Hamm und Hamburg – zwei Welten

Alles hört auf sein Kommando: Kay Rothenpieler ist Trainer und Manager der Felix Magath der SG.
Alles hört auf sein Kommando: Kay Rothenpieler ist Trainer und Manager der Felix Magath der SG.
Foto: WP

Die Kölnarena ist größer. Die Colorline-Arena moderner, die Atmosphäre in Kiel noch dichter. Aber für die meisten Fans ist und bleibt die Westfalenhalle die Wallfahrtsstätte des deutschen Handballs.

Die Weltmeisterschaften 1961, 1982 und 2007 sind ein Stück Sportgeschichte. Die Europapokalschlachten des VfL Gummersbach Legende, die Bundesligaspiele des OSC nur noch eine schöne Erinnerung. Und das Intermezzo des damaligen Erstligisten Solingen gegen Lemgo blieb ein Einzelfall. Ein Irrtum.

Jetzt hat sich ein Nachbar angesagt. Erstligaaufsteiger SG Ahlen-Hamm, gerade mal gut 30 Kilometer in der wunderschönen, aber nur 2500 Zuschauer fassenden Maxipark-Arena beheimatet, erwartet am 28. Dezember die Superstars des Hamburger SV und wagt deshalb den Umzug in die Westfalenhalle.

7000 bis 8000 Zuschauer erwartet die SG zu diesem Spektakel, wenn die Weltklassemannschaft mit den internationalen Stars Blazenko Lackovic und Domagoj Duvnjak, den Gille-Brüdern Bertrand und Guillaume, „Mimi“ Kraus, Torsten Jansen, Igor Vori, Marcin und Krzysztof Lijewski, Bundesligatorschützenkönig Hans Lindberg, Pascal Hens und Torhüter Johannes Bitter zum „Heimspiel“ erscheinen.

Ahlen-Hamm hat dem an Namen nicht viel entgegenzusetzen. Maik Machulla, Mark Schmetz, Frank Schumann oder Einar Holmgeirsson sind den Insidern bekannt, sie verbreiten aber nicht den Glanz ihrer Kontrahenten, die sich vermutlich mit dem THW Kiel erneut bis zum letzten Spieltag ein heißes Duell um die Meisterschaft in der stärksten Liga der Welt liefern werden. Die Sympathien der neutralen Zuschauer gehören meist dem „Underdog“, der in dieser Saison von großem Verletzungspech heimgesucht wurde und zeitweilig fünf Stammspieler ersetzen musste. Jetzt stemmt er sich mit aller Kraft gegen den Abstieg.

„Bis zum HSV-Spiel sollten wir noch drei oder vier, besser fünf Punkte holen, dann haben wir Anschluss gefunden und können ganz locker in die Partie gehen“, sagt Kay Rothenpieler. Der Trainer und Manager der SG, der Hamm zum Bundesligaaufstieg führte und sich dann eigentlich in den Familienbetrieb der Schwiegereltern verabschieden wollte (Gartencenter-Kette), ist seit einer Woche wieder im Amt. Als Nachfolger des glücklosen Jens Pfänder.

Rothenpieler kommt besonders gern nach Dortmund, der schönen Erinnerungen wegen. „Das war schon eine geile Zeit beim OSC“, sagt er und bekommt glänzende Augen. Damals, Ende der 80-er Jahre, mit Peter Kovacs, Manfred Zander, Karsten Kohlhaas, Carsten Lueg oder Frank Schoppe. 1988 wurde der „kleine flinke Linkshänder“ mit 16 Jahren jüngster Bundesliga-Torschütze in der Geschichte des OSC. Dann verabschiedete er sich nach Niederwürzbach – und lernte die gute Zeit beim OSC noch mehr schätzen. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Jetzt kommt er zurück nach Dortmund. Mit Ahlen-Hamm. Dort zu helfen, sei ihm eine Herzensangelegenheit, sagt er: „Sportlich ist die Mannschaft in dieser Saison nicht gerade vom Glück begünstigt worden. Und die Außendarstellung der letzten Wochen ist auch verbesserungsbedürftig, jetzt hoffe ich zuerst auf sportliche Erfolge, so dass wir Viert- oder zumindest Drittletzter werden“. Parallel will er dem Profiteam neue Strukturen geben. Da hat er sich jede Menge vorgenommen. „Mittelfristig“, sagt er, „möchten wir uns im Leistungshandball, sprich in der ersten Liga, etablieren.“

Und dann vielleicht öfter nach Dortmund kommen. Gegen Kiel oder HSV zum Beispiel. Würde auch die Dortmunder freuen.

 
 

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