Das Ende einer Erfolgsgeschichte

Sie nehmen mit dem FCR die letzte Bundesliga-Saison in Angriff: (hinten von links) Barbara Müller, Dolores Silva, Laura Neboli, Marina Himmighofen, Carole da Silva Costa, Lieke Martens, Jackie Groenen, Daria Streng, Julia Debitzki, Sarah Schmitz; (Mitte von links) Torwarttrainer Andreas Kontra, Trainer Sven Kahlert, Co-Trainerin Annemieke Kiesel, Gülhiye Cengiz, Elena Hauer, Lucie Vonkova, Alice Hellfeier, Physiotherapeutin Iris Wynk, Teamarzt Claus Petsch, Maskottchen Löwinha; (vorn von links) Isabel Schenk, Laura Luís, Stefanie Weichelt, Vanessa Wahlen, Meike Kämper, Stina Lykke Petersen, Chiara Kirstein, Sofia Nati, Jennifer Oster, Gurbet Kalkan, Satomi Shibata.
Sie nehmen mit dem FCR die letzte Bundesliga-Saison in Angriff: (hinten von links) Barbara Müller, Dolores Silva, Laura Neboli, Marina Himmighofen, Carole da Silva Costa, Lieke Martens, Jackie Groenen, Daria Streng, Julia Debitzki, Sarah Schmitz; (Mitte von links) Torwarttrainer Andreas Kontra, Trainer Sven Kahlert, Co-Trainerin Annemieke Kiesel, Gülhiye Cengiz, Elena Hauer, Lucie Vonkova, Alice Hellfeier, Physiotherapeutin Iris Wynk, Teamarzt Claus Petsch, Maskottchen Löwinha; (vorn von links) Isabel Schenk, Laura Luís, Stefanie Weichelt, Vanessa Wahlen, Meike Kämper, Stina Lykke Petersen, Chiara Kirstein, Sofia Nati, Jennifer Oster, Gurbet Kalkan, Satomi Shibata.
Foto: WAZ FotoPool

Duisburg..  Am Sonntag beginnt eine Bundesligasaison, nach der es den FCR nicht mehr geben wird.

Am 15. August 1993 hat alles angefangen. Damals, vor fast genau 20 Jahren, bestritt ein Verein namens FC Rumeln-Kaldenhausen, gerade als Meister der Regionalliga West aufgestiegen, sein erstes Punktspiel in der Frauenfußball-Bundesliga. Gegen den Lokalrivalen von der anderen Rheinseite, den KBC Duisburg – ausgerechnet. Gespielt wurde am Waldborn, der Trainer hieß Peter Sellin, und das Spiel endete 1:0. Am Ende stieg der langjährige Branchenführer aus Kaßlerfeld sang- und klanglos ab, der Neuling rettete sich als Tabellenachter in der damals noch zweigleisigen Bundesliga. Es war der Beginn einer langen Erfolgsgeschichte – einer Geschichte, die im Verlauf der nun beginnenden Saison enden wird. Dann hört der FCR 2001 Duisburg auf zu existieren.

Ob es ein komisches Gefühl sei, zu wissen, dass es den Verein heute in einem Jahr nicht mehr geben werde? Sven Kahlert, Trainer und Sportlicher Leiter des FCR, überlegt kurz: „Vielleicht schon, aber ich weiß ja auch, dass es die Mannschaft weiter geben wird.“ Dieser feine Unterschied ist natürlich wichtig, denn die praktisch nicht mehr abzuwendende Insolvenz wird zwar zur Löschung des FCR aus dem Vereinsregister führen, doch der hochklassige Frauenfußball in Duisburg soll mithilfe einer Übertragung der Spielrechte auf einen anderen Verein weiterleben. Ob dies nun der VfB Homberg sein wird, in dessen PCC-Stadion der FCR seit 2003 seine Heimspiele austrägt, oder doch der MSV, worauf im Moment mehr hindeutet, wird sich in der kommenden Wochen und Monaten weisen.

Für die Mitglieder, die viel Herzblut in ihren Klub gesteckt haben, wird dies so oder so eine schmerzhafte Angelegenheit sein; Sven Kahlert dagegen muss diesen Begleitumstand ausblenden. Sein Fokus liegt nachvollziehbarerweise auf dem sportlichen Aspekt – und dieser ist logischerweise höchst wichtig, denn nur bei einem Verbleib in der 1. Bundesliga dürfte es auch weiterhin genügend finanzkräftige Unterstützung für hochklassigen Frauenfußball innerhalb der Stadtgrenzen geben.

Hinter dem FCR liegt eine in weiten Teilen verkorkste Saison: erst der Verlust sämtlicher Nationalspielerinnen, dann das krankheitsbedingte Ausscheiden von Trainer Marco Ketelaer nach wochenlanger Ungewissheit, die Phase mit Interimstrainerin Petra Hauser, die an der Ergebniskrise nichts ändern konnte, zumal in dieser Zeit auch noch die Nachricht von der drohenden Zahlungsunfähigkeit verbreitet wurde. Als Sven Kahlert Anfang März das Ruder übernahm, drohte noch ernsthaft der Absturz in die Zweitklassigkeit – dann wäre das Aus für den FCR schon vorzeitig besiegelt gewesen. Mit seiner ganzen Routine brachte der ehemalige Coach des 1. FFC Frankfurt das aus rein qualitativer Sicht locker erstligataugliche Team wieder auf sicheren Grund.

21 Punkte sollten reichen

Den nächsten Schlag setzte es im Sommer, kurz nach der finanziellen Rettung: Mandy Islacker, mit Abstand herausragende Torjägerin, drängte auf die Freigabe und wechselte zu Aufsteiger BV Cloppenburg. Dies ist sicher ein Grund, warum der FCR bisweilen als Abstiegskandidat gehandelt wird. Sven Kahlert will davon nichts wissen: „Wir wollen uns von Anfang an aus dem Abstiegskampf raushalten und ich bin auch zuversichtlich, dass wir das schaffen.“ Seine Rechnung: „21 Punkte sollten reichen, das sind sieben Siege.“ Genau die Zahl also, die der FCR in der vergangenen Spielzeit auf dem Konto hatte.

Außer Mandy Islacker ging keine Stammspielerin verloren. Ihren Platz im Kader hat Lucie Vonkova eingenommen, die Mittelstürmerin der tschechischen Nationalmannschaft. „Sie ist natürlich ein ganz anderer Typ als Mandy, weil sie viel mehr nach hinten mitarbeitet. Dadurch sind wir jetzt auch unberechenbarer.“ Neben Vonkova dürfte auch die aus Essen gekommene Carole da Silva Costa ihren Platz in der Innenverteidigung sicher haben.

Und im Tor? Mit Stina Lykke Petersen wurde eine Keeperin geholt, die gerade noch für Dänemark bei der Europameisterschaft spielte und dort das Halbfinale erreichte. Einen Freifahrtschein will Sven Kahlert der 27-Jährigen aber nicht ausstellen: „Meike Kämper hat ihre Sache ja bislang gut gemacht.“

Sorgen bereitet im Moment nur das Mittelfeld, wo Gülhiye Cengiz nach ihrem Kreuzbandriss noch monatelang ausfällt. Auch Jackie Groenen wird noch einige Zeit brauchen, bis sie wieder fit ist. Und da auch Neuzugang Sofia Nati noch pausieren muss, ist Sven Kahlert in den ersten Partien zum Improvisieren gezwungen.

 
 

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