Beim Mauerfall im Mannschaftsbus

Acht Jahre lang spielte Ron Noack für den EVD – und wurde zum Rekordspieler der Füchse.
Acht Jahre lang spielte Ron Noack für den EVD – und wurde zum Rekordspieler der Füchse.
Foto: FUNKE Foto Services
25 Jahre Deutsche Einheit: EVD-Rekordspieler Ron Noack war schon 1989 in Duisburg – mit Dynamo Weißwasser. „Ich bin zu 99 Prozent Duisburger. Ein Prozent bleibt in Weißwasser.“

Duisburg.  Immer wenn Ron Noack am Restaurant Mediteran auf der Wallstraße vorbeiläuft, muss er schmunzeln. Am 22. Dezember 1989, wenige Wochen nach dem Mauerfall, hatte der damals 20-Jährige mit Dynamo Weißwasser ein Freundschaftsspiel beim damaligen Eishockey-Zweitligisten Duisburger SV 87 bestritten, das der 25-fache DDR-Meister mit 4:2 gewann. „Nach dem Spiel“, erinnert sich Noack, „haben wir im Restaurant Mediteran gegessen.“ Nun – 25 Jahre nach der Wiedervereinigung Deutschlands – betreibt der 46-Jährige das „House of Cigars“. Auf der Wallstraße. Schräg gegenüber. Zwischen 1993 bis 2001 wurde Noack mit 394 Einsätzen zum Rekordspieler des EV Duisburg. „Wenn mir das damals jemand gesagt hätte . . .“

Am 2. Januar 1969 wurde Ron Noack in Bad Muskau, einem Nachbarort von Weißwasser, geboren. „Ich habe bei Dynamo das Schlittschuhlaufen und das Eishockeyspielen gelernt. Das hat wohl auch mit meiner Familie zu tun“, sagt Ron Noack. Sein Vater Rüdiger ist heute Sportlicher Leiter bei den Krefeld Pinguinen in der DEL. Mit Dynamo Weißwasser wurde Rüdiger Noack zwölfmal DDR-Meister als Spieler, dreimal als Trainer, nahm an zwölf Weltmeisterschaften teil. „Allerdings war er nie mein Trainer“, berichtet Ron Noack.

Mit der Schwester über die Grenze

Eishockey war und ist in Weißwasser eine große Sache. „Sehr groß“, betont Noack. 12 000 Zuschauer kamen zu den Spielen -- und das, obwohl seit 1970 Dynamo Berlin der einzige Gegner war. „Als Jungs waren wir immer da und haben die Spiele gesehen.“ 1989/90 gehörte Ron Noack zu Dynamos erster Mannschaft. Am 9. November 1989, dem Tag des Mauerfalls, waren die Weißwasseraner gerade auf der Rückfahrt. „Wir hatten in Berlin gewonnen und hörten in unserem Ikarus-Bus, dass die Mauer offen sei“, erinnert sich Noack wie heute. „Geglaubt haben wir das erst, als wir es zu Hause im Fernsehen gesehen haben.“ Seine Schwester lebte damals in Ost-Berlin. „Ich bin sofort wieder nach Berlin gefahren und wir sind über den Grenzübergang Friedrichstraße in den Westen gegangen.“ Der erste Eindruck? „Alles war bunt, die Angebote riesig. Es waren unglaublich viele Ost-Berliner in West-Berlin.“ Die Geschichte begleitet ihn. „Ich schaue immer noch gerne die Dokus über Mauerbau und Mauerfall und habe Tränen in den Augen. Dass diese Revolution friedlich geblieben ist, ist ein Wunder. Aber wahrscheinlich liegt es daran, dass die Deutschen eben doch intelligent sind.“

1990/91 hat er für den PEV Weißwasser in der gesamtdeutschen Bundesliga gespielt, wechselte aber nach einigen Spielen zum SV Bayreuth. „Ich hatte die Möglichkeit, bei einem der Sponsoren, den Helsa-Werken, meine Ausbildung zum Industriekaufmann zu machen.“ Pünktlich zur Pleite des Bayreuther Vereins war er fertig. Danach hatte er Angebote aus Duisburg, Essen und Hamburg. „Dieter Jansen, der EVD-Vorsitzende, war damals mit meiner Schwester Constanze, die heute in Kanada lebt, liiert. Er rief mich an und sagte, dass er es mir übel nehmen würde, wenn ich nicht nach Duisburg komme“, lacht Noack. So kam er. Und hat es nie bereut. „Heute bin ich zu 99 Prozent Duisburger. Ein Prozent bleibt in Weißwasser.“ Die schönsten Erinnerungen: „Die Saison mit den vielen Finnen. Tero Toivola, Sami Leinonen, Tommi Leistola, Jouni Tuominen. Damals war Jiri Kochta unser Trainer – das war das beste Training, das ich je hatte.“ Noch heute geht er, wenn es passt, zum Eishockey. Zum Vater nach Krefeld. Oder zum EVD, wo sein Sohn Louis (4) in die Laufschule geht. In seinem House of Cigars, dass er mit Jansen gegründet hat und seit 2006 alleine betreibt, spielt er abends mit Louis Eishockey. Ron Noack lacht: „Mal sehen, wie lange das noch gutgeht.“

INFO: Ron Noack, der Rekordfuchs

Ron Noack ist der Rekordspieler des EV Duisburg. 394 Mal lief er für die Füchse auf, traf dabei 104 Mal und bereitete 143 Tore vor. In der Gesamt-Eishockeygeschichte Duisburgs (einschließlich DSC und DSV) seit 1971 gibt es nur drei Spieler, die mehr Spiele für die erste Mannschaft absolviert haben: Stephan Philipp (507; davon keines für den EVD), Frank Pribil (490; davon 385 für den EVD) und Ralf Hoffmann (428; davon 80 für den EVD).

 
 

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