Grompe hat Rio weiter in Kopf und Herz

Die Entscheidung steht fest, so schwer sie ihr auch gefallen ist. „Ich werde in diesem Sommer nicht an den Start gehen, in meiner aktuellen körperlichen Verfassung macht es keinen Sinn“, sagt Katharina Grompe, und ihre sonst so fröhliche Stimme klingt reichlich gedämpft.

Dortmund.. Die 21-Jährige ist gerade auf dem Sprung zur Physio, sie sei soweit gesund, sagt sie tapfer, "auf dem Wege der Besserung". Das ist gerade mal halbwegs optimistisch, aber es reicht natürlich nicht, um sich in den nächsten Wochen national oder gar international mit den besten Sprintern auf der Tartanbahn zu messen. "Ich gehe nur dann an den Start, wenn ich richtig fit bin und gut trainiert habe", sagt die Dortmunder Kurzstrecklerin, "ich will da nicht irgendwie so Larifari mitlaufen".

Zunächst zurückgekämpft

Wieder ist alles anders gekommen, als sie es in ihren schönen Vorstellungen geplant hat. In der Hallensaison hatte sich Katharina Grompe eindrucksvoll zurückgemeldet, hatte nach einigen Verletzungen bei den nationalen Titelkämpfen wieder den Weg ins Finale gefunden. Das gab Auftrieb, sorgte für Selbstbewusstsein, und die 21-Jährige war wild entschlossen, in der Saison wieder "richtig anzugreifen".

Doch es blieb beim schönen Wunsch. Erst litt sie an einer kleinen Überlastung des Fußes, dann wurde sie schlimmer, "ich musste mich sehr, sehr einschränken mit allen Belastungen". Irgendwann spürte sie, es machte keinen Sinn, irgendwann fiel der Entschluss: "Ich nehme mir jetzt eine Auszeit, ich nehme mich komplett raus und baue ganz neu auf".

"Warum immer ich?"

Katharina Grompe, immer auch eine Frohnatur, vor allem ein Stehaufmännchen, hatte natürlich auch ein wenig mit der Psyche zu kämpfen. "Ich war schon ein wenig deprimiert und niedergeschlagen", sagt sie, irgendwann tauche dann einfach die Frage auf: "Warum immer ich?" Eigentlich ist sie viel zu ungeduldig, um sich wieder einer so langen Durststrecke zu stellen, "es ist einfach total schade".

Soweit, so schlecht, aber wer schon mehrere Nackenschläge einstecken musste, der strampelt sich auch immer wieder hoch. "Ich muss mir neue Ziele setzen", sagte sie sich, als sie spürte, dass sie den neuen Tiefschlag gemeistert hatte. Noch wisse sie nicht, wann sie wieder voll belastbar sei, sie wisse aber, dass sie sich Zeit lassen werde. Natürlich sei die nationale Konkurrenz groß, "aber was andere können, das kann ich auch". Die Mission Rio, die Teilnahme an den Sommerspielen 2016, "sie lebt, im Herzen und im Kopf". Jetzt muss nur noch der Körper mitmachen.

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