Als Düsseldorf seinen „Fußball-Gott“ umarmte

Foto: SWR/obs

Düsseldorf. Das Wunder von Bern fand zwar am 4. Juli 1954 statt. Für Düsseldorf aber eigentlich erst vier Tage später: Als Weltmeister-Torwart Toni Turek in seine damalige Heimatstadt zurückkehrte. Am 8. Juli ab 16 Uhr umarmte Düsseldorf den „Fußball-Gott“. Mehr als 100 000 Menschen waren auf den Straßen. Junge Fans neben alten Omas mit zittrigen und faltigen Händen, die kaum ihre rot-weißen Fähnchen halten konnten.

Fahnen, Konfetti, Jubel und Lärm, das Festival begann im Rheinbahn-Depot an der Siegburger Straße. Aus einem schwarzen Mercedes hoben sie den etwas verlegenen „Tünn“ auf einen offenen Acht-Spänner der Dietrich-Brauerei, heute Schlösser, in ein großes Bierfass.

Triumphmarsch durch die Stadt

Blaskapelle, Fanfaren-Korps, Fortuna war mit allen Mannschaften da. Oberbürgermeister Josef Gockeln konnte den Helden von Bern kaum die Hand schütteln. Dann ging’s los, über zwei Stunden Triumphmarsch durch die Stadt.

Oberbilk, Mintropplatz, Aderstraße, Königsallee. Zuerst versuchte Toni Turek im grünen Ausgehanzug des DFB noch Blumensträuße zu fangen. Wie im Berner Wankdorf-Stadion die Bälle von Ungarns Stürmerstars Puskas, Czibor und Hidegkuti beim sensationellen 3:2 abgefeuert. Dann resignierte der mit stoischer Ruhe ausgestattete Keeper und ging notfalls in Deckung.

Am traditionellen Benrather Hof auf der Königsallee konnten sich die Kapellen über die Noten nicht einigen. Toni Turek winkte mit einer Nelke und war fast so erschöpft wie nach den 90 Minuten in der Schweiz. Aber es ging ja noch weiter. Corneliusplatz, Schadowstraße, Wehrhahn, Lindenstraße nach Flingern, wo im Vereinslokal Hoffelder Hof der Rummel endlich etwas nachließ. Da konnten sich Tureks Begleiter aus Bern, DFB Masseur Erich Deuser und Mannschaftsarzt Dr. Franz Loogen, wieder an den Star des Wagens heranschieben.

Tritt gegen den Hinterkopf

Um zu hören, was auch Rundfunk-Reporter Herbert Zimmermann den 60 Millionen am Radio nicht vermitteln konnte. O-Ton Turek: „Wie ich an den letzten Schuss von Czibor in der Ecke gekommen bin, weiß ich selbst nicht. Vorher musste ich einen Tritt gegen den Hinterkopf überstehen.“

Am Tag danach gab es im Rathaus einen Empfang von Oberbürgermeister Josef Gockeln – und einen Teppich als Präsent. Reich konnten die Kicker damals noch nicht werden. Die Prämie für die Spieler als Weltmeister betrug 2000 Mark. Eine goldene Armbanduhr, später vom Bundespräsidenten das Silberne Lorbeerblatt. Der Düsseldorfer Autohersteller DKW-Audi schenkte dem Mann mit den tausend Händen einen neuen Mittelklassewagen. Es klingt wie ein Märchen, könnte aber vom Notar beglaubigt werden: Der Eigentümer von Tureks Garage in Erkrath ermäßigte die Monatsmiete von zwanzig Mark auf 15. So sehr hatte ihn das Wunder von Bern begeistert.

Tureks Worte aus einem herzlichen Dankesbrief an Freunde und Fans klingen auch 60 Jahre später wie ein Vermächtnis: „Bleibt Eurer Liebe zur Fortuna und der Sportstadt Düsseldorf treu…“

 
 

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