Bernd Rosen: Katernberg via Caldas Novas

Foto: Kleve

Sonntag vor einer Woche. Caldas Novas, um die 30 Grad, zeitweise bewölkt, meist sonnig. Montag vor einer Woche. Katernberg. Fünf Grad. Starke Schauerneigung.

Bernd Rosen, Vorsitzender des Bundesligisten SF Katernberg, ist zuletzt mal wieder um die halbe Welt geflogen in Sachen Schach. In südbrasilianischen Caldas Novas, was soviel heißt wie „neue Thermalbäder“, fanden die Jugend-Weltmeisterschaften statt. Deutlich über 1000 Teilnehmer – mit Trainer, Betreuern und Eltern waren es gut 2500 Menschen. Bernd Rosen gehörte nicht zum ersten Mal zum deutschen Trainer-Team. Es ist seine dritte WM, zweimal betreute er deutsche Nachwuchsspieler bei Europameisterschaften. Die deutsche Bilanz in Caldas Novas fiel positiv aus, sehr positiv. „Sie war noch sie so gut wie in diesem Jahr“, hebt Bernd Rosen. Der 53-jährige Sozialarbeiter betreute vier Talente. Gespielt wurden neun Partien in acht Tagen. „Das ist anstrengend, aber es ist nicht so, dass die Kinder und Jugendlichen keine Zeit mehr zum Toben hatten“, erzählt Rosen.

Südamerika ist Vergangenheit, wenn auch noch frische. Das Ruhrgebiet ist die Gegenwart. Und hier warten die nächsten Aufgaben auf den Vorsitzenden. Bernd Rosen sitzt zwar nicht mehr selbst in der Bundesliga am Brett, doch der Doppel-Heimsspieltag gegen Dresden und Tegel will dennoch vorbereitet sein. Und das, zumal die Katernberger erstmals in der Aula des Leipniz-Gymnasiums spielen werden. Nach der Orangerie und den Räumen des RVR sowie des Ruhrverbandes ist es das vierte „Spiellokal“. Die Lösung Leibniz-Gymnasium lag praktisch auf der Hand, leitet Bernd Rosen doch dort eine erfolgreiche Schach-AG. „Diese Lösung bedeutet für uns zwar mehr Arbeit, ist aber auch kostengünstiger“, erklärt Bernd Rosen. Der Vorsitzende hätte nichts dagegen, wenn die Leibniz-Aula nach den Zeiten des Vagabundierens zum festen Domizil werden würde. Für SFK-Mannschaftsführer Ulrich Geilmann hat der Umzug noch einen persönlichen Hintergrund. „Hier habe ich selbst Abitur gemacht – es ist schön, jetzt aus einem solchen Anlass wieder an meine alte ,Penne’ zurück zu kehren.“

In der Saisonplanung der Sportfreunde spielt der Doppelspieltag gegen Dresden und Berlin Tegel eine ganz besondere Rolle: Die beiden Aufsteiger galten ursprünglich als die nominell schwächsten Teams, daher sind vier Punkte zumal vor heimischem Publikum beinahe Pflicht. Allerdings erwiesen sich beide Klubs bisher als überraschend spielstark und liegen mit vier bzw. fünf Punkten im Mittelfeld der Tabelle.

Am Samstag tritt SFK gegen Dresden an. Die Sachsen um die deutsche Schach-Legende Wolfgang Uhlmann und den Bundestrainer Uwe Boensch hat sich an den ersten drei Brettern mit dem ungarischen Weltklassemann Almasi und zwei renommierten polnischen Großmeistern verstärkt und kommt mit dem Rückenwind eines 5:3-Erfolges gegen Hamburg nach Essen. „Das wird keinesfalls ein Spaziergang für uns werden“, so Rosen. Der Sonntagsgegner Berlin-Tegel steht nach dem überraschenden Erfolg gegen SF Berlin in der Tabelle sogar vor den Katernbergern, obwohl die „Fahrstuhlmannschaft“ um den Berliner Großmeister Robert Rabiega praktisch mit dem gleichen Team antritt, das schon einige Auf-/Abstiege erlebt hat.