Die lebendige Vergangenheit der „Zebras“

(v.l.) Markus Krebs, Moderator Marco Röhling, Günter Preuß, Michael Wildberg und Bernard Dietz.
(v.l.) Markus Krebs, Moderator Marco Röhling, Günter Preuß, Michael Wildberg und Bernard Dietz.
Foto: Heiko Kempken/WAZ FotoPool
Dinslaken. Die ehemaligen Bundesliga-Kicker Günter Preuß und Bernard Dietz plauderten beim Lese-Talk im Bistro der Kathrin-Türks-Halle in Dinslaken über den MSV Duisburg.

Früher war nicht alles besser. Es kommt nur auf den Blickwinkel an. Frag nach bei Günter Preuß: Der Mann ist 76 Jahre alt, schnürte von 1948 bis 1969 für den Meidericher SV die Fußballschuhe und gehörte zu den Pionieren des MSV Duisburg, die 1963 den Einzug in die neu gegründete Bundesliga schafften. Preuß ist ein Ur-„Zebra“, und wenn er von seinem Verein erzählt, bekommt der Zuhörer einen Eindruck davon, wie wertvoll bei der Bewertung der Gegenwart ein Blick in die Vergangenheit sein kann. Für den Lese-Talk unter dem Motto „Gegen das Vergessen“ von und für Fans des MSV Duisburg konnte es am Montagabend kaum einen passenderen Gast im Bistro der Dinslakener Kathrin-Türks-Halle geben.

Günter Preuß vergisst nicht. Schon zum Auftakt nach der Begrüßung durch Moderator Marco Röhling hob er zu einem launigen, knapp zwanzigminütigen Monolog an, berichtete detailliert von seinen Erlebnissen unter Trainer Willi „Fischken“ Multhaup rund um das entscheidende Spiel bei Viktoria Köln vor knapp fünfzig Jahren, als sich die Meidericher mit einem 3:2-Sieg für die Bundesliga qualifizierten, und gab weitere Anekdoten zum besten. Ein Buch hat er geschrieben mit dem Titel „Der Kapitän der Zebras“, vorlesen musste er beim Lese-Talk daraus nicht: „Ich hab’ das Buch im Kopf.“ Vizemeister wurde Preuß mit dem MSV, von derartigem Erfolg ist die aktuelle Mannschaft nicht nur wegen des immer noch drohenden Abstiegs aus der zweiten Liga weit entfernt. „Im Pokalfinale 2011 (0:5 gegen den FC Schalke 04, d.Red.) hatten wir die schlechteste Mannschaft aller Zeiten in einem Endspiel“, urteilte der Alt-Kicker, „aber die besten Fans“.

Im Herzen ein Fan des MSV ist auch Bernard Dietz geblieben, noch lange nach seiner aktiven Zeit als Profikicker berührt ihn das Geschehen in „seinem“ Verein. In Meiderich machte „Enatz“ seine ersten Schritte jenseits des Amateurfußballs, beim MSV wurde er Nationalspieler und als Kapitän mit der deutschen Elf 1980 Europameister. Selbst als er mit 34 Jahren noch für damals 400 000 Mark nach Schalke verkauft wurde, nutzte Dietz die Zeit zwischen zwei Trainingseinheiten zu Ausflügen in die alte Heimat: „Ich bin nach Wedau gefahren, hab mich auf die Tribüne gesetzt und aufs Spielfeld geguckt.“ Heute sitzt das Duisburger Idol im Aufsichtsrat der KGaA seines Vereins, die Frage eines Zuschauers nach einem Posten als Vorsitzender beantwortete er am Montag aber eindeutig: „Das ist nicht meine Welt.“ Gleichwohl sei das Wichtigste, was der Verein derzeit brauche, nach mehreren Wechseln an der Klubspitze in den vergangenen Jahren „endlich Ruhe in den Verein zu bekommen“.

Damit sprach er nicht nur den mehr als 250 Zuhörern im rappelvollen Bistro aus der Seele. Michael Wildberg, mit 31 Jahren der jüngste Teilnehmer auf dem Talksofa, hat seine Erlebnisse als MSV-Fan in dem Buch „So lonely“ aufgeschrieben und beschäftigt sich intensiv mit der Duisburger Vereinshistorie. Er berichtete von einer eindrucksvollen Begegnung mit Michael Bella, mit 405 Bundesliga-Einsätzen Rekordspieler der „Zebras“. Geschichten aus der Gegenwart mit Menschen aus der erfolgreichen Vergangenheit: Lebendiger Einsatz gegen das Vergessen.

Weniger beeindruckend verliefen Markus Krebs’ Auftritte beim Lese-Talk. Streckenweise entsprach das Niveau seiner Witzchen („Wie heißt das Geschlechtsteil des Elefanten? Dicktiergerät!“) in etwa dem Kampf um den Klassenerhalt in der zweiten Comedy-Liga. Für einige Lacher im Publikum reichte es am Montagabend immerhin.

 
 

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