Halbzeit-Bilanz liegt weit hinter BVB-Anspruch

Fehlstart: Schon zum Saisonauftakt gab es im neuen Stadion von Aufsteiger RWE eine 2:3-Niederlage.
Fehlstart: Schon zum Saisonauftakt gab es im neuen Stadion von Aufsteiger RWE eine 2:3-Niederlage.
Foto: WR
Der Blick in die Jugend-Bundesligen passt nicht ganz ins derzeit schöne Bild des BVB. Während die Profis in der Champions League glänzen, liegt die Halbzeit-Bilanz im Nachwuchs weit hinter dem Anspruch der Borussia. Die U 19 ist abgeschlagen Tabellen-Achter, die B-Junioren rangieren auf Platz sechs.

Besser könnte die Vorweihnachtsstimmung beim BVB kaum sein. Die Champions League-Gruppenphase hat dem Stern des Double-Siegers auch am Europäischen Himmel kräftigen Glanz verliehen, mit einer Mannschaft, in der noch jede Menge jugendliche Perspektive steckt, nicht nur in der Spitze, sondern – das hat die Partie gegen Manchester City gezeigt – auch in der Breite.

Da passt der Blick auf die Junioren-Bundesligen natürlich überhaupt nicht ins Bild. Letzten Sonntag war Hinrundenschluss in den Nachwuchs-Eliteklassen, 13 von 26 Spielen sind absolviert, die BVB-U 19 hat als Tabellenachter ganze 18 Punkte auf dem Konto, gerade halb so viel wie Spitzenreiter Schalke 04.

Nicht viel besser sieht es bei den B-Junioren aus. Hier ist der Borussen-Nachwuchs mit 23 Punkte Sechster, 16 Zähler hinter dem Tabellenführer, der hier wieder Schalke 04 heißt. Aber es ist nicht nur Schalke: Mönchengladbach, Leverkusen, Bochum – die Dauerkonkurrenten eben – bei der A-Jugend haben momentan aber auch RW Essen oder Bielefeld den BVB distanziert.

Lars Ricken, seit 2008 als Nachwuchskoordinator für das Geschehen in der Talentschmiede mitverantwortlich, kann noch immer auf eine DFB-Zertifizierung verweisen, nach der in den letzten fünf Jahren kein Verein mehr Spieler in die Profiligen gebracht hat, als der BVB. „Deswegen sehen wir die aktuelle Situation keinesfalls gelassen“, so Ricken, „die Jugend-Trainer, Michael Zorc und ich sind in permanentem Austausch. Im Vordergrund steht dabei nach wie vor die Ausbildung der Einzelspieler, aber natürlich sehen wir auch den Erfolg bzw. Misserfolg der Mannschaften.“

Langfristig gibt es ein Großprojekt, das Abhilfe schaffen soll: Im nächsten Sommer wird in Brackel unweit des Trainingszentrums ein neues Internat eröffnet, in dem es dann 22 Plätze für Talente aus ganz Deutschland geben soll. Bei der Besetzung ist dann die „Abteilung Scouting“ gefragt. Nicht etwa nur Volker Pröpper, der deutschlandweit die Jüngsten sichten soll; jeder BVB-Trainer, diverse Scouts, auch Lars Ricken, der zuletzt in den USA unterwegs war – sie alle halten permanent die Augen auf.

Die aktuelle Situation ist aber in erster Linie ein Problem der betroffenen Trainer. „Natürlich ist die Hinrundenbilanz absolut indiskutabel, weit hinter den Ansprüchen des BVB“, unternimmt A-Jugend-Coach Sascha Eickel gar nicht erst den Versuch, die Lage schön zu reden: „aber es gibt Gründe.“ Gründe für den personellen Notstand:

Mit Koray Günter und Marvin Ducksch hat der aktuelle U 19-Jahrgang in der B-Jugend vor zwei Jahren noch um den Titel mitgespielt, beide gehören inzwischen zum Drittliga-Kader, Günter saß am Dienstag auf der Champions League-Bank.

Insgesamt 17 Neue – aus der B-Jugend, aber auch viele externe Zugänge – kamen vor der Saison dazu. Dass Deutschlands Elite damals nicht unbedingt auf den Ruf des BVB wartete, war das eine Problem, dass sich entscheidende Spieler verletzten – an erster Stelle der als Torjäger geholte Kevin Holz (Kreuzbandriss) – war ein weiteres.

Es laufen bereits die Kaderplanung für die Saison 2013/14, aber noch in der aktuellen Rückrunde soll vieles besser werden. Auftakt ist am Sonntag, dann kommt Aufsteiger RW Essen, bei dem hatte alles mit einer 2:3-Niederlage angefangen.

 
 

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