte nie zurück.

Verbittert ist er darüber nicht. „Körpergröße ist etwas, das man sich nicht antrainieren kann. Ich glaube, ich habe aus meinen Möglichkeiten das Beste gemacht. Damit bin ich zufrieden“, stellt Ritz klar. Denn wie sagte seine Ehefrau ihm einmal: „Vielleicht hättest du ein dickeres Bankkonto. Aber wir hätten uns wahrscheinlich niemals kennengelernt.“ Die Wahl zwischen sportlichem Erfolg und privaten Glück fällt leicht.

Im DFB-Pokal gegen die Alemannia

Wobei Ritz durchaus einen Titel aufweisen kann. Das 2:1 im Niederrheinpokal 2010 über RWE nennt er als Höhepunkt seiner ETB-Zeit. Nicht etwa das folgende 1:2 im DFB-Pokal gegen Alemannia Aachen, als der Torwart quasi im Alleingang eine Niederlage in der Nähe des zweistelligen Bereichs verhinderte. „Da kann mein Sohn mal auf DVD sehen, dass der Papa im DFB-Pokal gespielt hat. Das ist schön. Aber das 2:1 gegen RWE – das war groß. Vom Ereignis war das überragend.“

Seitdem ging es beim ETB nicht unbedingt aufwärts. Spieler, Trainer und Vorstände gaben sich die Klinke in die Hand. Dass der ETB in dieser Saison in arge Abstiegsnöte geriet, kam für Ritz nicht überraschend: „Ich wünsche dem Verein, dass er daraus die richtigen Schlüsse zieht. Was das Drumherum, das Finanzielle angeht, hat sich ja einiges verbessert. Ich hoffe, dass das Sportliche aber bald nachzieht.“

Und so verlässt Tobias Ritz den ETB-Kasten mit Wehmut. Einen Sieg wünscht er sich am Sonntag übrigens zum Abschied, damit der ETB auch sportlich die Klasse hält, nicht nur wegen des Rückzugs der Duisburger U23. Es wäre ein würdiges Ende einer außergewöhnlichen Karriere.

 
 

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