Jumbo Günter Siebert und die alten Zeiten

Billard-Altmeister Günter Siebert ist zur BSG Duisburg zurückgekehrt. Foto: Kerstin Bögeholz / WAZ FotoPool
Billard-Altmeister Günter Siebert ist zur BSG Duisburg zurückgekehrt. Foto: Kerstin Bögeholz / WAZ FotoPool
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Duisburg.. Billard-Altmeister Günter Siebert (69) spielt wieder für die BSG Duisburg. Am Samstag ist er gegen die Bottroper BA II im Einsatz.

Der Fernseher im Wohnzimmer war noch ein Schwarz-Weiß-Gerät. Kommentator war Addi Furler, der das Duell zwischen Günter Siebert und Dieter Müller dem geneigten Zuschauer näherbrachte. Nein – da traf nicht der Schalker Präsident auf den Torjäger des 1. FC Köln. Da standen sich in den 70ern zwei Größen der deutschen Billard-Szene gegenüber. Müller, der Mann mit dem schwarzen Handschuh, hat das Queue längst weggelegt. Siebert, mittlerweile 69, steht immer noch am Tisch.

Ab heute wieder in Duisburg. Siebert ist zur BSG zurückgekehrt. Nur zweite Mannschaft, nur zweite Dreiband-Bundesliga. Aber der „Jumbo“, wie ihn wohl der frühere Duisburger Vereinschef Klaus-Hermann Posth getauft hat – 100-prozentig sicher ist sich Siebert da nicht – ist wieder da. Erstliga-Spieler Dieter Großjung überredete den Altmeister zu einer Rückkehr, nachdem dessen letzter Klub Goch abgestiegen war.

Den Tisch verkauft

Jeden Mittwoch trainiert Siebert im BSG-Vereinsheim in Neuenkamp, in der Liga spielt der zigfache Deutsche Meister und auch international hochdekorierte Mann an erster Position. Kein leichter Job gegen die junge Garde. „Vielleicht gewinne ich ja 40 Prozent der Partien“, sagt Siebert, der nicht Großjung sieht, der im Hintergrund die Hand hebt: 50 Prozent könnten es schon werden. Aber in seinem Haus in Ahaus, einer umgebauten Kneipe, kann er nicht mehr trainieren. Den eigenen Tisch hat er vor zwei Jahren verkauft: „Ich wollte umbauen. Da war dann kein Platz mehr dafür.“

Siebert trifft in der Liga nun auf Spieler, die seine Enkel sein könnten. Eine Generation, mit der er sich nur schwer anfreunden kann. Ist es der generelle Generationenkonflikt, oder war wirklich früher alles besser, als die Liga noch in Kneipenkellern und Hinterhöfen zu Hause war? „Die Topspieler bringen Spitzenleistungen. Aber ihnen fehlt die Ausstrahlung“, sagt der frühere Kneipier. Auch Sieberts Held heißt Raymond Ceulemans, die Billard-Legende, die nach eigenen Angaben an der Kugel spüren konnte, ob es am nächsten Tag regnen würde. „Wenn er in den Saal kam, haben alle dem Atem angehalten. So etwas gibt es nicht mehr“, erinnert sich Siebert, der stolz ist, den Belgier einige Male geschlagen zu haben. „Wir telefonieren häufig“, lässt Siebert den Kontakt nicht abreißen.

Der Show-Man

Auf die großen Namen wird der Jumbo in der 2. Bundesliga nicht treffen. Aber er wird zumindest die alten Zeiten noch einmal aufleben lassen. Allerdings ist auch er ruhiger geworden. „Ich war früher der Show-Man, habe bei den Spielzügen extra weit ausgeholt, dann haben die Leute den Jumbo gefeiert“, sagt Siebert, dessen Augen dabei strahlen.

Günter Siebert bedauert, dass der Billardsport seiner Meinung nach an Bedeutung verloren hat. „Das Fernsehen wollte damals nachts unsere Spiele zeigen. Der Verband wollte das nicht. Eine klassische Fehlentscheidung.“ Die Idee dazu hatte damals übrigens Addi Furler.

Sowohl die Erstliga- als auch die Zweitliga-Mannschaft der BSG Duisburg spielen am Samstag ab 14 Uhr an der Essenberger Straße gegen die Bottroper BA.

 
 

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