Mallorca an nur einem Tag

Michael Schroer (links) und Thorsten Hirsemann.
Michael Schroer (links) und Thorsten Hirsemann.
Foto: NRZ
Dinslaken. Die Dinslakener Thorsten Hirsemann und Michael Schroer umrundeten die Insel beim „M312“ mit dem Rad in knapp zwölf Stunden. Schwierige Bedingungen mit Regen, Kälte und Nebel.

Die einen verbinden mit der Deutschen liebster Urlaubsinsel Party bis zum Abwinken. Andere denken an Erholung an schönen Sandstränden und malerischen Buchten. Thorsten Hirsemann und Michael Schroer denken mittlerweile bei Mallorca auch an ein gehöriges Maß an Quälerei zurück. Selbst auferlegte Qualen wohlgemerkt, denn die beiden Hiesfelder absolvierten jetzt das berüchtigte Radrennen „M312“ auf dem Baleareneiland. Der Buchstabe M für Mallorca, die Zahl 312 für die Anzahl der Kilometer, die bewältigt werden mussten. Vom Start im Nordosten an der Playa de Muro ging’s einmal gegen den Uhrzeigersinn rund um die Insel. Nicht als Etappenfahrt, wie eher untrainierte Hobbyradler vermuten könnten, sondern am Stück. Etwas weniger als zwölf Stunden sollte das gut vorbereitete Duo am Ende für die gesamte Strecke benötigen.

Was umso bemerkenswerter ist, weil auf der Runde gleich 4400 Höhenmeter zu überwinden waren, und auch, weil die Bedingungen am Wettkampftag wesentlich schwieriger waren, als erhofft. Beim Start war’s zwar noch trocken, „aber beim ersten Anstieg hat es angefangen zu regnen, mal mehr, mal weniger stark“, erinnert sich Hirsemann . Dazu überschritt das Thermometer in den Bergen nur selten den einstelligen Bereich. Regen und Kälte waren am Ende dafür mitverantwortlich, dass ein Großteil der rund 1000 Starter das Ziel in Can Picafort gar nicht erreichte.

Auch von Nebel blieben die Radsportler nicht verschont. Vor allem die Abfahrt vom Col de Claret erlebten die beiden Dinslakener als ziemlich gefährlich: „Man sah die Kurven sehr spät. Wir versuchten uns an den Rücklichtern der Motorradfahrer zu orientieren. Das ging für zehn Minuten gut“, erzählt Hirsemann. Ein paar einheimische Teilnehmer brachten die Ortsunkundigen schließlich sicher den Berg runter. Und trotzdem erwischte es Schroer noch. „Das war es“, meinte der 41-jährige sofort nach dem Unfall, der nicht nur seine Beine und seinen Allerwertesten, sondern auch seinen Untersatz in Mitleidenschaft gezogen hatte. Aufgeben kam dann doch nicht in Frage: Als der Schock verdaut und das Rad bearbeitet war, setzte sich der Bergmann wieder in den Sattel. Weiter ging es Richtung Palma, zur Rush Hour durch die Hauptstadt, vorbei an der Schinkenstraße und Arenal Richtung Ziel. Der gefährlichste Teil lag hinter den Hiesfeldern, doch das Leiden war noch nicht vorbei. Einige steile Rampen lagen noch vor Hirsemann und Schroer. Wie die 22 Prozent-Steigung bei Porto Cristo: „Wir waren zu Beginn des Urlaubs schon einmal da und wussten, was uns erwartet. Da hatten wir aber auch noch keine 200 Kilometer in den Beinen“, lacht Hirsemann. Doch der 34 Jahre alte Maschinenbautechniker und sein Kollege meisterten auch diese Herausforderung und wurden wenig später in Arta mit einem richtigen Volksfest belohnt: „Wir wurden gefeiert, als ob wir Weltmeister wären“, erzählt Hirsemann. „Very, very easy“ sei der Rest der Strecke machte der Veranstalter den beiden Fahrern des RSC Niederrhein Mut, „no problem!“

Die letzten Anstiege taten dann zwar doch noch einmal weh, aber auf den letzten Kilometern mobilisierten die Hiesfelder ihre letzten Reserven, wiesen einige Kontrahenten im Schlusssprint in die Schranken. „Überglücklich“ sei er ins Ziel gefahren“, sagt Hirsemann, der insgesamt 12:53:08 Stunden benötigte. Keine 20 Sekunden dahinter überquerte Schroer die Ziellinie. Genauso glücklich, genauso erledigt.

Und wenn das Dinslakener Radsportduo jetzt zurück in der Heimat an Mallorca denkt, dann ist da nicht nur die Erinnerung an eine große Quälerei, sondern auch an ein einmaliges Erlebnis. Eins gegen das Party oder Strand nicht ankommen.

 
 

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