„Erschöpft, aber glücklich“

Auf den sechs Bahnen herrschte während der gesamten 24 Stunden viel Betrieb. Je 20 Schwimmer fanden in einer Bahn Platz.
Auf den sechs Bahnen herrschte während der gesamten 24 Stunden viel Betrieb. Je 20 Schwimmer fanden in einer Bahn Platz.
Foto: WAZ FotoPool
Dinslaken. Insgesamt 580 Teilnehmer belebten das 24-Stunden-Schwimmen im Dinamare. Neue Rekorde aufgestellt.

Ein halbes Jahr hatte sich Daniel Kandora auf das 24-Stunden-Schwimmen im Dinamare vorbereitet, trainierte mitunter viermal in der Woche, um nach einer schlaflosen Nacht den Rekord in den Händen zu halten. 50 Kilometer legte der 19-Jährige zurück und hatte am Ende nur eins im Kopf: So schnell wie möglich ins Bett.

„Zwischen zehn und zwölf war’s richtig schlimm. Da musste ich mich quälen“, sagte Kandora, der seit fünfzehn Jahren das Wasser liebt. Jeweils nach vier Kilometern legte der neue Rekordhalter eine zehnminütige Pause ein. Angepeilt war die Erst-Auflagen-Bestmarke von 41,5 Kilometern. Am Ende sollte es die Strecke Dinslaken-Bochum werden. „Ich war gar nicht müde, aber jetzt“, erklärte Kandora neben Stadtwerke-Geschäftsführer Andreas Heinrich stehend. „Gigantisch“, fiel Heinrich nur ein. Und das war es. Seit dem ersten 24-Stunden-Schwimmen 1986 hat noch keiner eine derartige Strecke bewältigt.

Vor zwei Jahren riefen die Stadtwerke Dinslaken das Event wieder ins Leben. Nicht nur die Gesamtstrecke mit 1705 Kilometern war neue Bestmarke, auch die Durchschnittsstrecke der 580 Teilnehmer mit 3318 Metern. „Die Frequenz ist deutlich stärker“, merkte Peter Steinbeißer vom TV Jahn Hiesfeld an. Das betraf vor allem die Nacht von Samstag auf Sonntag.

Die Szene wirkte fast wie eine amerikanische Nacht, als würde man das Dinamare bei Tageslicht durch einen Lichtfilter sehen. Um Mitternacht stiegen die Schwimmer auf dem vollen Parkplatz aus den Autos und mussten sich im Hallenbad noch um eine Bahn sorgen. Zu Discomusik zogen die Hobby-Schwimmer durchs Wasser, während draußen längst die Dunkelheit herrschte. „Ich dachte mir: Jetzt müsste es ja leer sein“, staunte Hobby-Schwimmer Peter über den Andrang. 1992 gab der ehemalige SCD-Schwimmer die Badehose auf, für das Event holte der Dinslakener zusammen mit seinem alten Vereinspartner Jochen diese wieder heraus. „Wir haben früher auch bei den Rennen teilgenommen. Aber jetzt ist ja viel mehr Stimmung. Das ist einfach 3toll.“ Steinbeißer, der wie viele der 93 ehrenamtlichen Helfer einen eigenen 24-Stunden-Marathon durchlief, konnte es nicht fassen. „Die ganze Nacht waren mindestens 15 Leute im Becken. Das war phänomenal.“

Ob die Stimmung in Dinslaken gut ist oder nicht, das konnte Manfred Kießling im Internet nicht herausfinden. Aber wann es losging. Aus der Nähe von Stuttgart reiste der 56-Jährige extra an, stieg nach der Eröffnungsrede von Bürgermeister Michael Heidinger um 14.09 Uhr ins Becken und schwamm. Und schwamm. Bei der Siegerehrung schwamm Kießling immer noch im Becken. 31,6 Kilometer brachte der Hobby-Wanderer zuwege, eine neue Bestmarke. „Sehr gut, aber müde“, fühlte sich Kießling am Sonntag. „Ich wusste: Ich darf mich nicht hinlegen. Das ist mein Tod.“ Alle drei Stunden eine viertelstündige Pause gönnte sich Kießling. Lächelnd hielt der Schwimmer die baden-württembergische Fahne mit den aufgeweichten Händen in die Kamera.

Der älteste Teilnehmer war Kießling damit noch lange nicht. Seit 40 Jahren wohnt Helmut Blaha neben dem Hiesfelder Schwimmbad und kann trotz seiner 83 Jahre nicht dem kühlen Nass entsagen. 2000 Meter legte der Hiesfelder am Samstag zurück, dann ging’s wieder nach Hause. „Meine Frau wartete.“ Vielleicht wären es sonst noch ein paar Meter mehr geworden. Beim nächsten Mal ist Blaha wieder dabei. Bisher ließ der Rentner noch keine Episode aus.

Ein nächstes Mal wird es bestimmt geben, denn die Organisatoren, der SC Dinslaken und der TV Jahn Hiesfeld, sowie der Veranstalter Stadtwerke Dinslaken, waren unisono begeistert. „Ganz besonders ist, dass hier die Vereine Hand in Hand arbeiten“; freute sich Heinrich über das Gemeinschaftsprojekt. „Erschöpft, aber glücklich“, blickt Heinrich der nächsten Ausgabe und den nächsten Beckenrand-Geschichten entgegen.

 
 

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