Richard Ratka programmiert den gläsernen Handballer

Düsseldorf. Es läuft nicht rund auf dem Handball-Parkett. Drittligist ART müht sich zusehends im Angriff. Richard Ratka wippt unruhig mit dem rechten Fuß auf und ab, gestikuliert mit der Hand immer wieder eine nach vorne stoßende Bewegung. „Die Jungs müssen mehr Druck entwickeln, auf die Nahtstellen stoßen.“ Für einen Moment lang blitzt im 48-Jährigen wieder der Trainer auf. Doch Ratka sitzt nur oben auf der Tribüne. Weit entfernt von der Seitenlinie, wo seine Worte sonst Gehör fanden. Eine Rolle, an die er sich erst noch gewöhnen muss. Um die einstige Galionsfigur des Düsseldorfer Handballs ist es in letzter Zeit merklich ruhiger geworden.

Acht Monate lang coachte Ratka zuletzt Zweitligist DHC Rheinland, bevor er Anfang März mit der Insolvenz unterm Bayer-Kreuz vor vollendete Tatsachen gestellt wurde. Mit ihr platzte auch der Plan einer Spielgemeinschaft mit der ebenfalls insolventen HSG, für die Ratka als Trainer vorgesehen war. Die Vergangenheitsbewältigung hat er abgeschlossen. Ratka, der mit Ehefrau Petra in einem Haus in Mettmann wohnt, hat die freie Zeit genutzt, um sein eigenes Projekt zum Abschluss zu bringen. In zweijähriger Kleinarbeit programmierte er den gläsernen Handballer.

„Es ist ein Computerprogramm, welches Handballer, Mannschaften, ihre Stärken und Schwächen sowie auch ihre Taktiken analysieren kann. Unter den selben Gesichtspunkten, wie es auch ein Trainer tun würde“, erklärt Ratka. Die Software mit dem Namen „HaViSA“ hat er in Eigenregie entwickelt und programmiert.

„Ich bin froh, dass es das zu meiner aktiven Zeit nicht gegeben hat“, schmunzelt Ratka. Er hat seine ganze Erfahrung von 290 Bundesligaspielen sowie von 71 Länderspielen in die Arbeit einfließen lassen. Hinzu kommen noch einmal stolze 14 Jahre als Bundesliga-Trainer, sechs davon in Düsseldorf (1998 bis 2004).

5900 Handballer sind in Ratkas Computerprogramm erfasst. Und mit ihnen all ihre „Geheimnisse“. Welcher Spieler wirft gerne rechts oben, wo liegen die Schwächen in der Defensivarbeit, welche Mannschaft bevorzugt welche Abwehrvariante? Die Antworten auf all diese Fragen sind nur einen Mausklick entfernt. Ratka hat das Programm während seiner Trainer-Tätigkeit selbst verwendet und es so immer wieder verfeinert. Am Computer entdeckte er so selbst bei seinem sportlichen Ziehsohn Michael Hegemann, dessen Bewegungsapparat und taktisches Repertoire er eigentlich in- und auswendig kennen müsste, noch neue Seiten.

Bundesligist TuSEM Essen und Ratkas Ex-Klub GWD Minden schwören bereits auf die Software, die sogar eigenständig ganze Spielmitschnitte auswerten kann. Auch beim Drittligisten ART setzt man auf die virtuelle Spielvorbereitung. „Das Programm ist für die Trainings- und Spielvorbereitung eine große Hilfe“, sagt ART-Coach Benjamin Daser.

Richard Ratka will sein Programm ständig verbessern: „Die Software kann einem vieles erleichtern. Nur Handball spielen müssen die Jungs noch selbst.“

 
 

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