In der Heimat ist Nikolas Ledgerwood ein Exot

Dirk Retzlaff

Am Niederrhein.  In Lethbridge in der kanadischen Provinz Alberta ist der Name Versteeg eine große Nummer. Das hat nichts mit dem früheren MSV-Spieler Heinz Versteeg zu tun, sondern viel mehr mit den Brüdern Kris und Mitch. Zwei Eishockey-spieler, die Helden ihres Ortes sind. Nikolas Ledgerwood tanzt in seiner Heimatstadt aus der Reihe. Sein Ding ist nicht der Puck, sondern der Ball. „Ich habe mit Eishockey wenig am Hut. Ich entstamme einer Fußballer-Familie“, sagt der Neuzugang des Fußball-Drittligisten MSV Duisburg im Trainingslager in der Türkei.

Geburtsort Calgary, die Heimat in Alberta – ein Leben ohne Eishockey ist da nur schwer vorstellbar. „Ich habe kein Lieblingsteam, bei Olympia gucke ich mir aber trotzdem die Spiele der Kanadier an“, erzählt der 28-Jährige.

Von der High School zu 1860

Ledgerwood spielte zuletzt in der zweiten schwedischen Liga bei Hammarby IF. Der Zuschauerschnitt liegt dort immerhin bei rund 15 000. Tore des variablen Mittelfeldspielers sind rar, für die Schweden erzielte er im März letzten Jahres aber ein ganz besonderes: Bei der Einweihung des neuen Stadions in Hammarby markierte er den ersten Treffer.

Der Wechsel nach Duisburg ist für den Kanadier eine Rückkehr in seine zweite Heimat. Deutschland ist für ihn schon lange der sportliche Lebensmittelpunkt. Nach seinem High-School-Abschluss in Kanada – Ledgerwood: „Im Internet steht überall, dass ich eine Schreiner-Lehre abgeschlossen habe. Das ist aber kompletter Quatsch“ – wechselte er als 18-Jähriger zu 1860 München und lernte im Internat der Löwen Deutsch. Die Sprache beherrscht er längst perfekt, die Eingewöhnung beim MSV dürfte ihm leicht fallen.

Für sein Engagement beim MSV ließ Ledgerwood ein Trainingslager mit der kanadischen Nationalmannschaft in Florida sausen. 33 Mal trug er bislang das Trikot der Kanadier. Auch bei der historischen 1:8-Pleite in Honduras, die den Kanadiern die WM-Teilnahme kostete, war er 45 Minuten am Ball. Kanada ist groß, aber ein kleines Fußball-Land. „Uns fehlt einfach die Qualität, um vorne dabei zu sein“, ist der MSV-Neuzugang realistisch.

Beim MSV erhielt er einen Vertrag bis zum Saisonende. Ledgerwood hofft dennoch auf ein längeres Engagement. „Ich will mich mit guten Leistungen für einen weiteren Vertrag empfehlen“, ist „Ledge“ naturgemäß heiß auf Einsätze im Zebra-Trikot – am liebsten schon beim Restrundenauftakt in Regensburg. Trainer Karsten Baumann sieht seinen neuen Spieler vorrangig im defensiven Mittelfeld auf der Sechserposition. In der Nationalmannschaft spielt Ledgerwood überwiegend hinten rechts. „Phil Ofosu-Ayeh wird sich demnächst seine fünfte gelbe Karte abholen, da wäre Nikolas eine gute Alternative“, hat Karsten Baumann die vielseitigen Qualitäten seines neuen Spielers im Blick. Ledgerwood selbst sieht sich als Kicker, der viel Laufbereitschaft und Zweikampfstärke einbringt. Entsprechend selbstbewusst tritt er auch auf: „Ich bin ein intelligenter Spieler.“

Als U15-Spieler in Duisburg

Mit Duisburg gab es in der Laufbahn des Kanadiers schon mehrere Schnittmengen. Als U15-Nationalspieler besuchte er während eines Trainingslagers in der Sportschule ein MSV-Spiel im alten Wedaustadion.

An ein Match in der neuen Arena erinnert er sich indes nur nach längerem Nachdenken. Bei einem 5:0-Erfolg des MSV gegen den FSV Frankfurt war Ledgerwood für die Hessen am Ball. Das war das Spiel mit dem Phantom-Tor von Christian Tiffert. Der Ball prallte damals von der Latte auf die Linie des Fünfmeterraumes. Trotzdem galt der Treffer zum 5:0.

Nikolas Ledgerwood lacht: „Wahrscheinlich habe ich deshalb dieses Spiel aus meinem Gedächtnis gestrichen.“