Gigantisches Chaos:

Mareike Scheer
Foto: Sergej Lepke

Düsseldorf. Ein Zwei-Meter-Riese bückt sich mitten auf offener Straße nach einer Plastikflasche. Sammelt sie ein und verstaut sie in einer Einkaufstüte. Später wird die Flasche in einem Supermarkt abgegeben, um sich von dem Pfand etwas zu Essen kaufen zu können. Sollte die gleiche Person Sie auf der Straße nach ein paar Cents fragen, sollten Sie zweimal überlegen. Denn vor Ihnen könnte ein Profi-Spieler der Giants aus der 2. Basketball-Bundesliga stehen. Wie die NRZ erfuhr, sollen bei jedem Spieler des Halbfinalisten noch mindestens zwei Monatsgehälter ausstehen.

Kein Geld für Essen

Während seine Korbwerfer teilweise kein Geld für Essen hatten, jettete Geschäftsführer Murat Didin immer mal wieder während der abgelaufenen Saison für Blitzbesuche in seine türkische Heimat und träumt von einem Aufstieg in die Bundesliga per Wildcard. Bis zum 22. Mai können Vereine aktuell ihre Unterlagen zur Prüfung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit einreichen. Am 31. Mai tagen die Klubs bei ihrer nächsten AG-Sitzung und entscheiden, ob überhaupt eine Startberechtigung ohne sportliche Qualifikation vergeben wird. Am 6. Juni würde dann die Entscheidung bekanntgegeben werden.

„Wir haben in den vergangenen zwei Jahren hart daran gearbeitet, eine solide Organisation zu werden. Wir haben ein Recht auf die Wildcard und verdienen diese auch“, betonte Didin auf einer Pressekonferenz vor zwei Wochen. Diese Aussagen scheinen mit den neuen Hintergrundinformationen mehr als fragwürdig. Bei einer erfolgreichen Bewerbung müssten die Giganten 150 000 Euro an die BBL überweisen. Eine Summe, für die Murat Didin auch schon einen Sponsor gefunden haben will. Ohne diesen namentlich zu benennen.

Doch sollte sich ein Verein, der auch vier Wochen nach dem letzten Spieltag der Pro-A-Saison noch immer nicht die Gehälter der Korbwerfer gezahlt hat, überhaupt eine Chance für eine BBL-Wildcard bekommen? Zumal zu klären ist, ob das Geld überhaupt an das Kölner Ligabüro überwiesen werden dürfte. Denn einige Spieler sollen mit rechtlichen Mitteln bereits einen Pfändungs- und Überweisungsbeschluss sowie ein vorläufiges Zahlungsverbot gegen die Giants erwirkt haben.

So weilen die Spieler noch immer in der Stadt am Rhein. Zum einen aus Angst, bei einer Abreise ins Ausland ihre Gehälter nie mehr in Zahlen auf ihrem Konto zu sehen. Zum anderen, weil ihnen vom Verein noch immer keine Rückflugdaten übermittelt wurden. Dabei sind zwei „Roundtickets“ vertraglich über den Klub geregelt – Kontrakte, die zum Teil nicht einmal von Geschäftsführer und Trainer Didin unterzeichnet worden sein sollen.

Bibbern in der Kälte

Der erste Trip ist um Weihnachten bereits ersatzlos gestrichen worden. Dabei sitzen einige Familien allein in der Heimat und warten auf ihren Vater oder Ehemann. Diese sollen teilweise unter widrigsten Bedingungen in Düsseldorf gewohnt haben. Zwischenzeitlich soll kein Licht in den Zimmern gebrannt haben und es in den Wohnungen bitter kalt gewesen sein. Im Januar war nach Informationen der NRZ der Strom abgestellt worden, nachdem die Giants wochenlang im Zahlungsverzug gewesen sein sollen. Auch standen die Giganten kurz davor, komplett das Dach über dem Kopf zu verlieren. Erst unter Androhung der fristlosen Kündigung wurden Gelder an die Vermieter gezahlt.

Als Finanzkrösus mit einem bekanntgegebenem Etat von 1,6 Millionen Euro waren die Giganten in die Saison gestartet. So fragt man sich nach den neuesten Informationen um so mehr, wohin das ganze Geld entschwunden ist, wenn die Korbwerfer nicht einmal bezahlt wurden.