Cobigolf - kein Kinderspiel

Der Essener Dustin Raffler ist Westdeutscher Meister.
Der Essener Dustin Raffler ist Westdeutscher Meister.
Foto: WAZ FotoPool

Minigolf – das kann doch jedes Kind. Und die Unterart „Cobigolf“ kann dann doch auch nicht gar so schwer sein. Diese unausgesprochene Behauptung scheint mir auf die Stirn geschrieben zu sein. Dustin Raffler aus Essen, mit dem ich für ein paar Bahnen auf der Cobigolf-Anlage am Hallo verabredet bin, wo ab diesem Donnerstag die Deutschen Meisterschaften stattfinden werden, lächelt milde. Der 25-jährige Mediengestalter ist der Westdeutsche Meister der vergangenen drei Jahre, war dreimal deutscher Jugendmeister.

Schon der erste Versuch auf Bahn, der Geradebahn, führt mir die Tücke des Objekts vor Augen. Der Meister fingert zwei, drei Bälle aus seiner Hosentasche. „Das mache ich, damit sie eine gewisse Temperatur haben und besser laufen“, sagt der Profi. Ein Blick in seine Balltasche verrät, dass die mir bekannten blauen, weißen oder roten Bälle mit den unzähligen Grübchen bei Könnern keine Rolle spielen. 25 bunte Kugeln warten in der Tasche auf ihren Einsatz. Spielen Cobigolfer auf ihnen unbekannten Bahnen, nehmen sie auch schon mal das große Equipment im mit Schaumstoff ausgelegten Koffer mit. „Sie unterscheiden sich in Härte, Sprunghöhe und Gewicht“, erzählt Dustin Raffler. Je weicher der Ball desto träger sei er. Manche hätten eine glatte Oberfläche, manche sind leicht aufgerauht.

So weit die Theorie. Es folgt die Praxis. Dustin Raffler macht es mir an Bahn eins vor. Der Ball rollt durchs Tor, driftet wie ferngesteuert zunächst etwas nach links, dann nach rechts, trifft die Bande und prallt zurück – ins Loch. Ein Ass. Dass die direkte Verbindung zwischen zwei Punkten eine Gerade sei, wie ich es irgendwann in der Schule gelernt habe, stimmt offenbar nicht. Raffler erzählt etwas von der unterschiedlichen Lebhaftigkeit der Bälle. Trotzdem: Die 6,25 Meter lange Gerade werde ich doch wohl schaffen. Was er meint, bekomme ich aber umgehend zu spüren. Der selbe Ball, von mir gespielt, rollt mitten durchs Tor, eiert auf dem Rückweg von der Bande aber nicht ins Loch, sondern daran vorbei. Knapp, wie ich betonen möchte. Waren wohl zu lebhaft. Der Ball und ich.

Um die anderen Spieler, die für die Deutschen Meisterschaft auf der Anlage trainieren, nicht aufzuhalten, starte ich nur noch einen Versuch. Der ist noch knapper, aber auch nicht von Erfolg gekrönt. Trotzdem bin ich mir sicher: Ein „Otto“ – so nennen die Cobigolfer sechs vergebliche Versuche, die zudem mit einem zusätzlichen Strafschlag belohnt werden, wäre es nicht geworden. Wir steigern den Schwierigkeitsgrad, greifen die „Doppelwelle“ an. Dustin Raffler bescheinigt mir, als ich abschlage, ein gewisses Gefühl. Und siehe da, im dritten Versuch kullert die weiß-rot-graue Kugel tatsächlich über die beiden Wellen – wenn auch nicht gleich ins Loch.

Seit zwei Wochen trainiert Dustin Raffler täglich am Hallo, die letzte Woche vor den Titelkämpfen hat er sich eigens Urlaub genommen. Beim Assindia Cup, dem Turnier an gleicher Stelle eine Woche zuvor, hat er Platz zwei belegt. 26 Schläge hat er im Schnitt pro Runde auf den 18 Bahnen gebraucht. Platzstandard sind 33. Der Bahnrekord liegt bei 22. „Der Deutsche Meister muss wohl 25 im Schnitt spielen“, sagt der 25-Jährige. Er selbst will erstmal kleine Brötchen backen. „Ein Platz auf dem Treppchen, das wäre super.“

Zehn Jahre spielt Dustin Raffler Cobigolf. Davor „traktierte“ er die Bälle beim Tischtennis und Tennis. 2002, als sein Verein Blau-Gold die Deutschen Meisterschaften in Vogelheim ausrichtet, sitzt er noch am Computer und pflegt die Ergebnislisten ein. Dass der Schlaks über kurz oder lang beim Minigolf landet, ist nahezu zwangsläufig. Sein Vater ist schon lange Präsident des Deutschen Cobigolf-Verbandes.

Wir versuchen noch eine weitere Bahn. „Schräger Dreierablauf“ ist ihr Name. Was passiert, wenn man sie ungestüm angeht, kann ich weiß auf schwarz auf Dustin Rafflers T-Shirt zu sehen. Der Ball tickt wie bei einem Flipper-Automaten von Bumpern beschleunigt unkontrolliert an den Wände des Hindernisses wild hin und her. So weit komme ich aber erst gar nicht. Wieder finde ich nicht das Gleichgewicht der Lebhaftigkeit. Der Ball ist nicht mein Freund. Viermal schleicht er rechts das Hindernis hinauf, um mit höherem Tempo wieder den Rückzug anzutreten. Mein fünfter Schlag nötigt aber selbst dem Könner Respekt ab. Der Ball kann sich weder dazu durchringen das Hindernis zu nehmen noch zu mir zurückzukehren. Er bleibt einfach auf dem Hindernis liegen. Nicht schön, aber selten. „Das kann auch nicht jeder“, schmunzelt Dustin Raffler. Na also: wenigstens ein Achtungserfolg.

Auf dem Höhepunkt soll man aufhören. Auch das Hindernis „Mensch-ärgere-Dich-nicht“ erspare ich mir wohlweißlich. Hoch gerechnet hätte ich wohl mit einer Schlagzahl knapp unter 90 die 18 Bahnen beendet. Selbst für einen Publikumsspieler, so heißen Menschen wie ich bei den Turnier-Spielern, nicht gerade eine Glanzleistung.

Von wegen Minigolf kann jedes Kind.

Gut 80 Erwachsene und Jugendliche werden am Hallo in Stoppenberg von Donnerstag bis Samstag die Deutschen Meister in den verschiedenen Altersklassen sowie in der Mannschaftswertung ermitteln. Gespielt wird täglich jeweils ab 8 Uhr. Die Finalrunden werden am Samstagnachmittag ausgetragen. Es sind die 50. Deutschen Meisterschaften im Cobigolf.

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