Wie Dobrowolski mit Fortuna Düsseldorf aus der Bundesliga abstieg

Der damals wohl technisch beste Fortune: Igor Dobrowolski.
Der damals wohl technisch beste Fortune: Igor Dobrowolski.
Beim letzten Bundesliga-Kick am 31. Mai 1997 glich Igor Dobrowolski gegen den HSV eine Jähnig-Führung zum 1:1 aus. Der technisch sicher beste Fortune konnte es aber nicht verhindern, dass die Zeit in der Bundesliga ein Ende fand. Von Fortuna-mania war Düsseldorf weit entfernt. Teil eins der Fortuna-Serie "Einmal Oberliga und zurück" führt zurück ins Jahr 1997.

Düsseldorf.. Es scheint schon eine halbe Ewigkeit her zu sein, als die Fortuna in rot-weiß gestreifen Trikots spielte, in denen sowohl der Stadt- als auch der Vereinsname vertikal verewigt worden war. Der damalige Starspieler Igor Dobrowolski hatte gar eine eigene Kolumne. Die „Sport-Bild“ titelte jeden Mittwoch „Neues von Dobrowolski“. Zu den Anekdötchen zählte unter anderem, wie der Russe seinen überdimensionierten Pelzmantel spazieren trug. Das wirkte bei 25 Grad Celsius selbst auf der Königsallee so deplatziert wie Nasebohren beim Empfang der Queen. Ein Sketch, den Rowan Atkinson als britischer Schlautrottel Mister Bean übrigens schon sechs Jahre zuvor erfunden hatte.

15 Jahre Bundesliga-Abstinenz

Dobrowolskis Rückennummer 44 war vor 15 Jahren auch noch ein Hingucker. Der technisch sicher beste Fortune – damals im Verbund mit seinem russischen Offensivlandsmann Sergej Juran (Deckname wegen seiner Haarpracht: „Der wilde Büffel“) – konnte es allerdings auch nicht verhindern, dass die Düsseldorfer Zeit in der Bundesliga ein Ende fand. Niemand ahnte, dass es bis zum 16. Mai 2012 dauern sollte, ehe sich Fußball-Düsseldorf wieder erstklassig fühlen durfte.

Beim letzten Bundesliga-Kick am 31. Mai 1997 glich Igor Dobrowolski gegen den HSV eine frühe Jähnig-Führung zum 1:1 aus. 11 000 Getreue sahen sich das noch im alten Rheinstadion an. Von Fortuna-mania, der Euphorie gegenwärtigen Ausmaßes, war die Stadt so weit entfernt wie von Oscar Niemeyers Sambadrom in Rio de Janeiro.

Es gab allerdings auch nicht allzuviel Anlass vor 15 Jahren, einen breiten Stolz zu entfachen. Oder gar auf und ab zu hüpfen wie ein Flummi. Der damalige mediale Wirbel war ein haus(wald)gemachter. Präsident Jürgen Hauswald gehörte nicht zur Spezies zurückhaltender Naturelle. Das bekam auch Kulttrainer Aleksandar Ristic zu spüren, mit dem sich der Autohaus-Pleitier gern stritt. Weil er sportlich ein wenig mitreden wollte. Als in der Vorrunde der Erfolg ausblieb, waren das „bestimmte System“, Teebeutel in der Pressekonferenz und Bonbons für Linienrichter out. Zumindest für Hauswald. Der „nette“ Rudi Wojtowicz, jahrelang Ristic’ Assistent, probierte die Wende mit allerlei Tricks. Henry Maskes Melodie „Time to say good-bye“ half beim 2:0 gegen St. Pauli. Volles Training morgens um 8.45 Uhr nach einem 0:5 bei den Bayern mündete in ein 1:2-Heimdebakel gegen Bielefeld.

Wojtowicz wollte Mill loswerden

Zwischendurch muckte Carlo Werner auf, wegen seiner herausragenden Beinarbeit „Fußballgott“ gerufen. Beschwerte sich darüber, dass das Training zu hart sei. Präsident Hauswald sah das anders. Und wollte Wojtowicz zum „Co“ degradieren. „Ich hätte nach General Ristic doch lieber Feldwebel Rolf Schafstall holen sollen.“ Hauswalds Stellvertreter, der heutige Finanzvorstand Paul Jäger, war dagegen. Wojtowicz wollte Manager Frank Mill loswerden, mit dem die Zusammenarbeit ziemlich hakte. Der Ex-Nationalspieler, der von 1994 bis 1996 immerhin 55 Matches (mit sieben Toren) für die Fortuna bestritten hatte, sagte ein vereinbartes Schlichtungsgespräch ab. Sorgte bei den Fans mit diesem damals von der „Bild“ kolportierten Satz für wenig Erheiterung: „Das Beste an Düsseldorf ist die Autobahn zweiundfünfzig nach Essen.“ Der ehemalige RWE-Torjäger nahm diese Schnellverbindung nach dem Saisonende nicht mehr regelmäßig.

Der beurlaubte Aleksandar Ristic, den Fortuna noch bis Sommer 1998 zu bezahlen hatte, bot in einer Pressekonferenz (!) dem leidenden Wojtowicz seine tatkräftige Unterstützung an.

Torhüter Georg Koch meldete sich dann auch noch zu Wort. Kritisierte ob der steten Unruhe im Verein seinen Vorstand. Und dachte schon laut über einen Wechsel nach. Über die (Fehl-)Station PSV Eindhoven ging es zu Arminia Bielefeld. Und auch dort, wie mit Fortuna zuvor, in die zweite Liga. Rudi Wojtowicz hielt da übrigens nur noch sechs (sieglose) Auftritte durch. Kurios: Der gebürtige Pole, der von 1986 bis 1992 für die Fortuna verteidigt hatte, war später bis zum Februar 2010 als Talentscout für Relegationsgegner Hertha BSC Berlin unterwegs.

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