Beinahe Meister

Vor 100 Jahren wurde der Duisburger Spielverein Deutscher Fußball-Vizemeister: Sebastian Quatram, Heinz Ludewig, Willi Schütten, Kornelius Büscher, Hermann Klinkers, Heinrich Fischer, Otto Bruckschen, Adam Schäfer, Walter Fischer, Hermann Steinhauer, Anton Bongartz.
Vor 100 Jahren wurde der Duisburger Spielverein Deutscher Fußball-Vizemeister: Sebastian Quatram, Heinz Ludewig, Willi Schütten, Kornelius Büscher, Hermann Klinkers, Heinrich Fischer, Otto Bruckschen, Adam Schäfer, Walter Fischer, Hermann Steinhauer, Anton Bongartz.
Foto: NRZ

Duisburg..  Vor gut 100 Jahren, am 11. Mai 1913, stand der Duisburger Spielverein im Finale um die Deutsche Fußball-Meisterschaft – musste sich aber dem VfB Leipzig geschlagen geben.

Es regnete. Nein. Es goss. Gut 40 Jahre später hätten Fußballfans wohl von Fritz-Walter-Wetter gesprochen. Das war aber noch ferne Zukunft, als die Kicker des Duisburger Spielvereins den Rasen des Münchner Stadions an der Marbachstraße in Sendling betraten. Sie waren dabei Geschichte zu schreiben – zumindest aus Sicht der Vereine aus dem Rheinland oder dem Ruhrgebiet. Noch nie hatte eine Mannschaft aus dem Westen im Endspiel um die Deutsche Fußball-Meisterschaft gestanden. Bis zum 11. Mai 1913. Doch nicht Borussia Dortmund spielte damals in München um den Meisterpokal, nicht Schalke 04 – noch nicht einmal der MSV Duisburg. Es war der Duisburger Spielverein.

Umstrittener Handelfmeter

Die Schwarz-Weiß-Aufnahmen verraten es nicht, aber die Trikots der Duisburger waren weinrot, doch als Glücksbringer taugten sich an jenem regnerischen Tag im Mai vor 100 Jahren nicht. Neun Minuten waren gegen den VfB Leipzig, der bis dahin schon zweimal Deutscher Meister geworden war, gespielt, da entschied Schiedsrichter Robert Knab auf Handelfmeter für die Sachsen. Aus Sicht der Duisburger damals eine krasse Fehlentscheidung. Das störte Eduard Pendorf freilich nicht – er donnerte den Ball ins Netz. Von diesem frühen Schock erholte sich das Duisburger Team nicht mehr. Sechs Minuten später erhöhte Paul Pömpner bereits auf 2:0. Und nach einer Stunde fälschte Kornelius Büscher einen VfB-Schuss zum 0:3 ins eigene Netz ab. Doch aufgeben wollten die Männer vom Spielverein nicht. Sie rannten, kämpften auf dem tiefen, regennassen Boden, was das Zeug hielt. Und tatsächlich verkürzte Heinrich Fischer in der 75. Minute auf 1:3. Doch obwohl die Duisburger ihren Sturmlauf fortsetzten – die Leipziger holten sich vor 5000 Zuschauern ihre dritte Deutsche Meisterschaft. Für den Duisburger Spielverein bleibt der Erfolg des Jahres 1913 der größte in ihrer Vereinsgeschichte.

In diesem Jahr hatte sich der Spielverein die Westdeutsche Meisterschaft, die der Verein insgesamt zehnmal gewann, souverän gesichert. In der Vorbereitung auf die Endrunde fertigte der Duisburger Spielverein den Nachbarn Hamborn 07 mit 13:0 ab. In dem Duisburger Team steckte eine Menge Klasse – so lief Walter Fischer im März mit der deutschen Nationalmannschaft gegen England auf. Das Team von der Insel gewann allerdings 3:0. Zu Ostern empfingen die Duisburger Shepherd’s Bush aus London und erreichten ein 3:3. Ende April ging es dann in der Endrunde los. In Frankfurt gewannen die Duisburger am 20. April ihr Viertelfinalspiel mit 2:1 gegen die Stuttgarter Kickers, eine Woche später folgte in Essen ebenfalls ein 2:1-Erfolg im Halbfinale gegen Holstein Kiel. Bevor das Finale anstand, empfing der DSV am Grunewald die englischen Berufsspieler von den Bolton Wanderers und mussten sich mit 1:5 geschlagen geben. Was die Duisburger drauf hatten, bewiesen sie am 8. Juni im Finale um den Kronprinzenpokal, dem damaligen Länderpokal, den Westdeutschland gegen Berlin mit 5:3 gewann. Fünf DSV-Spieler waren dabei – und Heinrich Fischer traf dreimal. Gespielt wurde in Berlin im neuen „Deutschen Stadion“, wo 1916 die Olympischen Spiele hätten stattfinden sollen.

Ludewig wurde Schalker Trainer

Heinz Ludewig aus der Vizemeistermannschaft von 1913 wurde zwölf Jahre später Trainer des FC Schalke 04 und führte die Knappen 1927 erstmals in die Endrunde um die Deutschen Meisterschaft.

Der Duisburger Spielverein fusionierte 1964 mit TuS Duisburg 48/99 zu Eintracht Duisburg. Einige Mäzene, die mit dem Zusammenschluss nicht einverstanden waren, wandten sich daraufhin dem damaligen Duisburger SC 1900 zu – unter einer Bedingung: Der Verein solle sich in Duisburger SV 1900 umbenennen, was 1969 bekanntlich auch geschah.

 
 

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