Abschied von der großen Bühne

Den Höhepunkt ihrer Karriere erlebten Carolina und Daniel Hermann im Jahr 2009 mit der Deutschen Meisterschaft.Foto:
Den Höhepunkt ihrer Karriere erlebten Carolina und Daniel Hermann im Jahr 2009 mit der Deutschen Meisterschaft.Foto:
Foto: POLL, Arne

Sprockhövel.. Wenn dieser Tage die Berichte von den Olympischen Spielen im russischen Sotschi über den Fernsehbildschirm flimmern, dann ist das für die Geschwister Carolina und Daniel Hermann wie eine Reise in die Vergangenheit.

Ihr sportlicher Weg führte sie in die internationale Spitze, sie feierten 2009 den Deutschen Meistertitel im Eistanz der Paare, sie nahmen an Europa- und Weltmeisterschaften teil – bis vergangenen Sommer das Knie von Carolina Hermann endgültig nicht mehr mitmachte und sie ihre Karriere beendeten. Gemeinsam.

„Es ist gar nicht so einfach, eine solche Nachricht zu veröffentlichen“, schrieb Carolina Hermann Mitte Juni vergangenen Jahres auf der Internetseite des Paares. „Ich werde mit dem Eislaufen aufhören. Der Grund ist bekannt: mein Knie.“ „Die erste Operation hatte ich 2010“, sagt sie. „Ich hatte einen vierfachen Meniskusriss.“ Es ging vorerst zwar zurück aufs Eis, die Schmerzen aber kamen wieder, trotz einer weiteren Behandlung. „Die Ärzte sagten, wenn ich weitermache, würde ich nie Ruhe in mein Knie bekommen“, so die 26-Jährige. „Da muss man mit Vernunft abwägen.“

Und dieser Vorgang ließ nur einen Schluss zu: das Karriereende. So war der Auftritt bei der Deutschen Meisterschaft 2012, bei der sie Bronze gewannen, der letzte bei einem Wettkampf auf dem Eis für das Geschwisterpaar, auch wenn die endgültige Entscheidung erst im Sommer 2013 fiel. Daniel Hermann überlegte zunächst noch, ob er sich eine andere Partnerin suchen und weitermachen sollte. „Es war aber ziemlich schnell klar, dass das nicht in Frage kommt“, sagt er heute.

So standen beide vor einem Neuanfang. Daniel Hermann blieb in Berlin, wo die Geschwister seit 2010 lebten. Er studiert Betriebswirtschaftslehre und hat nur noch seine Abschlussarbeit vor sich. Die Umstellung vom Leistungssport auf das neue Leben ohne den ganz großen Sport fiel ihm schwer. „Das ist nicht einfach“, sagt der 27-Jährige. „Es fehlt das, was du vorher den ganzen Tag gemacht hast.“ Zum Ausgleich hat er mit zeitlichem Abstand angefangen, Marathon zu laufen. „Da merkt man, wie schnell der Körper abbaut. Das geht schneller als man denkt.“ Beruflich will er in eine dem Sport nahe Branche, worin ihn ein Praktikum bei Adidas bestärkt hat.

Carolina Hermann kehrte der Hauptstadt den Rücken und kehrte in den Heimatort Sprockhövel zurück. „Ich habe einen Studienplatz in Bochum bekommen und studiere im dritten Semester Psychologie“, sagt sie. „Vor der letzten Operation dachte ich: Okay, jetzt kümmerst du dich darum, dass du schon während der Reha was dafür machen kannst.“ Ein bisschen Sport ist trotz des lädierten Knies möglich: „Ich gehe Joggen oder fahre Inliner um den Stausee“, sagt sie. Nebenher ist sie als Trainerin aufs Eis zurückgekehrt. „Und sobald es geht, will ich den Trainerschein machen.“

Im Winter des Jahres 1991 begann die Karriere der Hermann-Geschwister auf einem zugefrorenen Teich in Herzkamp. Ab 1994 liefen beide beim Solinger Turnerbund, zuerst jeder alleine, ab 1997 als Paar. Sie trainierten im Landesleistungszentrum Dortmund fünf Mal in der Woche, im Jahr 2000 wurden sie Dritte bei den Deutschen Nachwuchsmeisterschaften in Berlin.

Nach dem Sieg bei der Deutschen Juniorenmeisterschaft 2007 kamen sie bei der Nachwuchsweltmeisterschaft gleich unter die besten Zehn, im Folgejahr feierten sie auch bei den Senioren in der Meisterklasse den nationalen Titelgewinn. In Europa kamen die Hermanns auf Platz zwölf, bei den weltweiten Titelkämpfen bei zwei Teilnahmen auf die Ränge 17 und 22.

Beide Hermanns haben sich jetzt ein neues Leben eingerichtet, der eine in Berlin, die andere in Sprockhövel. Beiden ist die Vergangenheit trotzdem noch präsent, gerade während Olympia. Das kann schön sein. „Man sieht viele Freunde und denkt an sie. Man verbindet fast mit jedem eine persönliche Geschichte“, sagt Daniel Hermann. Das kann aber auch schmerzlich sein. „Es tut schon weh, aber es sollte nicht sein“, so Daniel Hermann. „Ich bin mit allen möglichen Startern befreundet, da kriege ich alle Interna mit“, sagt seine Schwester. „Ich habe gerade Klausurphase – da muss ich mir das nicht antun.“

 
 

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