Holzpfosten – ein gelebtes Gefühl

Die Fans feuerten die Holzpfosten pausenlos an.
Die Fans feuerten die Holzpfosten pausenlos an.
Foto: Manuela Schwerte/press

Schwerte. Es ist 19.30 Uhr in der Alfred-Berg-Sporthalle am Holzener Weg. Nur ein Beamer spendet auf einer Leinwand in der Mitte der Halle etwas Licht. Zu Jubelkommentaren der Holzpfostenkicker vergangener Tage wird dramatische Klaviermusik eingespielt. Gänsehautfeeling pur.

Vor der knappen 4:5 (1:2)-Niederlage der Holzpfosten-Futsaler gegen den UCF Münster liegt die Anspannung zwischen den Sitzen der rund 450 Zuschauer. Die Halle ist ausverkauft. Von all dem bekommen die Holzpfostenspieler nur das Ende mit. Sie sitzen in der Kabine und werden von Spielertrainer Nils Klems auf das Spiel vorbereitet.

Bereits beim vorherigen Spiel zwischen den Futsal Lions Düsseldorf und Bayer Uerdingen stehen die Holzpfosten wie ein hungriges Wolfsrudel am Spielfeldrand und können kaum ruhig halten. Auf der Tribüne bereiten sich die Zuschauer mit Regel-Flyern vor.

Rudelführer Klems

Rudelführer Klems mahnt seine Mannen immer wieder, sich im Kabinengang aufzuwärmen. Doch der Drang auf das Spielterrain ist zu groß. Stephan Kleine hüpft am Spielfeldrand hin und her. „Ich hab’ ein bisschen Bock“, versucht er seine Vorfreude in seiner ironischen Art und Weise auszudrücken.

Dann peitscht Klems sein Team kurz vor dem Anpfiff noch mal zusammen. In der Kabine nimmt Oliver Manz noch einen kräftigen Schluck aus einer Dose Energydrink. Die Wölfe sollen zusätzlich noch Flügel bekommen. Es riecht nach Schweiß. Die Akteure sind aufgewärmt. Eher aufgeheizt. „Ich will hier jetzt gar nichts Taktisches mehr besprechen“, beginnt Klems seine Kabinenansprache. „Die ganze Halle steht hier heute hinter uns und das, was die Fans uns geben, müssen wir ihnen jetzt zurückgeben“, setzt Klems seine Ansprache fort. Das war’s dann aber auch schon. Allein ein Video soll die Kicker noch auf die richtige Bahn bringen. Darauf zu hören ist der ohrenbetäubende Torjubel der Holzpfostenfans vom Viertelfinale der Deutschen Meisterschaft in Hamburg. Zeitgleich mit dem Jubelschrei im Video springt das Wolfsrudel heulend auf und drängt sich durch die Kabinentür ins Dunkle.

Dort werden zunächst die gegnerischen Spieler einzeln aufgerufen. Verhaltener Beifall für die Spieler des Uni-Futsal-Clubs Münster. Und dann vergisst Hallensprecher Thorben Krix auch noch den Münsteraner Florian Dondorf. Vielleicht ist es dieser Fauxpas, der sich später im Spielverlauf rächen wird.

Dann folgen von Daniel Otto bis zu den Holzpfostenfans mit der Nummer zwölf alle heimischen Akteure – unter deutlich mehr Applaus. Die Gänsehaut wächst noch einmal. Und bei wem sie zu schnell verschwunden ist, kommt sie spätestens beim Führungstreffer von Stephan Kleine wieder (4.). Der Holzpfostenanhang unterstützt seine Mannschaft pausenlos. Teilweise muss man Bedenken haben, ob die Tribüne dem Gehüpfe stand halten kann.

Kurz vor der Halbzeit dämpft der Doppelschlag von Dondorf (18. und 19.) dann kurzzeitig die bemerkenswerte Stimmung der Fans. Ausgerechnet Dondorf, den doch Hallensprecher Krix gar nicht auf der Liste hatte.

Trotzdem ein Lächeln

Die zweite Halbzeit gehört den Gästen. Es macht sich bemerkbar, dass die Münsteraner eine reine Futsaltruppe auf das Parkett schicken, die dreimal wöchentlich trainiert. Die Schwerter reisen nur einmal in der Woche zum Training nach Kaiserau. Doch Holzpfosten wäre nicht Holzpfosten, wenn sie es nicht kurz vor Ende der Partie mit zwei Toren binnen einer Minute noch mal spannend gemacht hätten. Am Ende aber reicht die Zeit nicht.

Für die Holzpfostenfans egal: Mit „You’ll never walk alone“, Laola-Wellen und Beifall bedanken sie sich bei der Mannschaft für einen großartigen Futsalabend. Und zumindest bei manchen Kickern ist auch wieder ein kleines Lächeln im Gesicht zu erkennen.

„Wir haben uns alle organisatorisch viel Mühe gegeben“, sagt Klems nach der Partie. Dass die Halle so voll würde, hätte er nicht gedacht. Zwar gab es bei der Gruppe im sozialen Netzwerk Facebook bis vor Anpfiff 283 Zusagen, doch 450 Zuschauer überschritten dann doch seine Vorstellungsgrenze. „Als mir gesagt wurde, dass wir ein Futsalheimspiel bekommen, wäre ich froh gewesen, wenn wir 50 Leute in die Halle bekommen“, sagt Klems. Am 14. Januar winkt dem Wolfsrudel die nächste Chance, ihren Siegeshunger im heimischen Revier zu stillen. „Dann wollen wir den Fans einen Sieg schenken.“

 
 

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