„Morgens tue ich dann etwas für meine Birne“

Borussia-Ass Christian Süß drückt wieder die Schulbank und will sein Abitur nachholen.
Borussia-Ass Christian Süß drückt wieder die Schulbank und will sein Abitur nachholen.
Foto: Kai Kitschenberg
Christian Süß drückt wieder die Schulbank. Seit Februar ist der Borusse am Rhiel-Kolleg. An ein Karriereende denkt der Vize-Weltmeister im Doppel (2006) und viermalige Europameister jedoch nicht. Seine Teamkollegen starten derweil bei den Kuwait Open

Düsseldorf. Die Sonne und angenehme 22 Grad konnte Tischtennis-Borussia-Profi Ricardo Walther in Kuwait City kaum genießen: Der 22-jährige Jung-Nationalspieler musste in der Qualifikationsgruppe 19 zur Hauptrunde der Kuwait Open ran. Und gewann zum Auftakt gegen Lokalmatador Husain Al-Bahrani 4:0 (11:6, 11:5, 11:9, 11:9), ehe er sich gegen den in der Weltrangliste auf Platz 95 geführten Hongkong-Chinesen Yuk Cheung mit 4:2 (5:11, 13:11, 11:13, 11:3, 11:3, 11:0) durchsetzte. Allerdings gab Cheung den sechsten Durchgang wegen Verletzung auf. Was weder Walthers vorherige Leistung noch seine Freude schmälern konnte. Schließlich erkämpfte sich der Weltranglisten-186. aus Grafenberg neben dem Gruppensieg auch die Startberechtigung für das 64 Starter umfassende Hauptfeld umfasst.

Dagegen greift sein am Saisonende zum Bundesliga-Spitzenreiter TTC Fulda-Maberzell wechselnde Team-Kollege Patrick Baum erst heute um 18.30 Uhr ins Geschehen ein. Der Weltranglisten-23. trifft in der Hauptrunde auf einen Qualifikanten der 32 Vorrundengruppen. Die Auslosung nach den Gruppenspielen ergab, dass der zukünftige Borusse Patrick Franziska in der ersten Runde auf Feng Chen (Singapur) trifft, Ricardo Walther auf Jian Zhan (Singapur) und „Patti“ Baum auf den Russen Mikhai Paikow.

Während sich also die „Noch-Grafenberger“ Baum und Walther sowie Sommer-Neuzugang Franziska gestern Nachmittag mental auf ihren heutigen Hauptrundenstart in Kuwait vorbereiteten, trainierte Christian Süß im Tischtennis-Zentrum unter Anleitung von Coach Danny Heister mit Japans Hoffnung Maharu Yoshimura. Im Gespräch mit der NRZ verriet Süß, dass er seit Anfang Februar wieder die Schulbank drückt – am Riehl-Kolleg. „Ich will das Abitur nachmachen“ erklärte der Nationalspieler. Dass er dem Profisport „ade“ sagen will, weist der Vize-Weltmeister im Doppel (2006) und viermalige Europameister weit von sich und erklärt: „Ich verspreche den Fans, dass ich auch in der kommenden Saison in der Bundesliga am Tisch stehe. Derzeit halte ich eine harte und gute Trainingseinheit problemlos durch. Und morgens tue ich dann etwas für meine Birne. Alles läuft prima. Es tut gut, auch mal etwas anderes als Tischtennis im Kopf zu haben.“ Ob er aber bei Borussia bleibt, ist noch nicht sicher. „Andere Arbeitnehmer wären ja nach dreizehn Jahren Betriebszugehörigkeit unkündbar“, scherzt der 28-Jährige.

Unglaubliche Verdienste

Borussia-Manager Andreas Preuß meint dazu: „Christian hat unglaubliche Verdienste für den Verein. Allein schon deshalb akzeptieren wir seinen Entschluss. Wir wollen ihn in der Play-off-Runde um die Meisterschaft wieder als Stütze des Teams dabei haben.“

Trainer Danny Heister sieht dies ähnlich. Aber der Niederländer sagt auch: „Für ‘Krille’ ist es schwer. Seit fast drei Jahren hat er keine komplette Saison spielen können. Er muss sich in der Bundesliga, bei den German Open und anderen Turnieren die Spielpraxis holen, die wir als Team brauchen, um Meister werden zu können. Und er muss wieder an alte Stärke anknüpfen und fit sein.“

 
 

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