Frischer Wind von der Seitenlinie

Foto: Funke Foto Services
Kreisliga B. Michael Tenhagen, neuer Trainer von Fortuna Millingen, will ausdrücklich keinen Aufstiegsdruck auf seine Spieler ausüben.

Millingen..  Michael Tenhagen ist in der Fußball-Szene am Unteren Niederrhein wahrlich kein Unbekannter. Allerdings hat er schon eine kleine Ewigkeit keine Seniorenmannschaft mehr trainiert. Auch weil er beruflich so oft unterwegs war, dass ein Engagement nicht in Frage kam. Mittlerweile ist der 52- Jährige bei der Lebenshilfe tätig. Und der Anruf von Fortuna Millingen vor einigen Wochen kam zum richtigen Zeitpunkt.

Mit viel Elan hat Tenhagen die Nachfolge von Dirk Scholten als Coach der Rot-Weißen angetreten. Zunächst einmal war es ihm wichtig, dass er sich ein umfassendes Bild der Spieler machen konnte. So kickten bei den ersten beiden Trainingseinheiten nahezu 40 Akteure aus erster und zweiter Mannschaft sowie der A-Jugend zusammen auf der Platzanlage an der Bruchstraße. Überhaupt ist es Tenhagen wichtig, „dass es reibungslos läuft“ zwischen den einzelnen Mannschaften im Verein.

Nach der Vorbereitung wird der neue Coach mit einem 22 Mann starken Kader die Saison in der Kreisliga B aufnehmen. Von vielen Experten wird die Fortuna als Aufstiegsfavorit Nummer eins gehandelt. Tenhagen lässt sich allerdings zu keiner Kampfansage in Richtung Konkurrenz hinreißen. „Unser Ziel ist es, wieder unter die ersten drei bis vier Plätze zu kommen“, sagt der Übungsleiter. „Wir wollen niemand unter Druck setzen.“ Eine Aussage die von Vorstandsseite bestätigt wird. „Niemand fordert hier, dass wir unbedingt aufsteigen müssen“, so Thomas Imbusch. Der langjährige Co-Trainer der ersten Mannschaft hat sich von seinem angestammten Posten zurückgezogen, um nun an der Seite von Klaus Sesing als stellvertretender Obmann tätig zu sein.

Unaufgeregtes Umfeld

Als Nachfolger von Imbusch ist Mathis Pollmann vom SV Rees an die Bruchstraße zurückgekehrt. Eine Konstellation, die Tenhagen ausdrücklich begrüßt. „Wir wollen als neue Trainer frischen Wind reinbringen. Aber insgesamt zeigt auch diese Geschichte, dass das Umfeld hier einfach stimmt und total unaufgeregt ist“, meint der Coach.

Dass die Fortuna in der kommenden Spielzeit als Meisterschaftsfavorit gehandelt wird, liegt selbstredend auch an der letzten Saison, wo die Truppe lange auf Aufstiegskurs lag. Doch hinten raus ging der Scholten-Elf die Luft aus. Für Tenhagen, der sich einige Spiele zum Ende der Spielzeit angeschaut hat, liegt der Grund auf der Hand. Als Sturmführer Tom van Alst aufgrund seines Studiums in der Schlussphase der Saison nicht mehr spielen konnte, habe die Durchschlagskraft gefehlt. Allerdings ist Tenhagen keineswegs am Boden zerstört, dass er nun nicht in der A-Liga trainiert: „So können wir was in Ruhe in der Kreisliga B aufbauen.“

Apropos Ruhe. Der neue Coach setzt auf Ballbesitz. Aus einer sicher stehenden Abwehr sollen die eigenen Angriffe vorgetragen werden. „Man gewinnt die Spiele hinten“, lautet das Credo des 52-Jährigen. Nichtsdestotrotz kann bei eigenem Ballbesitz der Angriff natürlich schnell in die Spitze vorgetragen werden. Klar ist, dass die Fortuna hinten mit einer Viererkette agieren wird. Wie das taktische System dann weiter aussehen wird, ist zurzeit noch offen.

Allerdings dürften auch die Neuzugänge in den Planungen eine wichtige Überlegung wert sein. Denn für den nach wie vor studienbedingt abwesenden Tom van Alst soll Marcel Heiliger ganz vorne in die Bresche springen. Der Neuzugang vom RSV Praest, der in der Rückrunde für die zweite Mannschaft der Gelb-Schwarzen in der Kreisliga B aufgelaufen ist, kommt mit der Empfehlung von 15 Toren in elf Spielen.

Damit für Heiliger eine ähnliche Trefferquote wieder im Bereich des Möglichen liegt, sollen die Neuzugänge Jan-Peter Eyting (RSV Praest) und Lukas Reuyß (SV Rees) den Stürmer mit verwertbaren Bällen füttern. Als klassischen Spielmacher sieht Tenhagen seinen alten Bekannten Christoph Eyting (BW Bienen). „Als klar war, dass ich in Millingen Trainer werde, hat Christoph mich angerufen und mir gesagt, ‘Du warst mein erster Trainer in der A-Jugend des SV Rees, jetzt wirst Du auch mein letzter Trainer bei den Senioren in Millingen’“, berichtet Tenhagen, der besonders die Stärken des 31-Jährigen bei Standards und beim Kopfballspiel herausstreicht. Vom SV Rees schließt sich obendrein noch Rene Hollands den Fortunen an, der für die Sechser-Position vorgesehen ist.

Duell um die Nummer eins

Ein Teenager-Duell gibt es um den Stammplatz zwischen den Pfosten. Denn als einzigen Abgang haben die Millinger ihre etatmäßige Nummer eins, Dennis Döring, an den RSV Praest verloren. Aus der A-Jugend des VfL Rhede wurde daher Rene Konst geholt. Aus der eigenen A-Jugend rückt Robert Baumann in die erste Mannschaft. „Ich gehe das Risiko gerne ein, dass wir in der kommenden Saison einen sehr jungen Torhüter auf dem Feld haben“, erklärt Tenhagen, der beiden Akteuren das nötige Potenzial bescheinigt. Zwar sei auch Co-Trainer Mathis Pollmann erst 30 Jahre alt, doch der habe signalisiert, dass er als Keeper nur im absoluten Notfall zur Verfügung stehen werde.

 
 

EURE FAVORITEN