Der MSV Duisburg pendelt zwischen Lizenz und Insolvenz

Thomas Tartemann und Dirk Retzlaff
Endspurt beim Kampf um die Lizenz: Vorstandsvorsitzender Ingo Wald (Mitte), Verwaltungsratschef Markus J. Räuber (links) und Geschäftsführer Peter Mohnhaupt präsentieren das neue Konzept für Businesskunden, Sponsoren und Fans.
Endspurt beim Kampf um die Lizenz: Vorstandsvorsitzender Ingo Wald (Mitte), Verwaltungsratschef Markus J. Räuber (links) und Geschäftsführer Peter Mohnhaupt präsentieren das neue Konzept für Businesskunden, Sponsoren und Fans.
Foto: WAZ/FotoPool
Eine MSV-Delegation versucht, mit dem DFB die offenen Fragen im Rahmen der Lizenzierung zu erörtern. „Wir merken da keine Spielräume. Es wird streng nach Regularien gearbeitet“, hat Verwaltungsratschef Markus J. Räuber festgestellt.

Duisburg. Die Chefetage des Fußball-Drittligisten MSV Duisburg setzt 20 Tage vor der Lizenzierungs-Deadline auf Offensivtaktik. „Wir müssen nicht groß herumreden. Wenn wir die Lizenz nicht kriegen, dann werden wir Insolvenzantrag stellen müssen“, so Vorstandsvorsitzender Ingo Wald. Doch mit geballter Faust schiebt der Nachfolger von Udo Kirmse nach: „Dafür sind wir hier alle nicht angetreten.“

Am Donnerstag haben die Duisburger einen Gesprächstermin in Frankfurt. Der DFB prüft die Wirtschaftlichkeit der Klubs nach wie vor mit Argusaugen. „Wir merken da keine Spielräume. Es wird streng nach Regularien gearbeitet“, hat Verwaltungsratschef Markus J. Räuber festgestellt. Beim Austausch am Main wird die MSV-Delegation von Dr. Utz Brömmekamp begleitet. Brömmekamp vertritt die Stadionprojektgesellschaft. „Er ist als Vermieter Teil unserer Lösung“, erklärt Geschäftsführer Peter Mohnhaupt. Erst zu Beginn der nächsten Woche rechnen die Verantwortlichen mit einer Rückmeldung aus Frankfurt.

An der Lizenzerteilung hängen Wohl und Wehe des Vereins. Nur im Falle der Starterlaubnis für die 3. Liga können sowohl der Schuldenschnitt als auch die Stadionfrage zu einem positiven Abschluss gebracht werden. „Es gibt diese eine logische Sekunde – und das ist die Lizenzerteilung. Den Kraftakt Lückenschluss wollen wir bestmöglich aus eigenen Mitteln stemmen“, so Mohnhaupt.

Gutendorf dient als PR-Lok

Aktuell laufen Gespräche mit neuen Sponsoren, dazu kämpft der Klub um seine Bestandspartner und solche, die im Laufe der letzten Jahre verloren gegangen sind. Dazu sollen neue Konzepte für finanziellen Zuwachs und Schwung sorgen. „Wir sind auf der einen Seite Bittsteller, wollen andererseits aber auch etwas Konkretes anbieten“, erläutert der Geschäftsführer.

Neben dem neuen Logenkonzept, das mit einer höherwertigen Ausstattung „für gute Geschäfte an Rhein und Ruhr“ stehen soll, werden auch die Partnerpakete neu benannt. Unter dem Namen „Rudis Riegel“ wird die ehemalige MSV-Trainerlegende Rudi Gutendorf als PR-Lok eingesetzt. „Ich habe mit Herrn Gutendorf telefoniert, er hat sofort sein Okay dafür gegeben“, freut sich Mohnhaupt, der „mehr Leidenschaft, mehr Duisburg“ in den Verein bringen will.

Neue Wege bestreitet der MSV auch in der Fankurve. Dort sollen die bunten Sponsorenfahnen vor dem Eingang zur Nordtribüne weiß-blauen Fahnen weichen, auf denen alle Anhänger verewigt werden, die einen „Generationenvertrag“ abschließen. Für 1902 Euro können MSV-Fans einen Stehplatz für 25 Jahre erwerben. Mohnhaupt: „Die Tickets sind umgerechnet etwa 40 Prozent rabattiert. Auf lange Sicht ist das ein Vorteil.“ Zur Saison 2014/2015 erhöht der MSV seine Ticketpreise. „In moderatem Rahmen“, wie Mohnhaupt findet.

MSV sendet deutliche Signale an die Konkurrenz

Parallel zum Kampf um die Lizenz und dem Umsetzen neuer Konzepte senden die Meidericher deutliche Signale an die Konkurrenz aus. In der kommenden Spielzeit will der MSV unbedingt zurück in die 2. Fußball-Bundesliga. „Dazu werden wir den Spieleretat um 40 Prozent erhöhen“, kündigt Wald an. Umgerechnet starten die Zebras dann mit einem Finanzvolumen von rund 4,2 Millionen Euro.

„Den Aufstieg kann man nicht erkaufen, aber die Chance wird sicherlich steigen“, glaubt Wald, der im Moment noch andere Sorgen hat. Nach einem Routineeingriff am Hals muss sich der Klubchef in Kürze einer weiteren Operation unterziehen. „Es kann sein, dass ich in der Endphase der Lizenzierung nicht immer da sein werde“, so Wald.