Jennifer Oster hört beim MSV auf

Einer ihrer größten Momente: Nach dem 7:0 über Turbine Potsdam feierte Jennifer Oster (links) mit Annemieke Kiesel (Mitte) und Marith Prießen 2009 den Gewinn des DFB-Pokals beim letzten Finale in Berlin.
Einer ihrer größten Momente: Nach dem 7:0 über Turbine Potsdam feierte Jennifer Oster (links) mit Annemieke Kiesel (Mitte) und Marith Prießen 2009 den Gewinn des DFB-Pokals beim letzten Finale in Berlin.
Foto: NRZ
Die langjährige Duisburger Führungsspielerin beendet ihre Laufbahn und gibt dem Beruf den Vorzug. Einige andere Leistungsträgerinnen haben verlängert.

Duisburg..  Der Abschied fällt ihr nicht leicht. „Das war doch ein großer Teil meines Lebens“, sagt Jennifer Oster und meint damit die Zeit, die sie als Fußballerin in Duisburg zugebracht hat. Erst lange beim FCR, dann zuletzt beim MSV. Doch jetzt ist Schluss. Mit erst 29 Jahren beendet die Frau von der rechten Außenbahn ihre so erfolgreiche Laufbahn, um sich auf ihren Beruf als Physiotherapeutin zu konzentrieren. Den Weg in die Zweitklassigkeit müssen die Zebra-Kickerinnen ohne ihre ehemalige Kapitänin antreten.

„Ich weiß, dass ich damit vielleicht einige Fans enttäusche. Aber für mich ist es einfach das Beste“, erklärt Jennifer Oster. Denn klar ist: Vom Frauenfußball lässt sich nicht leben – und ihre eigentliche Profession musste hinter dem Quasi-Hobby stets zurückstehen. „Die Fortbildungen, die man als Physiotherapeutin benötigt, finden immer am Wochenende statt. Und da hatte ich halt nie Zeit“, so Oster. Sie räumt ein, dass ihr der Entschluss nach dem verpassten Klassenerhalt in der Bundesliga schon etwas leichter gefallen sei: „Aber ich hatte schon vor Monaten mit den Verantwortlichen im Verein darüber gesprochen.“

Jennifer Osters Name ist mit den größten Erfolgen des FCR 2001 verbunden. Bei den DFB-Pokalsiegen 2009 und 2010 stand sie ebenso auf dem Platz wie beim Triumph im UEFA Women’s Cup gegen Swesda Perm 2009. Als danach das personelle Gerüst auseinanderfiel, blieb sie als einzige Spielerin aus jener großen Mannschaft dem FCR treu. „Jeder weiß, dass mir immer eine Menge an dem Verein gelegen hat“, sagt sie. Folgerichtig hatte „Osti“ auch das Kapitänsamt inne, bis die neue Trainerin Inka Grings die Binde vor Jahresfrist an Lucie Vonkova weiterreichte.

Der größte Moment im FCR-Trikot war auch der letzte: Jenes Spiel in München im November 2013, als dem Frauenfußball in Duisburg das sofortige Aus drohte. „Es gab sogar Überlegungen, ob wir überhaupt noch dorthin fahren sollen“, erinnert sie sich zurück. Sie taten es – und siegten mit 1:0 durch ein Oster-Tor. „Das war unwahrscheinlich emotional. Und vermutlich durch dieses Spiel ist es dann mit dem Wechsel zum MSV doch noch weitergegangen.“

Als Zuschauerin will Jennifer Oster gern demnächst an der Mündelheimer Straße vorbeischauen: „Das wird kein einfaches Jahr, der ganze Frauenfußball-Bereich muss wieder stabilisiert werden. Jede Spielerin, die bleibt, ist Gold wert.“ In dieser Hinsicht sieht es für den MSV gar nicht mal schlecht aus, denn ein eindeutig zweitligataugliches Gerüst mit den Torhüterinnen Meike Kämper und Sarah Deinert sowie den Feldspielerinnen Sofia Nati, Lara Heß, Rahel Kiwic, Carmen Pulver, Isabel Schenk, Alice Hellfeier, Elena Hauer, Laura Neboli und Steffi Weichelt steht nun bereits fest. „Eine Rahel Kiwic beispielsweise hätte auch andere Möglichkeiten gehabt“, freut sich Oster, dass die Schweizer WM-Fahrerin auch nach dem Abstieg ihre Zusage gegeben hat. Kristina Sundov, Dolores Silva (nach Jena), Lucie Vonkova, Emilie Fillion, Virginia Kirchberger (nach Köln) und Gurbet Kalkan sind sichere Abgänge. Unklar ist noch der Verbleib von Marina Himmighofen, Laura Luis und Carole Costa.

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