Ein Mario Götze, der am Fußball überhaupt nicht interessiert ist

Mario Götze aus Ennepetal mit einem Trikot seines Fußball spielenden Namensvetters.
Mario Götze aus Ennepetal mit einem Trikot seines Fußball spielenden Namensvetters.
Foto: Lars Heidrich

Ennepetal..  Ein heißer Sommertag im Jahr 2014. Exakt heute vor einem Jahr. In der 119. Minute des Fußball-WM-Finales im Maracana-Stadion von Rio de Janeiro flankt André Schürrle den Ball in den Sechzehner. Mario Götze rauscht heran, berührt das Spielgerät akrobatisch mit dem linken Fuß und trifft zum entscheidenden 1:0 für Deutschland. Der vierte Stern ist da. Eine ganze Nation liegt sich gegenseitig in den Armen. Und im kleinen, westfälischen Ennepetal klingelt das Telefon. „Hey, ist da der Mario?“ – „Ja, natürlich nicht.“

„Ich habe nie Fußball gespielt. Ich habe, glaube ich, noch nie ein Fußballspiel zu Ende geguckt. Ich kenne keine Regel vom Fußball. Ich bin da total desinteressiert“, sagt Mario Götze, der 46-jährige Ennepetaler, der über Nacht zum „Helden“ wurde und dessen Namen spätestens seit dem 13. Juli 2014 die ganze Welt kennt.

Dass es sich hierbei natürlich nicht um den „echten“ Mario Götze handelt, der beim BVB zum Profi wurde und der mittlerweile beim FC Bayern München unter Vertrag steht, wird spätestens klar, wenn man vor ihm steht. Seine Statur ist, gelinde gesagt, eher die unsportlichere Variante des WM-Torschützen.

Autogrammwünsche

Vor gut zwei Jahren fing alles an. „Da kamen auf einmal Päckchen zu uns nach Hause. Ich sollte auf Fußballschuhen oder auf Trikots unterschreiben“, erinnert sich der gelernte Koch, „das fand ich ja noch niedlich, wenn da stand: ,Hier sind meine fast ungetragenen Fußballschuhe, könntest du darauf bitte unterschreiben?‘ “ Erst als seine Tochter ihm dann sagte, dass es einen BVB-Spieler gebe, der den gleichen Namen wie er trüge, wurde Mario Götze so einiges klar. Doch weiter interessierte ihn das nicht. „Mir ist Fußball sowas von egal. Das kann ich kaum in Worte fassen, wie egal mir das ist.“

Ein paar Verrückte riefen an

An die WM-Nacht kann er sich trotzdem noch genau erinnern. „Das Tor fiel. Und es kann sich ja anscheinend keiner vorstellen, wenn jemand in Brasilien ein Tor schießt, dass der dann nicht unmittelbar am Telefon sein kann, wenn er angerufen wird. Aber es gab ein paar Verrückte, die das gemacht haben.“ Doch auch sonst hat Mario Götze ein spannendes Leben, seit sein Namensvetter es ins Profigeschäft geschafft hat. Anekdoten hat er genug zu erzählen.

So zum Beispiel, als er einen Termin beim Hautarzt vereinbart hat. Zunächst wunderte er sich noch, warum er den so schnell bekam. „Ich habe da ungefähr zwei Minuten im Warteraum gesessen, als auf einmal die Tür aufging und der Arzt mit einem BVB-Schal auf mich zukam. Er schaute mich an und lachte: ,Aaah, ich hätt’s mir denken können …‘ Das war schon witzig.“

Auch bei seinen Kunden fällt der Name des Kochs regelmäßig auf, wird zum Gesprächsthema. „Ich muss da dann meinen Ausweis zeigen, weil sie es nicht glauben können. Wenn sie es dann aber lesen, ist die Freude und das Lachen groß“, sagt Mario Götze, der sich an den Trubel um seinen Namen längst gewöhnt hat. Ein Stück weit genießt er seinen „Ruhm“ auch. „Man kommt ins Gespräch“, sagt er, „die Leute sind dann direkt offener. Das ist nicht schlecht.“

Leistungsabhängiger „Promi-Bonus“

Seinen „Promi-Bonus“ kann er jedoch dann nicht ausspielen, wenn sein Bayern-Pendant keine guten Leistungen zeigt. Hierbei müsse sich zum Beispiel auch seine Ehefrau von Bekannten oder Kollegen öfter mal die Frage gefallen lassen: „Was ist denn gestern mit dem Mario los gewesen?“ Doch auch hierüber kann Götze schmunzeln.

Ein Treffen mit dem berühmteren Mario Götze muss die „Ennepetaler Variante“ des Fußballprofis übrigens nicht haben: „Höchstens als Koch würde ich mich da einspannen lassen. Dann wäre der Alfons Schuhbeck beim FC Bayern weg, und Mario Götze wäre für Mario Götze da.“

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