Gregor Podeschwa und die Versprechen des Westens

Gregor Podeschwa hat sich als Spieler, Trainer und Schiedsrichter einen Namen im Schwerter Amateurfußball gemacht. Was viele vielleicht nicht wissen: Er war polnischer Junioren-Nationalspieler, holte 1990 bei der U16-EM Bronze - und er hoffte nach dem Versprechen eines Spielerberaters auf Profi-Fußball im Westen.

Geisecke.. Gregor Podeschwa galt als großes Talent - und wird in Polen erwähnt, wenn die Talentförderung heute mit der vor 25 Jahren verglichen wird. Denselben Werdegang wie die prominenten Landsleute hat er jedoch nicht genommen. Trotzdem ist der Trainer des Fußball-Bezirksligisten Geisecker SV ein bisschen stolz darauf, in einem Artikel mit polnischen Nationalspielern wie Lukasz Piszczek (Borussia Dortmund) oder Wojciech Szczesny (Arsenal London) genannt zu werden.

Der Hintergrund: Ein Schulfreund meldete sich vor ein paar Wochen beim aus Polen stammenden Podeschwa. Er hatte im Internet auf einem großen polnischen Sport-Portal einen Bericht entdeckt, in dem es um Talentsichtung westeuropäischer Vereine geht und wie sich diese im Laufe der Jahre verändert hat. Dabei wurde auch Podeschwa erwähnt.

Bronze mit Polens U16

Der heute 40-jährige Podeschwa war in seiner Jugendzeit eines der größten polnischen Talente. 1990 zählte er zu der Mannschaft, die bei der U16-Europameisterschaft in der DDR die Bronzemedaille gewann - spätestens da wurden die Talentspäher auf ihn aufmerksam. Auch Willi Reinke, ein Spielerberater mit Tätigkeitsschwerpunkt in Osteuropa. Reinke versprach, die Talente in westeuropäischen Vereinen unterzubringen. So auch Gregor Podeschwa und zwei andere polnische U16-Nationalspieler.

Podeschwas Großeltern sind Deutsche. Seine Eltern waren 1989, etwa ein halbes Jahr vor dem Mauerfall, in die Bundesrepublik ausgereist und hatten in Dortmund Wurzeln geschlagen. Nach besagter Junioren-EM sollten Gregor und sein ein Jahr ältere Bruder Robert nachkommen.

Über Belgien in den Pott

Gelandet ist Gregor Podeschwa jedoch zunächst beim SK Beveren in Belgien - auf Reinkes Vermittlung. Sportlich lief es dort gut, Podeschwa spielte noch als Jugendlicher in der ersten Mannschaft. "Ansonsten aber wurde viel versprochen und nichts eingehalten", erinnert sich Podeschwa heute.

Die Vereinsverantwortlichen hatten seinem Vater einen Job versprochen - geplant war, dass die ganze Familie umzieht. Das Jobversprechen erwies sich aber als ein leeres - und schon ging es zurück ins Ruhrgebiet. In der A-Jugend der SG Wattenscheid 09, damals noch Bundesligist, kam Podeschwa unter. "Mein erster Trainer war damals Kiki Kneuper", erinnert er sich an seine erste Begegnung mit dem heutigen Berater des VfL Schwerte.

Letztlich ist Podeschwa im Amateurbereich geblieben und macht auch keineswegs den Eindruck, als sei er unglücklich darüber, dass es - im Gegensatz zu Piszczek, Sczesny und Co. - mit dem Profi-Dasein nichts geworden ist. Einen Versuch hat er allerdings zwischendurch nochmal gestartet, wie er verrät: "Während des Studiums hab ich ein halbes Jahr eine Auszeit genommen und bin zu einem Zweitligisten nach Polen gegangen. Aber ich habe schnell gemerkt, dass das keinen Sinn macht."

Trainerlehrgang mit Häßler und Fink

So kehrte Podeschwa schnell nach Deutschland zurück, beendete sein BWL-Studium und blieb im Amateurbereich. Unter anderem kickte Podeschwa Ende der 90er-Jahre für den VfR Sölde in der Oberliga, später auch für den VfB Westhofen und den VfL Schwerte im Schwerter Raum. 2005 bestand Podeschwa die Prüfung zum Fußballlehrer an der Sporthochschule Köln - in einem Lehrgang, in dem unter anderem auch "Icke" Häßler und Thorsten Fink dabei waren.

Nach Trainerstationen im Nachwuchsbereich von Borussia Dortmund und dem VfL Bochum ist Podeschwa seit 2011 beim Geisecker SV - und ist zufrieden. "Es ist alles gut, so wie es ist", sagt der 40-Jährige - der Mann ist mit sich im Reinen.

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