Guten Rutsch!

Im Ziel. Foto: Jochen Emde
Im Ziel. Foto: Jochen Emde
Foto: WAZ FotoPool

Sieht ja alles ganz einfach aus: Auf dem Eis stehen, ein paar Mal Schwung holen, den Eisstock ganz geschmeidig über das Eis rutschen lassen und möglichst nah an die schwarze Gummischeibe bugsieren. Es scheint nichts leichter zu sein. Zielbewusst nehme ich den recht schweren Eisstock und schaukele ihn hin und her. Unbeholfen schwinge ich den Stock auf das Eis. Er verfehlt die angepeilte Richtung und knallt für alle gut hörbar zu feste gegen die Bande auf der anderen Seite. Verlegen blicke ich in die Runde der rüstigen Eisstockspieler. Harald Neu, Vorsitzender des Dinslakener Eissportvereins und Initiator des Schnuppertages in der Eissporthalle, scheint mir mit seinem Grinsen sagen zu wollen: „Siehste mal, ist nicht nur für Rentner.“

Zugegeben: Anfangs sieht alles danach aus. Die angereisten Vertreter der Eisstockabteilung des DSC Kaiserberg sind bis auf eine Ausnahme im Ruhestand. Wie Alfred Becker, der vor rund acht Jahren den Sport auf einem Weihnachtsmarkt in Dorsten kennen lernte. Aus der besonderen Eignung für Ältere macht der 70-Jährige keinen Hehl: „Den Sport kann man immer ausüben. Und nebenbei kann man herrlich Witze machen.“ Der Sport lebt von der Geselligkeit.

Die Galionsfigur an diesem Tag gibt Thomas Bartels ab, der jüngst den dritten Platz bei den Deutschen Meisterschaften belegte. Neben einem aufmunternden Lächeln für blutige Anfänger wie mich füllt der Trainer des DSC Kaiserberg in erster Linie die Wissenslücken der Interessenten.

„Der einfache Mann greift zum Eisstock“

Im Mittelpunkt steht natürlich der Eisstock, der sich vor allem im Kostenpunkt vom Curlingstein unterscheide: „Man sagte früher immer, dass man für einen Curlingstein einen gebrauchten VW bekommt. Der einfache Mann griff da lieber zum Eisstock.“ Die Fakten sprechen Bände: Ein Curlingstein, bestehend aus Granit, kostet ca. 1300 Euro, während der Eisstock mit 300 Euro verhältnismäßig günstig ist. „Die Curlingspieler trinken Champagner, wir Obstler“, schallt es gut gelaunt aus der hinteren Reihe.

Gespielt wird auf Eis oder im Sommer auf Asphalt. Gezielt wird auf einen frei beweglichen Puck, die Daube.

Ein Junge weckt in Dinslaken das Interesse der gestandenen Mitglieder: Henning Lamberts, ein 13-jähriger Schüler, der sonst Fußball bei Wacker Dinslaken spielt, tritt an und legt einen perfekten Wurf nach dem anderen hin. Alles Glück? Der Fachmann urteilt anders: „Der hat Talent, ist aber viel zu jung.“

„Die Jugend geht lieber
in die Muckibude“

Beim Thema Nachwuchs blickt man in betretene Gesichter. Werner Schönefeld, ein Urgestein des Sports, Gründungsmitglied der Abteilung vor vierzig Jahren, kann sich einen Seitenhieb nicht verkneifen: „Die Jugend von heute kauft doch lieber eine Zehnerkarte für die Muckibude!“ Die wahren Gründe für den Mangel sind ihm dennoch bekannt. Neben der unbestreitbaren Exotik sehe man vor allem Spieldauer und Uhrzeit als Problem. Gespielt wird in Turnierform à 16 Partien. Längen von acht Stunden sind keine Seltenheit. Zudem bekommen die Eisstockschützen Zeiten in den Morgenstunden, da die Eisflächen später von den populäreren Sportarten besetzt seien. „In den Hochzeiten hatten wir 50 Mitglieder, heute sind es knapp 30“, so Schönefeld.

Fragt man den jüngeren Thomas Bartels nach den Perspektiven des Sports, leuchten seine Augen. Nicht weit in Krefeld gibt es extra angelegte Eisflächen und Schulprojekte, die den Sport fördern. Krefeld ist die Hochburg des Eisstockschießens. Wie kam er zu dem Sport? „Ein Freund wollte da mal hin, traute sich aber nicht alleine.“ In dieser Randsportart ist eben alles etwas kurios. Aus dem freundschaftlichen Dienst blühte die Liebe zum Eisstock. Seit mehr als zwanzig Jahren übt Bartels den Sport aus.

Demnächst auch
Eisschnelllauf im Angebot

Die dünne Resonanz beim ersten Schnuppertraining sorgt sowohl bei den Vereinsmitgliedern aus Kaiserberg als auch bei den Initiatoren des Dinslakener Eissportvereins für keine traurigen Mienen. „Wir wollen das Eissportangebot vielfältiger machen. Neben dem Eisstockschießen wollen wir auch eine Eisschnelllauf-Abteilung gründen“, blickt Vorsitzender Harald Neu optimistisch in die Zukunft.

 
 

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