„Kurzfristig wollen wir hoch“

Füchse- und Kenston-Boss Sebastian Uckermann (links) und EVD-Teamchef Lance Nethery freuen sich auf den Saisonstart.
Füchse- und Kenston-Boss Sebastian Uckermann (links) und EVD-Teamchef Lance Nethery freuen sich auf den Saisonstart.
Foto: Fabian Strauch / FUNKE FotoServi
Füchse-Boss Sebastian Uckermann und EVD-Teamchef Lance Nethery sprechen im Interview über die neue Saison. Ziel bleibt die Rückkehr in die Profiligen. Erste Testspiel daheim gegen Frankfurt und Krefeld am Wochenende.

Duisburg.  Am Wochenende geht es wieder los. Das Kratzen der Kufen, das Krachen der Checks, der Jubel über Tore. Der Eishockey-Oberligist EV Duisburg bestreitet am heutigen Samstag (19.30 Uhr, Scania-Arena) das erste Testspiel gegen den Zweitligisten Löwen Frankfurt, am Sonntag folgt die Saisoneröffnungsfeier ab 14 Uhr. Um 18.30 Uhr ist schließlich der DEL-Nachbar Krefeld Pinguine zu Gast an der Wedau. Bevor es wieder aufs Eis ging, sprach die Sportredaktion mit Füchse-Boss Sebastian Uckermann und Teamchef Lance Nethery über die Vergangenheit und Zukunft der Füchse.

Das Ende der vergangenen Saison war bitter. Haben Sie den knapp verpassten Aufstieg verkraftet?

Lance Nethery: Es ist sicher nicht leicht, das letzte Finalspiel mit 0:1 zu verlieren. Da verlierst du lieber mit 0:10 als so knapp. Irgendwann verkraftet man das dann schon, aber das hat schon wehgetan. Alle haben alles gegeben. Wir waren ganz nah am Ziel.

Was hatte letztlich gefehlt? Die Erfahrung?

Lance Nethery: Ganz klar. Wir hatten weitaus die jüngste Mannschaft, aber das ist ja auch positiv. Wir haben nur mit einem Ausländer gespielt, alle anderen mit zwei. Viele junge deutsche Spieler haben Erfahrung gesammelt. Bei einem 0:1 war es dann auch nicht so viel, was gefehlt hat. Bei unserem ersten Treffen danach habe ich den Jungs gesagt: Vergesst nicht, wie ihr euch gefühlt habt, damit ihr es nächstes Jahr nicht noch einmal erlebt. Die Stimmung in der Kabine war wie bei einer Beerdigung.

Bringt das neue Team mehr Erfahrung mit?

Lance Nethery: Wir haben den einen oder anderen erfahrenen Spieler geholt. Aber wir reden hier von Leuten um die 30, nicht 38 oder 40. Unser Ziel war es, Spieler zu holen, die in der 2. Liga spielen können und es auch schon getan haben. Bitter ist natürlich, dass uns mit Manuel Neumann ein 28-jähriger Spieler in der Verteidigung fünf bis sechs Monate fehlen wird.

Heißt das, dass sie in der Verteidigung noch Handlungsbedarf sehen?

Lance Nethery: Im Moment ist es fast unmöglich, einen deutschen Verteidiger zu bekommen. Sobald Chad Niddery seinen deutschen Pass bekommen hat, besteht die Möglichkeit einen ausländischen Verteidiger zu holen. Und wir haben ja auch die Hoffnung, dass Manuel Neumann in dieser Saison noch einmal spielen kann. Mit Lukas Gärtner haben wir einen jungen Spieler als Ersatz bekommen.

Der Kader ist kleiner als bisher. Das Mannschaftsfoto war deutlich überschaubarer als zuletzt.

Lance Nethery: Wir werden versuchen, noch einen Stürmer zu verpflichten. Außerdem kommen ja auch noch die Förderlizenzspieler dazu. Hier sollte in Kürze Klarheit herrschen, um wen es sich handelt.



Sebastian Uckermann: Es ging ja auch darum, die Spieler auf dem Foto zu haben, mit denen sich die Fans zu 100 Prozent identifizieren können. Es bringt nichts, etliche Spieler auf der Website zu haben, die dann doch nicht für uns spielen. Aber der Gedanke, über 40 Spieler zu haben, war doch zuletzt eh nur ein Märchen. Wir hatten einen festen Stamm, der für uns gespielt hat. Einige junge Spieler kamen immer mal wieder dazu.

Apropos Fans: Die Füchse erklärten, über 350 Dauerkarten verkauft zu haben. Mit VIP-Tickets sind es noch einmal mehr. Die Füchse-Fans scheinen den Weg mitzugehen.

Sebastian Uckermann: Die Play-offs haben sicher eine Euphorie ausgelöst. Ich denke, die Fans haben gemerkt, dass sich hier etwas ändert. Sie spüren, dass wir mehr wollen. Ich glaube, wir werden ein tolles erstes Wochenende haben.

Lance Nethery: Wir haben jetzt auch eine interessante Liga. Nicht eine erste Runde, eine Zwischenrunde, in der man erst im Januar weiß, wie die nächsten Termine sind. Und die neue Liga ist deutlich interessanter. Bei den Dauerkartenpreisen haben wir auf eine neue Struktur gebaut. Das Saisonticket ist um 20 Prozent günstiger als die Karten im Einzelverkauf. Ich denke, dass das sehr fair ist. Auch in den Play-offs hatten wir die Preise nicht erhöht.

Sebastian Uckermann: Wir haben das „Projekt 2000“ ausgerufen. Ich denke, wir sind auf einem guten Weg.

Die Frage nach dem Ziel erübrigt sich. Der EVD will aufsteigen. Wie sehen sie die Liga und die Konkurrenten? Viele sehen im EV Landshut die größte Gefahr.

Lance Nethery: In Landshut ist im Moment sehr viel los. Wir haben August. Schauen wir erstmal auf unsere Liga. In der Oberliga Nord haben wir mit Halle, Leipzig, Tilburg, Herne und Neuwied starke Gegner das wird kein Selbstläufer – so wie es bei Teams wie Regensburg und Selb auch für Landshut kein Selbstläufer wird. Das werden enge und spannende Spiele.

Mit Raphael Joly wurde die zweite Ausländerposition erst recht spät besetzt – mit einem alten Bekannten. Wie kam die Entscheidung zustande?

Lance Nethery: Wir haben lange gewartet und überlegt, ob wir einen Verteidiger holen. Dann haben wir Yannis Walch bekommen. Danach haben wir Raphael kontaktiert. Und das zu einem Zeitpunkt, als ihm andere Angebote akut vorlagen. Er hat sofort gesagt, dass er wieder für uns spielen will. Man muss ganz klar sagen, dass er über die vergangene Saison immer besser geworden ist. Gegen Regensburg war Raphael super. Was viele nicht wissen: Er hat gegen Freiburg aufgrund einer Schulterverletzung nur mit Spritzen spielen können, hat dennoch mit vollem Einsatz gespielt.

Sebastian Uckermann: . . . und er hat in Spiel vier das 4:3 trotz dieser Verletzung bemerkenswert gut vorbereitet.

Lance Nethery: Er hat einen guten Charakter. Er ist aktuell fitter als in der vergangenen Saison, wir wissen, was wir an ihm haben, er passt – was sehr wichtig ist – in unsere Preispolitik. Und ich bin mir sicher: Er wird noch besser.

Man sollte stets über die aktuelle Saison hinausblicken. Wie sieht die mittelfristige Planung bei den Füchsen aus?

Sebastian Uckermann: Kurzfristig wollen wir hoch in die DEL2. Wir sprechen von Sport. Das kann nicht am Reißbrett geplant werden – aber wir wollen hoch.

Lance Nethery: Diesmal werden wir nicht bis zum letzten Tag warten, wenn wir sehen, dass wir uns verstärken müssen.

Sebastian Uckermann: Wir haben noch Platz im Kader. Mittelfristig müssen wir sehen, dass aktuell sportlich kein Weg von der DEL2 in die DEL führt. Aber die Fans wollen den Auf- und den Abstieg. Im Zweifel wollen sie auch den Abstiegskampf. Und kann ich nur sagen, dass wir mittelfristig schon gerne wieder in der DEL spielen wollen. Einigen sich die DEL1 und DEL2 auf eine Aufstiegsregelung, wäre das der Weg. Sonst müsste man sehen, ob irgendwann eine Lizenz zu erwerben ist. Erstmal müssen wir aber in die DEL2. Ohne DEL2 müssen wir nicht über die DEL1 nachdenken. Unsere Bereitschaft, nicht nachzurücken, wenn es Heilbronn nicht getan hätte, hatte mit dem Zeitpunkt zu tun. Im Juli kann man das nicht seriös planen, wenn die Struktur bereits steht. Wenn wir in die DEL2 hochgehen, müssen wir sicher auch die Trikotbrust vermarkten. Wenn die multifunktionelle Hallennutzung gegeben ist, entstehen weitere Vermarkungschancen. Aber auch aktuell ist die Brust nicht leer: Da stehen Kenston und Ralf Pape.

 
 

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