MSV Duisburgs Trainer Gino Lettieri verteidigt seine Arbeit

Thomas Kristaniak
1860 München im Blick: Wenn der MSV am Sonntag immer noch Letzter ist, wird’s für Gino Lettieri eng. 
1860 München im Blick: Wenn der MSV am Sonntag immer noch Letzter ist, wird’s für Gino Lettieri eng. 
Foto: Funke Foto Services
Der Trainer des Zweitligisten MSV Duisburg kämpft vor dem Kellerduell bei 1860 München um seinen Job. Punkte müssen in der Partie dringend her.

Duisburg. Italienischer Fußballtrainer, Pressekonferenz, Flasche. Man kennt das Muster. Vor 17 Jahren griff Giovanni Trapattoni in einer für ihn sportlich schwierigen Phase beim FC Bayern München zu den bis heute bekannten plastischen Sprachbildern. Gino Lettieri hat es beim MSV Duisburg derzeit bekanntlich auch nicht leicht. Tabellenletzter der 2. Bundesliga, sechs Punkte, zuletzt zwei Spiele ohne eigenes Tor. Ein Trainer auf Abruf?

Der Gedanke liegt nahe. Donnerstag, kurz nach zwölf, das obligatorische Pressegespräch vor dem vermeintlichen „Schicksalsspiel“ bei 1860 München am Sonntag: Gino Lettieri greift zu einer Wasserflasche, öffnet sie, schenkt sich ein. Und sagt zu den Journalisten um ihn herum: „Dieses Glas ist halb voll, nicht halb leer. Das ist der Unterschied zwischen Eurer und meiner Version.“

Über Metaphern lässt sich ja trefflich streiten, und jene mit dem halb vollen Glas ist halt auch so eine. Hat der MSV erst die Hälfte von dem gezeigt, was die Mannschaft zu leisten imstande ist? Oder ist im Umkehrschluss die Hälfte des vorhandenen Pulvers trotz der mageren Ausbeute bereits verschossen.

Was Gino Lettieri wohl zum Ausdruck bringen wollte, ist: Die sportliche Zwischenbilanz sei kein Grund zur Schwarzmalerei. Nur zu gern verweist er auf denselben Zeitpunkt vor einem Jahr: „Hätte einer hier im Raum nach dem zwölften Spieltag der vergangenen Saison gedacht, dass wir am Ende aufsteigen? Wenn jetzt einer ,Ja’ sagt, würde ich ihm nicht glauben.“ Ist aber auch Nebensache, denn der Trainer will damit sagen, dass er eben jetzt im Gegensatz zu vielen Beobachtern innerhalb und außerhalb des Vereins daran glaubt, die Mammutaufgabe Klassenerhalt zu meistern.

Gino Lettieri kämpft um seinen Job, er gibt verbal wieder alles, verweist auf die vier errungenen Punkte aus den letzten drei Spielen bei nur einem kassierten Gegentor. Und setzt erwartungsgemäß noch obendrauf, dass der 1. FC Nürnberg, vor Wochenfrist Beteiligter an einer grausigen Nullnummer in der Schauinsland-Reisen-Arena drei Tage später im Pokal Fortuna Düsseldorf fünf Gegentreffer eingeschenkt hat, was das eigene Ergebnis gegen den Club schon wieder in ein ganz anderes Licht rücke. Ließen sich freilich Spiele bedenkenlos gegeneinander aufrechnen, hätte der MSV am 20. November demzufolge bereits einen 5:1-Sieg in Düsseldorf in der Tasche – das nur nebenbei bemerkt.

Alle sitzen in einem Boot

Mittelfeld-Grobarbeiter James Holland, der im Meidericher Presseraum neben Gino Lettieri sitzt, trägt manches bei, was dieser gern hören dürfte: dass sie alle, Spieler und Coach, in einem Boot säßen, dass die Mannschaft nicht eigens für den Trainer spielen müsse, weil sie das ohnehin jede Woche tue. Er spricht aber auch von neuem Selbstvertrauen, das 1860 München beim überraschenden 2:1-Pokalsieg in Mainz gezeigt habe: „Das ist der Effekt des neuen Trainers.“ Ein Effekt, den Lettieri in Duisburg nachvollziehbarerweise zeitnah nicht sehen möchte, weshalb er schnell von der Seite reingrätscht: „1860 hat in den letzten anderthalb Jahren fünf Trainer ausgewechselt und trotzdem einen genauso enttäuschenden Saisonstart hingelegt wie wir. Hier in Duisburg hat sich gezeigt, dass man eine Führungsetage hat, die mit viel Sachverstand arbeitet.“

Der wird vor allem dann wieder auf die Probe gestellt, wenn die Mannschaft am Sonntag wie in bisher jedem Auswärtsspiel wieder leer ausgehen sollte. Dann wäre das Glas wohl weder halb voll noch halb leer, sondern in Gänze ausgetrunken.