Nichts verlernt

Seit eineinhalb Jahren gibt es beim EVD eine Alt-Herren-Mannschaft. „Bubi“ Scholz (vorne links) spielte schon für den DSV. Marcel Jaskulski (Mitte) ist der erste Torschütze der Vereins. Und Johannes Kehnen (rechts) stellte mit einem Hattrick innerhalb von 16 Sekunden einen Rekord für die Ewigkeit auf.
Seit eineinhalb Jahren gibt es beim EVD eine Alt-Herren-Mannschaft. „Bubi“ Scholz (vorne links) spielte schon für den DSV. Marcel Jaskulski (Mitte) ist der erste Torschütze der Vereins. Und Johannes Kehnen (rechts) stellte mit einem Hattrick innerhalb von 16 Sekunden einen Rekord für die Ewigkeit auf.
Foto: Fabian Strauch

Duisburg..  Seit eineinhalb Jahren gibt es beim EVD eine Alt-Herren-Mannschaft. Mit dabei sind Spieler wie Marcel Jaskulski, Johannes Kehnen und „Bubi“ Scholz. Vor kurzem gewannen sie ihr erstes Spiel.

Der Montag ist hierzulande nicht gerade ein typischer Eishockeytag. Die meisten Teams haben nach einem anstrengenden Wochenende trainingsfrei. Für eine Mannschaft des EV Duisburg ist es aber „der“ Eishockeytag schlechthin. Eineinhalb Jahre ist es nun her, dass die Füchse ein Alt-Herren-Team ins Leben gerufen haben. Eingefleischte Fans werden einige Namen kennen – und das sollten sie auch.

„Hey, alles klar?“, strahlt Marcel Jaskulski in die Runde, nachdem er an der Mannschaftsbande angekommen ist. Jaskulski. An sich sind es Namen wie Lynn Powis, Ken Baird, Ray Hanske, die für die Fans einen Klang haben, die schon zu DSC-Zeiten dabei waren. Oder François Sills und Ben Doucet aus der kurzen DSV-Ära. Und auch beim EVD, der inzwischen älter ist, als es der DSC geworden ist, haben sich viele Namen ins Gedächtnis der Fans eingebrannt. Welcher das ist, hat oft etwas mit dem Alter der Fan-Generation zu tun. Frank Pribil wäre so ein Name, immerhin Duisburger Rekordspieler mit rund 500 Spielen in allen drei Vereinen – von der fünften bis zur ersten Liga.

Aber Jaskulski? Ja, Jaskulski. Was den Mann so besonders macht, das ist die achte Spielminute einer Partie am 2. Februar 1992. „War das in Brackwede? Ach, nein, in Bielefeld.“ Weit weg von den großen, wohlklingenden Orten auf der deutschen Eishockey-Landkarte. Auf einer offenen Eisbahn. Es ist der Moment in der schwärzesten Zeit des Duisburger Eishockeys, an dem Marcel Jaskulski bei den Duisburger Eishockeyfans, die sich an die neue Abkürzung ihres Vereins noch nicht so recht gewöhnt hatten, ein Fünkchen Hoffnung zum Glimmen bringt.

Am 13. Oktober 1991 hatte der DSV 87 noch ein Zweitliga-Spiel gegen Dynamo Berlin bestritten. Wenige Tage später war der Verein pleite, flog in der laufenden Saison aus der 2. Bundesliga heraus. Die Lichter waren aus. Eineinhalb Monate später wurde der Eissport-Verein Duisburg aus der Taufe gehoben. Ein Neustart in einer höheren Liga war nicht drin. Stattdessen hieß die neue Spielklasse: „Qualifikationsrunde zur Landesliga NRW“.

Dann kam die achte Minute am 2. Februar 1992. Das erste Spiel. Beim TSVE Bielefeld. „Ich weiß nur noch, dass wir 0:1 zurückgelegen und dann noch 11:1 gewonnen haben“, erinnert sich Jaskulski. In jener achten Minute zog er ab, erzielte das 1:1 und damit das erste Tor der Vereinsgeschichte. Und auch wenn der EVD viele Spielzeiten später die Deutsche Eishockey-Liga nach vier Jahren finanziell nicht mehr stemmen konnte: Kaum ein Club in Deutschland kann sich rühmen, von so weit unten bis in die höchste Spielklasse auf sportlichem Weg aufgestiegen zu sein.

Heute, fast 22 Jahre später, steht Jaskulski mit den „Alten Herren“ des EVD wieder auf dem Eis. „Es macht einfach Spaß, mit den Jungs zu quatschen, ein Bierchen zu trinken.“ Und Eishockey zu spielen. Jaskulski spielte noch bis 1993 für Duisburg, ging dann nach Schalke, wo er – mit einem halben Jahr Unterbrechung in Dinslaken – vier Jahre blieb. „Danach habe ich lange keine Eishalle mehr betreten.“ Mit 27 musste er verletzungsbedingt aufhören. „Ich habe meine Eishockeytasche in den Keller meiner Eltern gepackt und dachte: Das war’s.“ Spiele einfach nur anschauen? Das tat zu weh.

Ein anderer Pionier der frühen EVD-Geschichte ist Johannes Kehnen. Auch er spielt für die Alten Herren. Auch er hat einen ganz besonderen Meilenstein in der Vereinsgeschichte gesetzt. Das Ganze passierte am 12. April 1992 in Iserlohn. „Das war doch nicht in Iserlohn, oder?“, überlegt er. Doch. „Echt?“ Jo Kehnen setzt ein Lächeln auf. In eben jener Landesliga-Qualifikation spielten die Füchse beim ESC Iserlohn. Es stand 17:3, als er in der 55. Minute einen Rekord für die Ewigkeit aufstellte. Nach seinem Tor zum 18:3 spielte er das Bully. „Der Puck kam über die Bande und etwa von der blauen Linie habe ich abgezogen.“ Das war das 19:3 acht Sekunden nach dem vorherigen Tor. Das gleiche machte er nochmal und schon stand innerhalb von 16 Sekunden der schnellste Hattrick der Vereinsgeschichte in den Annalen. Das Spiel endete schließlich 20:4. Nach genau 100 Spielen in der ersten Mannschaft, erst beim DSV, dann beim EVD, wechselte er 1994 nach Moers, hörte kurze Zeit später ganz auf.“ Und dann? „Dann habe ich gut zehn Jahre nichts mit Eishockey zu tun gehabt. Wie Marcel habe ich seit dem dritten Lebensjahr gespielt und war einfach auf.“

Dabei ist diese Spieler-Generation bemerkenswert. Denn den Neuaufbau in der erste Saison bewerkstelligte die damalige Juniorenmannschaft. „Das war der Jahrgang 1973/74. Ich würde sagen, dass das bis heute der mit Abstand stärkste Jahrgang war“, so Jaskulski. Tatsächlich kam seither keine Nachwuchsgeneration auch nur annähernd an diese Qualität heran. Als Junioren fegte das Team – parallel zu den Partien als erste Mannschaft – die bemitleidenswerte Mannschaft aus Hennef mit 49:0 vom Eis. Mit Markus Bak, Patty Schmitz und Heinz-Gerd Albers entstammen auch drei der prägendsten Skaterhockey-Spieler Duisburgs und Deutschlands diesem Jahrgang. „Wir sind als Team seit den Bambini zu 90 Prozent zusammen geblieben und hatten mit Pattys Vater Manfred Schmitz einfach einen richtig guten Trainer“, erinnert sich Jaskulski.

Seit dieser Saison ist auch Udo „Bubi“ Scholz bei den Alten Herren des EVD. Sein Horrorunfall in einem DSV-Zweitligaspiel ist unvergessen. „Es war wohl ein Ellbogencheck, der Richtung Hals und Kopf ging“, erinnert er sich an das Foul des Hannoveraners Mark Maroste kaum noch. Scholz knallte mit dem Hinterkopf auf das Eis. „Dr. Wendt hat mir damals die Zunge aus dem Hals geholt“, so Scholz, der zudem als Folge des Fouls einen epileptischen Anfall erlitt. Dennoch machte der Mann, der heute noch in Buchholz wohnt, Eishockey-Karriere – denn als Linienrichter brachte er es bis in die DEL. „Heute pfeife ich wieder im Landesverband.“

Das heutige EVD-Alt-Herren-Team ist aus einer Hobbymannschaft, der so genannten „Dornscheidt-Truppe“ hervorgegangen. Vor eineinhalb Jahren schlossen sie sich dem EVD an. „Das war eine gute Entscheidung“, sagt Detlef Helmdach, der Vorsitzende des EVD-Stammvereins. „Mit ihren Mitgliedsbeiträgen und den Spenden, die sie gesammelt haben, sind sie so etwas wie ein spielender Sponsor. Und es ist einfach gut und richtig, die Jungs im Verein zu haben.“ Einmal die Woche geht es aufs Eis – bislang haben sie jedoch erst ein Spiel absolviert. Dabei fegten sie die Walsumer Papierteufel, eines der besten Hobbyteams der Region, mit 13:3 vom Eis.

Denn verlernt haben die Jungs nichts.

 

EURE FAVORITEN