Neuer Schwung für die „Hölle Nord“

Thomas Kristaniak
„Eisen und Stahl“: Vor dem ortstypischen Slogan haben sich das Hamborner Herren-Team und der Nachwuchs des Vereins versammelt.
„Eisen und Stahl“: Vor dem ortstypischen Slogan haben sich das Hamborner Herren-Team und der Nachwuchs des Vereins versammelt.
Foto: Tanja Pickartz
Vor dreieinhalb Jahren zog sich Hamborn 88 aus der Bundesliga zurück. Allmählich kehrt das Leben in die Halle an der Ranenbergstraße zurück.

Duisburg.  Es ist noch gar nicht so lange her, da gab es im Duisburger Norden einen Sportverein, der zur nationalen Spitze seiner Disziplin zählte und Spieler von Weltklasseformat beschäftigte. Klingt wie ein Märchen, ist aber so passiert. Vor dreieinhalb Jahren fiel für das Squash Inn Team Hamborn 88 der letzte Vorhang in der Squash-Bundesliga, wo der Klub aus der „Hölle Nord“ jahrelang um den Meistertitel mitgekämpft hatte, ohne diesen jedoch zu erringen. Internationales Spitzenpersonal wie Daryl Selby oder Tom Richards gab sich an der Ranenbergstraße die Klinke in die Hand. Das Problem war nur, dass dieser Umstand weitgehend unbemerkt blieb und letztlich nicht genug Sponsoren bereitstanden, um weiterhin die Voraussetzungen für den Spielbetrieb zu schaffen. Seit dem Rückzug aus dem Oberhaus lag der Squashsport in Hamborn mehr oder weniger am Boden; jetzt macht sich der Verein mit neuem Konzept auf, in seiner kleinen Nische wieder den Weg nach oben zu finden.

Dominic Stalberg erinnert sich noch gut an die erfolgreichen Zeiten der Hamborner Squasher. „Als der Verein in der 2. Bundesliga spielte, kamen teilweise 50, 60 Leute zu den Heimspielen und sind auch auswärts mitgefahren. Das gibt es im Squash sonst kaum. Aber nach dem Aufstieg in die 1. Bundesliga fehlte irgendwann der lokale Bezug. Da wurden dann Topstars geholt, die nur zu den Spielen anreisten und danach sofort wieder weg waren“, sagt der 34-Jährige, der heute nicht nur für das Squash Inn Team in der Verbandsliga spielt und Jugendwart des Vereins ist, sondern auch als Pächter des Sportzentrums an der Ranenbergstraße die Sache selbst in die Hand genommen hat. „Eigentlich ist Squash so gut wie tot. Wir versuchen es jetzt auf lokaler Ebene mit Jugendlichen wieder zu beleben“, so Stalberg, der 1999 als Praktikant in der „Hölle Nord“ anfing und sich dann nach und nach „hocharbeitete“. Hauptberuflich ist er als Gymnasiallehrer tätig; dann packte ihn vor einiger Zeit der Ehrgeiz, die Squash-Halle, in deren unmittelbarer Nachbarschaft er auch aufgewachsen war, wieder auf Vordermann zu bringen: „Labern können alle, habe ich mir gedacht.“

Ein einfacher Weg ist es nicht, den er sich da ausgewählt hat, aber das wusste Dominic Stalberg auch vorher. Die Umbauten innerhalb des Gebäudes sind inzwischen so gut wie abgeschlossen. „Die ganzen Sachen im 80er-Jahre-Stil sind raus“, versichert er. Geht nicht anders, denn sonst wird es schwierig, das Interesse beim jüngeren Publikum zu wecken, von dem man sich den notwendigen Zuspruch erhofft.

Eine der Ideen des neuen Pächters: die Schulen in der Umgebung ansprechen. „Viele Jugendliche kennen Squash gar nicht mehr“, hat Stalberg beobachtet. Immerhin ist er bei seiner eigenen früheren Schule auf Resonanz gestoßen, dem Abtei-Gymnasium, an dem er 2002 seine Abiturprüfung bestanden hat. Am 20. November wird es von 14 bis 17 Uhr „Oberstufen-Squash“ geben. Die Jugendlichen können Musik hören, essen und trinken, kostenlos den Schläger schwingen und sich – falls gewünscht – von den anwesenden Trainern die Handgriffe erklären lassen. Ein Anfang.

Ansonsten ist auch die Jugendarbeit des Vereins selbst reaktiviert worden, acht bis zehn Kids sind jede Woche auf den Courts am Start. Im Untergeschoss der Halle gibt es zudem Zumba-Kurse, Wirbelsäulengymnastik und Reha-Sport. Für Yoga oder ähnliche Aktivitäten wäre auch noch Platz. Reichtümer will Dominic Stalberg mit all dem nicht erzielen: „Wenn die Halle am Leben bleibt, bin ich zufrieden.“