Phoenix-Insolvenz trifft auch die Region

Schwelms Vladimir Pinchuk konnte zuletzt dank der Kooperation mit Phoenix Hagen wichtige Erfahrungen in der höchsten deutschen Nachwuchs-Spielklasse sammeln.
Schwelms Vladimir Pinchuk konnte zuletzt dank der Kooperation mit Phoenix Hagen wichtige Erfahrungen in der höchsten deutschen Nachwuchs-Spielklasse sammeln.
Foto: Michael Scheuermann
  • Hagener Bundesligist ist tief verwurzelt in der Region
  • Kooperation mit den EN Baskets fördert junge Spieler
  • Omar Rahim nennt Phoenix den „Leuchtturm der Region“

Schwelm/Hagen..  Die Zeit der Ungewissheit in Hagen ist vorbei. Wie der Aufsichtsratsvorsitzende Patrick Seidel am Montagabend bei einem Sponsorentreffen bekannt gab, wird der Basketball-Bundesligist Phoenix Hagen seinen Spielbetrieb mit dem Heimspiel am 10. Dezember einstellen. Bis heute Abend hat das Basketball-Aushängeschild der Region Zeit, 250 000 Euro zu beschaffen, um einen geordneten Rückzug in die 2. Bundesliga ProA zu realisieren. Ein kompletter Rückzug wäre nicht nur für die Basketball-Hochburg Hagen ein schwerer Schlag, auch die EN Baskets wären betroffen.

Die Schwelmer Basketballer pflegen seit Jahren eine vertragliche Kooperation mit Phoenix, die es beiden Vereinen ermöglicht, talentierten Spielern auf hohem Niveau Spielpraxis zu garantieren. Jüngstes Beispiel von Schwelmer Seite ist Vladimir Pinchuk. Das Eigengewächs aus der Schwelmer Nachwuchsabteilung ist mit einem Doppelspielrecht ausgestattet. Damit ist es ihm möglich, neben seinem inzwischen festen Platz in der Rotation bei den EN Baskets in der 1.Regionalliga auch zusätzlich noch bei der NBBL-Mannschaft von Phoenix Hagen aufzulaufen. Dort agierte Pinchuk zuletzt herausragend und war mit 16 Punkten gegen die Uni Baskets Paderborn bester Punktesammler der Phoenix Hagen Juniors.

Leuchtturm der Region bricht weg

Pinchuk ist dabei in guter Gesellschaft. Neben dem zwei Meter großen Flügelspieler zählt EN-Baskets Geschäftsführer Omar Rahim weitere Namen wie Mirko Krieger oder Jens Winterberg auf. Krieger hat genau wie Pinchuk die komplette Jugend der Schwelmer durchlaufen. Um den Talenten eine möglichst qualitativ hohe Ausbildung zu ermöglichen und sie gleichzeitig als Perspektivspieler für die Schwelmer zu behalten, richteten die Verantwortlichen 2013 die Kooperation mit Hagen ein. „Wenn Phoenix wegfällt, fehlt der Region der Leuchtturm“ bangt auch Rahim um die Zukunft des Hagener Bundesligisten. Neben den EN Baskets führen die „Feuervögel“ sechs weitere Kooperationen mit Vereinen aus der Umgebung wie BG Hagen, NOMA Iserlohn und den Hertener Löwen. „Hagen ist eine besondere Basketballstadt, das ist dort so, wie in anderen Städten Fußball groß ist“, beschreibt Omar Rahim die Bedeutung des Basketballs für Hagen.

Sollte der Standort zukünftig komplett entfallen, würde es rein geografisch schwierig, einen neuen geeigneten Partner zu finden. Zumal der EN-Baskets-Geschäftsführer daran auch aktuell kein Interesse hat: „Wir arbeiten hervorragend mit Hagen zusammen. Momentan sondieren wir noch Möglichkeiten, wie wir das Projekt unterstützen können.“ Die nächsten Anlaufstellen für eine ähnlich leistungsorientierte Kooperation sind laut Rahim erst wieder in der Region Köln, Düsseldorf und Leverkusen zu finden.

Neuanfang in ProA ist das Ziel

Vor allem Altlasten waren es nun, die in der Basketball-Hochburg diesen Schritt unausweichlich machen. „Es ist unfassbar viel schief gelaufen in der Vergangenheit. Der Beteiligungsgesellschaft fehlten zur Fortsetzung des Spielbetriebes 800 000 Euro. Diese wären zwar kurzfristig aufzubringen gewesen, allerdings wären dann neue Lücken in der Zukunft entstanden. Dies war für den Verein wie für den Insolvenzverwalter des am 20. Oktober gestellten Insolvenzantrages, allerdings keine Option mit Perspektive. Man strebt einen Neuanfang an, der wiederum kostet die Hagener für die Fortsetzung des Spielbetriebes in den Nachwuchsmannschaften der NBBL und JBBL knapp 50 000 Euro. Hinzu kommen noch laufende Personal-, Miet- und Insolvenzkosten von insgesamt 200 000 Euro. Nach dem Heimspiel gegen Braunschweig ist dann das Kapitel Bundesliga-Basketball in Hagen erst einmal Geschichte. Sieben von 17 Heimspielen wurden dann gespielt, eine Lösung für die knapp 1700 Dauerkartenbesitzer ist aktuell in Arbeit.

Auf eine Fortsetzung hoffen nicht nur die Hagener und deren treue Fans, viel mehr ist es die gesamte Region, die ihr Aushängeschild nicht verlieren möchte.

 
 

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