Sonja Schöber kehrt nicht zurück

Keine Rückkehr an die alte Wirkungsstätte Südbad: Sonja Schöber wird nach Beendigung ihrer Dopingsperre keine Wettkämpfe mehr bestreiten.
Keine Rückkehr an die alte Wirkungsstätte Südbad: Sonja Schöber wird nach Beendigung ihrer Dopingsperre keine Wettkämpfe mehr bestreiten.
Foto: Marcus Simaitis

Sonja Schöber wird nicht mehr in den Wettkampfsport zurückkehren. Fünf Monate vor Ablauf ihrer zweijährigen Dopingsperre am 5. November sieht die ehemalige Deutscher Meisterin über 100 m Brust aus Dortmund kaum noch realistische Chancen, ihre lange und erfolgreiche Schwimm-Karriere fortzusetzen. „Ich denke, ich habe keine Lust mehr, zehn Mal die Woche zu trainieren, meine berufliche Zukunft ist mir jetzt wichtiger“, erklärte die 25-Jährige .

Wer denkt in diesen sonnigen Frühsommertagen schon an den trüben und grauen November? Selbst Sonja Schöber macht sich kaum Gedanken, obwohl der 5. November in der persönlichen Lebensplanung der Dortmunder Schwimmerin eigentlich dick mit einem Textmarker angestrichen sein müsste. An diesem Tag ist die Olympiateilnehmerin von Peking nach ihrer zweijährigen Dopingsperre wieder startberechtigt.

Am Wochenende war Dortmunds einstige Vorzeigeschwimmerin zusammen mit der Mannschaft der SG Dortmund bei der DM in Berlin. „Erstmals war ich wieder bei einem großen Wettkampf dabei. Es war schon komisch, aber zum Glück haben mich die meisten Athleten vor Ort ganz normal aufgenommen“, schildert Schöber ihre Eindrücke. Natürlich habe es wehgetan, die Konkurrenz schwimmen zu sehen. Aber nach eineinhalb Jahren Pause sei es nicht mehr ganz so schlimm. Ein gewisser Abstand sei ja schon vorhanden, sagte die 25-Jährige: „Die Zeit heilt schließlich Wunden.“

Wenn alles so läuft, wie sich Sonja Schöber ihre Zukunft vorstellt, dann wird sie am 5. November vielleicht im Südbad sein, auf dem Startblock stehen und wahrscheinlich auch im Wasser einige Bahnen ziehen. Das war’s dann aber auch. „Im ersten Jahr meiner Sperre habe ich noch richtig gut trainiert, ich wollte ja wieder angreifen. Als dann aber die Verlängerung auf zwei Jahre kam, war die Motivation weg“, beschreibt die Dortmunderin die letzten 19 Monate.

Man kann sich vorstellen, dass dieser Zeitraum sicherlich nicht zu den angenehmen Phasen im Leben eines Sportlers gehören. Auch wenn weder der DSV, die Nationale Dopingagentur Nada oder der Sportgerichtshof CAS in Lausanne den Nachweis des Dopings mit Testosteron erbringen konnten und am Ende mehr Fragezeichen als schlüssige Antworten im Raume blieben. Etwas bleibt immer etwas hängen vom Makel des Dopingsünders.

Dabei hätte auch alles anders laufen können. Es lag schlichtweg am Geld. Denn ein Dopingverfahren ist ein ziemlich teurer Spaß. Für Sonja Schöber, die als B-Kader-Athletin als Grundförderung 75 Euro im Monat von der Deutschen Sporthilfe erhielt, ein zu teurer Spaß. Die Anforderung des sogenannten „Medical Report“ kostete 500 Euro, die Öffnung der B-Probe 1500 Euro, der Gang vor den Sportgerichtshof CAS 30 000 Schweizer Franken (ca. 25 000 Euro). Und die Anwaltskosten sind auch noch nicht bezahlt, wie die gebürtige Hörderin anmerkt.

„Ich bin mir sicher, dass ein Verfahren vor dem CAS anders gelaufen wäre“, ist SG-Cheftrainer Volker Höltke überzeugt. Und was sagt Sonja Schöber dazu? „Von den 30 000 Schweizer Franken hätte ich 15 000 bezahlen müssen. So viel Geld habe ich mein ganzes Leben noch nicht mit Schwimmen verdient.“

Das alles ist Vergangenheit, zu Volker Höltke hält sie weiter Kontakt: „Er hat mich zehn Jahre lang trainiert, Volker war mehr als ein Trainer für mich.“ Natürlich fühle sie sich noch immer unfair behandelt, vom DSV habe bislang niemand bei ihr angerufen oder mit ihr gesprochen, aber der große Anfangsfrust sei schnell weggewesen, so Sonja Schöber.

Die sich direkt in ihr Studium (Anglistik und Germanistik in Bochum) stürzte und im August ihren Bachelor in der Tasche hat. Journalistin wolle sie werden, habe bereits bei RTL 2 in München ein dreimonatiges Praktikum absolviert. „Jetzt hat der Beruf Vorrang“, so die einstige Spezialistin über die Bruststrecken.

Und sie holt das nach, was sie früher verpasst habe. Sie war auf Reisen, viel unterwegs. Zweimal war sie für zwei Monate im Robinson Club auf Fuerteventura - als Schwimmlehrerin. Eigentlich vermisse sie kaum noch etwas. Eines aber ganz besonders nicht: das Frühtraining um 6.30 Uhr im Südbad. „Früher war das ganz normal, heute finde ich es scheußlich und kann es mir nicht mehr vorstellen.“

 
 

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