So weit die Füße tragen

Quer über den Salzsee: Für Michele Ufer eine absolute Herausforderung.
Quer über den Salzsee: Für Michele Ufer eine absolute Herausforderung.
Foto: WR

In Dortmunds Laufszene kennt man Michele Ufer nicht. Aber mal im ernst, warum sollte man den jungen Mann, der gestern seinen 39. Geburtstag feierte, auch kennen? Der Dortmunder lief bislang weder einen Marathon, noch einen Halbmarathon. Selbst bei einem 10 km-Wald- und Wiesen-Lauf wurde Ufer noch nicht am Start gesehen. Seit Sonntag aber sollte man sich den Namen merken. Als Siebter beendete er den 250 km langen Lauf „Attacama Crossing“ in Chile.

Michele Ufer war der gefeierte Newcomer im Feld der Profi-Läufer bei einer der härtesten sportlichen Herausforderungen, die es derzeit gibt im riesigen Angebot von Läufen und Rennen in aller Welt. Innerhalb von sechs Tagen mussten 250 km durch die trockenste Gegend der Welt zurückgelegt werden, steinige Hindernisse und Sanddünen auf allen Vieren überwunden werden, Flüsse, tiefe Täler und Salzseen durchquert werden. Tagsüber bei Temperaturen um die 45 Grad, abends in bitterer Kälte, meistens auf einer Höhe von 3300 m im Bergland an der Grenze zu Peru und Bolivien. Den meisten Deutschen noch bestens in Erinnerung durch die Bilder der spektakulären Rettung der verschütteten chilenischen Bergleute.

Am eindrucksvollsten schilderte Michele Ufer die Szenerie nach der Königsetappe, den 75 km am fünften Tag: „Man sieht nur humpelnde Gestalten, kaputte Füße, dicke Knie und Sprunggelenke. Alles tut höllisch weh, wie ich schlafen oder zum Dixiklo kommen soll, weiß ich noch nicht. Vielleicht müssen zwei Zehennägel dran glauben, aber das kläre ich morgen mit dem Doc. Für die Füße ist so eine Distanz eh’ schon eine Extrembelastung, dann noch die Temperaturen und der Sand in den Schuhen...“

Im Telefonat mit unserer Zeitung zeigte sich Ufer schon zwei Tage danach wieder völlig erholt. „Ich werde vor meinem Abflug nach Deutschland vielleicht noch eine Vulkanbesteigung machen, meine Füße zwicken war noch etwas, aber ansonsten ist alles in Ordnung“, schmunzelte Ufer.

Der Mann hat gut lachen, möchte man meinen. Immer wieder versichert der Dortmunder, dass er bis November 2010 noch keinen Wettkampf bestritten habe. Man kann’s einfach nicht glauben. Was wohl auch der Konkurrenz so ging. „Erfahrene Profi-Läufer meinten, ich solle mein Talent als Ultra-Läufer nutzen“, erzählt Ufer.

Dabei hat sich der ausgebildete Wirtschafts-Psychologe eine ganz eigene Erfolgsstrategie zurechtgelegt. Denn eigentlich wollte er nur mitlaufen, keine Gedanken an Zeit oder Platz verschwenden, nur die eindrucksvolle Landschaft genießen. „Ich war auf einem mentalen Höhenflug. Das war wohl der Unterschied. Die Ärzte an den Checkpoints meinten, ich hätte immer gelächelt“, so Ufer.

Im Rückblick erinnert sich der Dortmunder an zwei Ereignisse, die für ihn persönlich die eindruckvollsten und härtesten Momente der Woche waren. Die Überquerung von Salzseen, wo man sich auf den messerscharfen Salzkristallen die Schuhe aufschneiden, umknicken und sich böse verletzen konnte. Und die ein oder andere Nacht im Großzelt. „Umgeben von einigen unglaublich lauten Schnarchern konnte man kein Auge zutun...“

 
 

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