Für Philipp ist Energie eine einmalige Chance

Die Koffer sind gepackt, die Freunde verabschiedet. Mit einer 630 Kilometer langen Fahrt in Richtung Osten beginnt für Philipp Peitgen das große Abenteuer. Das Theodor-Heuss-Gymnasium hat den 16-Jährigen für die letzte Schulwoche beurlaubt. Wiederkehren wird er nach den Sommerferien nicht. Der Dinslakener Fußballer, der zuletzt im Tor des Niederrheinligisten Hamborn 07 stand, erfüllt sich einen Traum. Philipp wechselt zum FC Energie Cottbus und bekommt dort die Chance, in der B-Junioren-Bundesliga zu kicken.

Den selbstbewussten Schüler reizt dabei nicht nur die Ligenzugehörigkeit der Lausitzer. „Die haben dort einfach eine super Infrastruktur“, glaubt der talentierte Keeper, bei Energie beste Bedingungen vorzufinden, um einen weiteren, großen Schritt nach vorne zu machen. Bei einem Probetraining in der 100 000- Einwohner-Stadt hat nicht nur der Dinslakener den Verein überzeugt. Auch Philipp und seine Familie waren mit dem, was sie vorfanden, mehr als zufrieden: „Wir haben das Umfeld dort als sehr motivierend und extrem gut organisiert empfunden. Die Leute waren auch alle sehr nett“, erzählt Vater Klaus. „Wir haben die Entscheidung für Cottbus als Familie getroffen“, betont der Chirurg.

Natürlich waren auch andere Vereine aus der näheren Umgebung auf den Torwart, der als jüngerer Jahrgang bei den „Löwen“ zwischen den Pfosten stand, aufmerksam geworden. „Aber Cottbus hat mich unbedingt gewollt und sich von Beginn an an jede Absprache gehalten“, sagt Philipp, überzeugt davon, die richtige Wahl getroffen zu haben.

Training am Morgen

Schließlich gibt es jede Menge Fakten, die für Cottbus und den FC Energie sprechen: Der Dinslakener kann dort die traditionsreiche Lausitzer Sportschule besuchen, die 1997 als „Eliteschule des Sports“ ausgezeichnet wurde und 2006 als erste Einrichtung überhaupt vom DFB den Titel „Eliteschule des Fußballs“ verliehen bekam. Der Unterricht ist so abgestimmt, dass auch morgens um 10 Uhr trainiert werden kann. Vom Athletenhaus, in dem die Schüler untergebracht sind, ist es nur ein Katzensprung zum Schulgebäude – und nicht viel weiter zu den Sportplätzen.

Dazu kommt der gute Ruf, den der FC Energie nicht allein in der Jugendausbildung, sondern insbesondere in der Ausbildung der Torhüter genießt. Verantwortlich für die Jugend-Keeper ist Ronny Zeiß, der sich auch um die Torhüter der Zweitliga-Mannschaft kümmert. Auf die Suche nach neuen Torwart-Talenten des Jahrgangs 1995 musste sich Cottbus auch machen, weil Jugendnationaltorwart Max Oberschmidt sich nach England zum FC Fulham verabschiedet hatte.

Philipp Peitgen, der mittlerweile stolze 1,80 Meter misst, betrat zum ersten Mal als fünfjähriger Dreikäsehoch beim SuS 09 einen Fußballplatz. Trotz großer Bemühungen lief es auf dem Feld alles andere als rund: „Das war nicht mein Ding. Also bin ich ins Tor gegangen“, erinnert sich der Schüler. Durch die Extraschichten im heimischen Garten mit Papa Klaus, in seiner Jugend selbst Torwart, machte Philipp schnell Fortschritte. Noch in der E-Jugend wechselte er zum Nachbarn TV Jahn Hiesfeld. In der C-Jugend wurde schließlich Hamborn 07 auf den „Veilchen“-Keeper aufmerksam, das zweite Jahr dieser Altersklasse spielte er am Holtkamp in der Niederrheinliga. Im Duisburger Norden arbeitete Philipp, der sowohl auf der Linie als auch im Strafraum überzeugt, intensiv an seinen fußballerischen Defiziten. Der ehrgeizige Bayern-Fan trainierte mit dem jüngeren Nachwuchs auf dem Feld, ist mit dem Fuß nun viel sicherer geworden. So sicher, dass er beim Probetraining in Cottbus sogar gefragt wurde, ob er früher Stürmer war.

In den ersten Tagen in fremder Umgebung wird Philipp noch auf die Unterstützung seiner Eltern bauen können. Die haben dazu extra den geplanten Frankreich-Urlaub an die Ostsee verlegt, wollen auf dem Rückweg noch einmal in Cottbus nach dem Rechten sehen. „Aber dann ist er wirklich auf sich allein gestellt“, sagt der Vater. Philipp, dem nachgesagt wird, völlig angstfrei zu sein, macht tatsächlich keineswegs den Eindruck, sich darüber zu sorgen: „Ich wollte schon immer in der Bundesliga spielen. Das ist eine einmalige Chance und ich bin glücklich, dass ich sie bekommen habe.“

 
 

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