Fortuna verneigt sich vor „Lumpi“

Als die ersten Tränen getrocknet und die „Lumpi“-Rufe für einen Moment im weiten Arena-Eck verhallt waren, blieb da noch dieser eine Herzenswunsch. „Ich wünsche mir“, wandte sich Andreas Lambertz mit ergriffener Stimme über das Arena-Mikrofon an Fortunas Fans, „dass ihr mir noch einmal die Ehre einer Humba erteilt!“ Normaler Weise wird der traditionell vom Spieler des Tages intonierte Freudentanz nur nach Siegen des Fußball-Zweitligisten zelebriert, aber natürlich mochte Lambertz am Pfingstsonntag diesen Wunsch, ungeachtet der 2:3-Niederlage gegen den FSV Frankfurt, niemand abschlagen.

Der Großteil der 28 762 Zuschauer blieb auch nach dem Schlusspfiff des Saisonfinales auf seinen Plätzen, um dem Ende einer Ära gebührend Respekt zu zollen. Nach 13 Jahren und 338 Einsätzen für die Fortuna endete für Lambertz am Sonntag eine beispiellose Karriere. Die Fortuna verneigte sich vor „Lumpi“, der natürlich seinen Herzenswunsch erfüllt bekam. 25 000 Zuschauer saßen auf Lambertz’ Kommando dem Mann des Tages zu Füßen, dessen Verabschiedung mit einer der ausgelassensten „Humbas“ seit langer Zeit einen würdigen Rahmen fand. Doch davor und danach lag reichlich Wehmut über dem Rasen.

In der 86. Spielminute war schließlich der Moment gekommen, den Lambertz zuvor wahrscheinlich schon dutzende Male in Gedanken durchgespielt haben dürfte. Als der vierte Offizielle zur Tat schritt und die Tafel mit der „17“ zur Auswechslung hochhielt, brandete frenetischer Applaus durch die Arena. Die folgenden Momente wird Lambertz im Nachhinein als die emotionalsten des Tages bezeichnen. Während er sich immer wieder applaudierend umdrehte und langsam zum Spielfeldrand schritt, kamen alle Teamkollegen auf ihn zu, um ihn auf seinem letzten Gang für die Fortuna abzuklatschen. Auch die Frankfurter Gegenspieler und Trainer Tomas Oral klatschen fair Beifall, während Lambertz mit den auf ihn einprasselnden Emotionen und den Tränen kämpfte.

„Als der Schiedsrichter in der 85. Minute auf mich zukam und mir sagte, dass es jetzt gleich so weit ist, und die Jungs alle zu mir kamen, waren meine Augen klitschnass, das war emotional gesehen der schlimmste Moment“, so Lambertz. Mit der Kapitänsbinde in der Hand winkte er schließlich noch einmal ins Publikum, abklatschen mit dem eingewechselten Tugrul Erat. Dann war Lambertz’ Karriere bei Fortuna offiziell beendet.

Einlaufen mit den Kindern

Der (Spiel-)Tag hatte für ihn bereits emotional begonnen. Als die Mannschaft 40 Minuten vor dem Anpfiff zum Warmmachen aus dem Spielertunnel kam, trugen alle Teamkollegen weiße Lambertz-Abschieds-Shirts. Beim Einlaufen der Mannschaften wurde Lambertz von seinen beiden Kindern begleitet. Mit Töchterchen Caitlin auf dem Arm und Sohnemann Collin an der Hand, ging es raus zum letzten Saisoneinsatz.

Spätestens nach dem Schlusspfiff hatte Lambertz den familiären Beistand auch bitter nötig, um inmitten der Gefühlsachterbahn nicht die Fassung zu verlieren. So war es einer der bewegendsten Momente des Sonntagnachmittags, als sich der 30-Jährige nach Spielende für einen kurzen Moment auf den Rasen setzte, um das alles um ihn herum zu verarbeiten, und Sohn Collin seinen Kopf auf „Lumpis“ Schulter legte, um den Papa zu trösten.

Dieser hatte im Anschluss bei seiner Dankesrede über das Stadionmikrofon mit den Worten und den Tränen zu kämpfen. Als „Lumpi“ schließlich ansetzte, um seinen Freunden und der Familie zu danken, musste er schluchzend einen kurzen Moment lang inne halten. „Neben den Fans und meinen Mitspielern möchte ich mich auch bei meiner Familie bedanken. Ihr wart immer für mich da. In guten und auch in schlechten Zeiten. Ich liebe euch!“

Die Geschichte von Andreas Lambertz und der Fortuna hat ein Happy End. Nach seiner aktiven Karriere wird er zu „seinem“ Verein als Nachwuchstrainer zurückkehren. Vorerst geht es jedoch für mindestens zwei Jahre bei Drittligist Dynamo Dresden weiter. Nicht jedoch, ohne seine sportliche Heimat mit ein paar aufmunternden Worten zu verlassen.

„Die Arena“, so Andreas Lambertz, „war in den vergangenen Jahren eine Festung, die zuletzt aber bröckelte. Ihr habt bei Fortuna alle die Möglichkeit dazu, neu anzufangen. Ich glaube, dass ihr das hinbekommt!“

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